Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Ungarin Renata Wilga drückt Daumen für gleich zwei Teams

Rückraumspielerin Renata Wilga (links) freut sich unheimlich darauf, mit Oberligist SV 64 Zweibrücken in die neue Saison zu gehe
Rückraumspielerin Renata Wilga (links) freut sich unheimlich darauf, mit Oberligist SV 64 Zweibrücken in die neue Saison zu gehen.

Sie spielt leidenschaftlich gerne Handball beim SV 64 Zweibrücken, manchmal Tennis – und interessiert sich auch sonst für jede Art Sport. Beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn schlägt ihr Herz aber ganz klar für ihr Heimatland. Und Fußball wird bei ihr zu Hause immer in der Großfamilie geschaut.

Deutschland gegen Ungarn. Zu diesem entscheidenden Duell kommt es am Mittwochabend bei der Fußball-Europameisterschaft in der Gruppe F, beide Mannschaften wollen im letzten Vorrundenspiel den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen. Deutschland habe insgesamt die bessere Mannschaft, „aber natürlich schlägt mein Herz für Ungarn“, bekennt Renata Wilga, die ungarische Rückraumspielerin des Handball-Oberligisten SV 64 Zweibrücken.

Erst Ungarn, dann Slowakei

Die 29-Jährige genießt gerade Heimaturlaub bei ihrer Familie in Ungarn. Gemeinsam mit dem 14 Monate alten Töchterchen Rebecca. In Kisköre, einem kleinen Städtchen an der südlichen Spitze des Theiß-Sees (ungarisch: Tisza-tó), rund 150 Kilometer östlich von Budapest in der Großen Tiefebene gelegen. „Zu Hause ist es immer schön“, sagt Renata Wilga, die viele Sport-Fans eher noch unter ihrem Mädchenname Szábò kennen.

Seit zwei Jahren ist sie mit Handballer Richard Wilga verheiratet. Die Wilgas wohnen in Mörsbach, fühlen sich dort wohl. Der Linksaußen spielte von 2017 bis 2020 bei der VT Zweibrücken-Saarpfalz, wechselte dann zum Oberliga-Aufsteiger TV Homburg. „Richie muss noch arbeiten. Deshalb sind Rebecca und ich vorgefahren“, erzählt Renata Wilga. Der Ehemann wird aber nachkommen. Zu einer Hochzeit sind die Wilgas eingeladen, „und dann machen wir auch noch zwei Wochen Urlaub bei Richies Familie in der Slowakei“, erzählt Renata. Der slowakischen Fußball-Nationalmannschaft werden im Hause Wilga also auch noch die Daumen gedrückt. „Die Slowakei hat ein gutes Team“, findet sie.

Immer Leben in der Bude

Die Fußball-EM quer durch Europa begleitet sie am Fernseher schon seit Beginn des Urlaubs. „Sport interessiert mich immer“, sagt die Handballern, die auch sehr gut Tennis spielt. Sie freut sich aber, wenn es nach dem Urlaub endlich wieder mit dem Handball losgeht. „Das hat gefehlt, und ich hoffe, dass es kommende Saison etwas normaler läuft“, sagt sie mit Blick auf Corona.

So emotional wie ihr Ehemann sei sie nicht beim Sport schauen – „Richie ist immer laut“, verrät sie lachend – aber natürlich fiebere sie mit, wenn Teams spielen, denen sie die Daumen drückt. Am Mittwochabend ist das die Nemzeti Tizenegy, die ungarische Nationalmannschaft. Bei den Szábòs wird gemeinsam mit der ganzen Familie Fußball geschaut. Sie hat noch einen Bruder und eine Schwester. „Meine Schwester hat vier kleine Kinder, da ist immer Leben bei uns“, berichtet sie. Das sei auch schön für Rebecca.

Wenn um 21 Uhr das Spiel angepfiffen wird, wird auch in Ungarn manches Haus mit der Nationalflagge geschmückt sein. „Das ist auch hier bei uns so“, sagt Wilga. Sportlich haben noch alle vier Mannschaften – neben Deutschland und Ungarn sind das Frankreich und Portugal – noch Chancen aufs Weiterkommen. „Das freut mich für die ungarische Mannschaft, denn das war sicher die schwerste Gruppe, und Ungarn klarer Außenseiter“, meint sie. Aber schon gegen Portugal sah es lange nach einer Überraschung für die Ungarn aus. Die blieb dann zwar aus, gelang aber im folgenden Spiel mit dem 1:1 gegen Weltmeister Frankreich.

Bauen auf Keeper Gulácsi

Auch gegen Deutschland sei Ungarn Außenseiter, „aber im Sport ist man nie chancenlos“, setzt Renata Wilga auf Kampfgeist. Eine Chance habe Ungarn, wenn es als Team auftrete. Auch auf Torwart Péter Gulácsi, den sie sehr schätzt, komme es an. „Ein sehr guter Torwart und ein ganz toller Mensch“, lobt sie den Torwart von Bundesligist RB Leipzig. Für Leipzig spielt bekanntlich ein weiterer ungarischer Nationalspieler, der in Kaiserslautern geborene und aufgewachsene Willi Orban. „Er kommt also aus der Nähe von Zweibrücken“, versetzt Renata Wilga lachend. Der Abwehrspieler „bekommt sicher auch einiges zu tun“, erwartet sie.

Am Mittwoch gehört ihr Herz also der ungarischen Nationalmannschaft. Aber wenn beide Gruppenspiele so ausgehen, „dass Ungarn und Deutschland weiterkommen, wäre das auch in Ordnung“, sagt sie lachend zur Option, dass Heimatland und Wahlheimat vielleicht gemeinsam ins Achtelfinale einziehen.

Renata Wilga macht gerade mit Töchterchen Rebecca Heimaturlaub im ungarischen Kisköre. Ehemann Richard kommt bald nach.
Renata Wilga macht gerade mit Töchterchen Rebecca Heimaturlaub im ungarischen Kisköre. Ehemann Richard kommt bald nach.
Renata Wilga präsentiert, Töchterchen Rebecca im Arm, stolz den neuen 19 Meter hohen Aussichtsturm am Ufer des malerischen Theiß
Renata Wilga präsentiert, Töchterchen Rebecca im Arm, stolz den neuen 19 Meter hohen Aussichtsturm am Ufer des malerischen Theiß-Sees in der Großen Tiefebene.
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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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