Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Trainer der Region halten Rücktritt von DFB-Präsident Fritz Keller für richtig

Fritz Keller (rechts) und DFB-Vizepräsident Rainer Koch.
Fritz Keller (rechts) und DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Seit dem 27. September 2019 war Fritz Keller Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nun stellt das langjährige Vorstandsmitglied des SC Freiburg am kommenden Montag sein Amt nach einem Streit um eine verbale Entgleisung in einer Präsidiumssitzung zur Verfügung. Die RHEINPFALZ hat sich bei Fußballern aus der Region umgehört, was sie von diesem Schritt halten.

Keller hatte in besagter Sitzung den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch mit NS-Richter Roland Freisler verglichen. Trotz einer schriftlichen und persönlichen Entschuldigung gegenüber Koch entzogen die Landes- und Regionalverbände nach einer außerordentlichen Sitzung Keller am 2. Mai das Vertrauen. Nach dem Rücktrittsbegehren der Landes- und Regionalverbände nahm das DFB-Sportgericht nach Einschaltung der DFB-Ethikkommisson seine Arbeit auf. Am Dienstag kündigte Keller dann an, sein Amt zur Verfügung zu stellen.

Für Michael Müller, Teammanager des Landesligisten SG VB Zweibrücken/Ixheim, war es ein zwingend notwendiger Schritt. „Der muss weg, ganz klar. Für mich sind vielmehr die Fragen: Wer soll es besser machen? Was soll sich verändern?“, unterstreicht Müller. Er sehe eine ganz deutliche Entwicklung beim DFB zugunsten des höherklassigen Fußballs. „Dem DFB ist der Amateurfußball egal“, findet er. „Wenn man einen Fehler macht, dann muss man auch die Konsequenzen ziehen. Es hat mich aber überrascht, dass Keller zunächst nicht zurücktreten wollte. Ich dachte mir erst, dass er jemand ist, der sich an seinen Job klammert“, fügt der VBZ-Funktionär an.

Tenor: Der DFB hat kein Ohr mehr für die Basis

Für die Zukunft hofft Müller auf einen DFB-Präsidenten, der die versprochenen Änderungen der vergangenen Jahre, gerade im Bezug auf den Amateurfußball, durchsetzen kann. „Der DFB muss mit seinem neuen Präsidenten mehr auf die regionalen Verbände zugehen und sie anhören. Es müssen ganz klare Entscheidungen her“, fordert Müller.

Nicht äußern wollte sich Vorstandsmitglied Daniel Preuß von der SG Rieschweiler auf Anfrage der RHEINPFALZ zum DFB-Chaos; allerdings sieht auch er den Fokus des DFB nicht beim Amateurfußball.

Christian Meier, Trainer des TuS Maßweiler, sieht Kellers Rücktritt ebenfalls als richtig an. „Das war nach der letzten Äußerung von Keller einfach unumgänglich. Auch die Umfrage unter den Landesverbänden ergab ein ganz deutliches Ergebnis. Ich will hier nicht den Moralapostel spielen, aber die Äußerung ging zu weit“, erklärt Meier. Er empfindet die vergangenen Monate und Jahre beim deutschen Fußball-Dachverband als großes Chaos. „Man kam sich an der Basis manchmal schon veräppelt vor. Die kleinen Vereine kämpfen um ihre Existenz, und die da oben machen es sich mit ihren Eitelkeiten gegenseitig schwer“, fügt der TuS-Trainer an. Dabei hatte er damals bei Kellers Amtsantritt durchaus auf eine bessere Zukunft gehofft und eine große Lobby für den nun scheidenden DFB-Präsidenten gesehen.

Nachfolger-Vorschläge, Lahm, Rummenigge oder Drewitz

Als Nachfolger könne er sich den früheren Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern München, Philipp Lahm, vorstellen. „Er hat bereits seine Führungsqualitäten gezeigt und Werte vorgelebt“, würde Meier den Einsatz des früheren Weltklasse-Verteidigers begrüßen. Auch Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, hielte Meier für befähigt, kann sich aber nicht vorstellen, dass der dieses Amt antritt. „Ich könnte mir aber auch jemand von der Basis vorstellen. Warum nicht Hans-Dieter Drewitz vom SWFV? Jemand, der mehr Basisarbeit mit hinein bringt. Viele vom DFB kennen die Probleme der kleinen Vereine nicht“, sieht Meier im Vorsitzenden des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes eine Option.

Auch Erik Bischof, ab kommender Saison in Diensten von Landesligist TSC Zweibrücken auf Torejagd, findet Kellers Rücktritt korrekt. „So etwas darf man nicht sagen“, meint Bischof. Unabhängig vom Keller-Fall empfindet er die Öffentlichkeit zum Teil aber als sehr dünnhäutig. „Da werden Sachen in der Öffentlichkeit breit getreten, die man einfach unter sich klären könnte“, behauptet Bischof. In Kellers Fall sei es jedoch anders gelagert, ein Rücktritt war nach Ansicht des Stürmers unumgänglich.

Sich selbst sieht Bischof nicht betroffen von den Entscheidungen des DFB. „Es geht mich nichts an, was die da oben entscheiden. Als Spieler ist mir das relativ egal. Der DFB kümmert sich mehr um die Spitze, wir im Amateurfußball machen unser eigenes Ding. So lange ich Fußball spielen kann, ist für mich alles okay“, erklärt der noch in Diensten von Verbandsligist FK Pirmasens II stehende Bischof.

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