Zweibrücken „Uns wurde nichts gesagt“

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Birgit Assenmacher fühlt sich hintergangen. Pfälzerwald-Verein, Verbandsgemeinde und Kreisverwaltung hätten schon lange gewusst, dass die Hahnberghütte die gesetzlichen Brandschutzauflagen nicht erfüllt (wir berichteten am 27. September). Gesagt habe das aber niemand, als ihre Bekannte Ute Müller 2013 beim Zweibrücker Pfälzerwald-Verein die Hütte bei Contwig pachtete. Der Verein widerspricht Assenmacher, die Behörden sagen nur wenig. Die Hütte bleibt vorerst geschlossen.

„Es hat Spaß gemacht, und es hat sich für uns auch gerechnet“, blickt Assenmacher auf das Jahr in der Hahnberghütte zurück, das am 1. Juli 2013 begann. Das Duo wäre gerne länger geblieben. Doch am 30. Juni 2014 war Schluss: Der Zweibrücker Pfälzerwald-Verein hat den Pachtvertrag mit Ute Müller nicht verlängert. Wegen „dauernder Unstimmigkeiten“, wie Assenmacher sagt. Doch ohnehin war die Konzession bis 30. Juni befristet: wegen Brandschutzmängeln an der Hütte. Und die sind auch der Grund für die Unstimmigkeiten zwischen Pfälzerwald-Verein und den Frauen. „Der Verein müsste richtig viel investieren“, sagt Assenmacher, und das sei schon lange bekannt. Nur ihr und Ute Müller habe man nichts gesagt. Stimmt nicht, entgegnet Günter Scheerer, der dem 200 Mitglieder starken Verein seit 18 Jahren vorsteht. Erst bei der Brandschutzbegehung im Juli 2013 habe der Verein von den Mängeln erfahren. Das könne er schriftlich belegen. Der Verein hatte die Hütte bis 2000 selbst bewirtschaftet. Danach gab es, Müller eingerechnet, vier Pächter. „Die anderen Pächter haben nie von einer Brandschutzbegehung berichtet“, sagt Scheerer. Bei der Kreisverwaltung gab es in der für Brandschutz zuständigen Abteilung einen Wechsel. Ob und wann es vor 2013 eine Brandschutzbegehung in der Hahnberghütte gab, könne man nicht sagen, heißt es aus Pirmasens. Man tut sich bei der Kreisverwaltung schwer, die alte Akte über die Hahnberghütte zu finden − sodenn es eine gibt. Das könnte man auch so interpretieren: Womöglich hat die Behörde lange Zeit bei der Hahnberghütte nicht so genau hingeschaut, bis der neue Sachbearbeiter sich den Hüttenbetrieb jetzt mal vornahm. Aus der Verbandsgemeindeverwaltung Zweibrücken-Land heißt es, man sei erst durch einen Bauantrag des Vereins in die Sache eingebunden worden − irgendwann nach dem Jahr 2009. Durch einen geplanten Umbau sei das Thema Brandschutz aufgekommen, für das die Kreisverwaltung zuständig ist. Die hat nach der Begehung im Juli 2013 mehrere Brandschutzmängel dokumentiert. Unter anderem fehlt ein Löschwassertank. Die Hütte steht auf Contwiger Gemarkung im Wald und ist sowohl von Contwig aus sowie durch die Fasanerie erreichbar. Für die Feuerwehr gibt es im Brandfall aber nur einen einzigen Weg: über die alte B 10. Deshalb muss die Hütte Löschwasser vorhalten. Notwendig wäre ein 30 000-Liter-Tank. „Ich hole derzeit Angebote ein, zu den Kosten kann ich noch nichts sagen“, so Scheerer. Auf jeden Fall wird die Sache teuer: Der Tank soll mit einem Kran an Ort und Stelle gesetzt und vergraben werden. Der Mängelbericht der Kreisverwaltung vom August 2013 umfasst zwei Seiten und liegt der RHEINPFALZ vor. Darin wird einiges beanstandet: Die Eingangstür gehe nicht in Fluchtrichtung auf, der Rettungsweg berge Stolperfallen und sei nicht gekennzeichnet, die Fenster im Übernachtungsbereich seien bis auf eins zu klein als Fluchtmöglichkeit, Trennwände seien aus Holz und daher nicht feuerfest, und es fehlten Baugenehmigungen: für den Biergarten, den Spielplatz und die große Überdachung auf dem Außengelände, aber auch für Räume im Übernachtungsbereich. Die Kreisverwaltung äußert in dem Schreiben Bedenken gegen eine Gaststättenkonzession. Der Übernachtungsbereich, so ist dort zu lesen, wurde schon unmittelbar nach der Besichtigung im Juli gesperrt. Für Assenmacher und Müller eine Katastrophe, wie sie sagen: Sie hatten mit den Einnahmen aus den Übernachtungen gerechnet. „Im Juli haben wir die Hütte übernommen, und schon nach drei Wochen konnten wir nicht mehr vermieten − ein Unding“, sagt Assenmacher. Ein weiterer Kontrollbericht der Verwaltung listet Auflagen für die Küche auf: Unter anderem müsse die beschädigte Arbeitsfläche ausgetauscht werden, Löcher in der Wand seien zu schließen, am Fenster fehle ein Fliegengitter, und der verrostete Bodeneinlauf müsse getauscht werden. Der Verein kenne diese Dokumente, sagt Assenmacher, „doch die saßen die Sache aus“. Schließlich nahmen die Frauen die Sache in die Hand. „Wir haben eine Firma geholt, die die Fluchtweglampen eingebaut hat.“ Auch die Tür ließen die Frauen drehen, ein morsches Treppengeländer wurde erneuert. Dabei müsse sich doch der Besitzer der Hütte darum kümmern. „Aber der Verein hat nichts unternommen.“ Daraufhin kürzten die Frauen die Pacht, zahlten schließlich gar keine mehr. Immerhin sei ihnen durch die Untätigkeit des Vereins Schaden entstanden. Weil die Mängelliste nicht abgearbeitet wurde, habe Müller bei der Verbandsgemeinde immer nur befristete Gaststättenkonzessionen für die Hütte bekommen. Und selbst die standen bis zuletzt auf der Kippe. So mussten die Frauen ihre große Silvesterparty absagen: Es sei bis wenige Tage vorher nicht klar gewesen, ob die Hütte an Silvester überhaupt öffnen darf. Zum 30. Juni endeten Pachtvertrag und Konzession dann endgültig, seitdem ist die Hütte zu. Scheerer sagt, der Pfälzerwald-Verein werde nun erst die Mängelliste abarbeiten und dann Gespräche mit möglichen neuen Pächtern aufnehmen. Wie und bis wann der Verein die ganzen Investitionen stemmen will, sagt Scheerer nicht. Assenmacher betont, wie gerne sie und Müller die Hütte weiterbetrieben hätten: „Ich bin extra aus dem Rheinland hierher gekommen.“ Dass schon nach einem Jahr Schluss ist, sei nie der Plan gewesen. „Wir haben das mit Leib und Seele gemacht.“ Es sei schlimm gewesen, auf den 30. Juni hinzuarbeiten. Heute haben die beiden Frauen mit dem Pfälzerwald-Verein nach eigenen Worten keinen Kontakt mehr. Manchmal schauen sie noch an der Hahnberghütte vorbei. „Wir setzen uns draußen hin, trinken einen mitgebrachten Wein“, erzählt Assenmacher. „Es ist traurig.“

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