Zweibrücken Unbekümmert unkonventionell

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Sophie Hunger war da, spielte und begeisterte ihre Fans, die aus Trier, Mannheim, Karlsruhe oder Mainz zum Teil weite Wege gefahren waren, um am Dienstag die Schweizer Sängerin in der Saarbrücker Garage zu erleben. Die eigentlich Überraschung aber war die kanadische Vorgruppe The Franklin Electric.

Die vier Musiker aus Montreal hatten am Abend zuvor noch bei der Aufzeichnung der Fernsehsendung „Inas Nacht“ in Hamburg mitgewirkt, sind dann früh am Morgen mit ihrem Kleintransporter Richtung Saarbrücken aufgebrochen, aber nur bis in die Nähe von Köln gekommen. Das Auto streikte. Die Band hat es gerade noch geschafft, nach Saarbrücken zu kommen, erreichte die Garage eine halbe Stunde vor Konzertbeginn – allerdings ohne Instrumente, denn die lagen noch im defekten Transporter. Doch was das Quartett dann auf der Bühne ablieferte, fand sogar die Anerkennung von Sophie Hunger. Das war wirklich unplugged. Eine geliehene Trommel, Hungers Flügel, ein paar Schlagzeugstöcke und vier Stimmen – mehr brauchte The Franklin Electric nicht, um ihr erstes Album „This Is How I Let You Down“ vorzustellen, auf dem sich die Kanadier ansonsten von der E-Gitarre bis zur Trompete reichlich in der Instrumentenkiste bedienen. Mal minimalistisch, mal druckvoll rockend oder auch mal mit einem jazzigen Unterton hat die Band einen eigenen Platz zwischen Folkrock, Americana und gestandenem Rock gefunden. In Saarbrücken klang das dann, improvisiert und mit passgenauem Harmoniegesang, wie eine moderne Ausgabe von Crosby, Stills, Nash & Young. Und dann Sophie Hunger – mit allen Vorteilen, die sich der Top-Act eines Konzerts meist vorbehält: üppige Lichtshow und voller Sound. Von daher ist es schon ein Leichtes, das Publikum zu beeindrucken. Doch Sophie Hunger ist darauf nicht angewiesen. Stimmlich gibt es da sicher besser ausgestattete Kollegen, aber in der Zunft der Liedermacher oder Pop-Poeten sind andere Kriterien ausschlaggebend – Ausdruck und vor allem Inhalt. Und so pendelt sie federleicht zwischen Folktradition, Jazz-Pop, Funk-Rhythmen und Neo-Soul, widersetzt sich in ihrer Unkonventionalität aber jeder Einordnung in gängige Kategorien. Klavier spielen könne sie nicht, Gitarre auch nicht, und Singen habe sie nie gelernt, gesteht Sophie Hunger mit einigem Understatement. Ihre einzige Begabung sei ihre Vorstellungskraft und wohl auch ihre Unbekümmertheit, mit der sie ihren in Musik gekleideten Gedanken freien Lauf lässt. Ihr Publikum nimmt Sophie Hunger hingegen ernst, „Dienen sollte eine Kunst sein“, sagt die Musikerin, die sich wie wenige andere Künstler der letzten Jahre so stark über das Konzerterlebnis vermittelt.

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