Zweibrücken
Tattoos von FCK und Dynamo: Liebe zum Verein geht unter die Haut
Seit seiner Kindheit ist Dennis Koch Anhänger der Roten Teufel. Angefangen hatte alles mit seinem Opa Gerhard Ball, als der den Steppke 2001 das erste Mal mit auf den Betze nahm. Das Uefa-Cup-Halbfinale gegen Deportivo Alavés ging damals mit 1:4 verloren; trotzdem war Dennis Koch mit dem Betze-Virus infiziert. „Das Stadion bei Flutlicht, diese Energie, die auf den Tribünen zu spüren war, egal wie das Spiel lief – das hat sich einfach eingebrannt.“ Von da an kaufte sein Großvater jedes Jahr Dauerkarten; die beiden pilgerten fortan regelmäßig auf den Lauterer Fußballberg.
Seit 2010 ist Dennis Koch Mitglied im Contwiger FCK-Fanclub Höllenfeuer. Regelmäßig steht er mitten in der Westkurve im Block 8, und regelmäßig nimmt er Auswärtsfahrten auf sich, um die Roten Teufel auf fremden Plätzen zu unterstützen.
„Das ist der Satz schlechthin“
Der 29-jährige steht wohl genau für das, was einen FCK-Anhänger auszeichnet. Nämlich dass der Verein sich den Fan aussucht und nicht umgekehrt. „Mein Freund Andreas Brill hat mal zu mir gesagt, du bist eigentlich nicht zu beneiden. Denn du kennst den FCK nur, wie er immer schlechteren Zeiten entgegengeht. Und trotzdem hältst du zu ihm.“ Tatsächlich: Die glorreichen Zeiten mit Deutschen Meisterschaften und Pokalsiegen hat der Oberauerbacher nicht miterlebt; sie lagen ja vor der Jahrtausendwende. „Ich hab’ mehr Spiele in der Zweiten und Dritten Liga erlebt als in der Bundesliga“, muss der Versicherungsfachmann zugeben.
„Letzte Saison hatte ich wirklich Angst, dass wir absteigen und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.“ Glücklicherweise hat sich das Blatt gedreht. Die Freude darüber sorgte dafür, dass Dennis Koch seinen Verein nicht nur im, sogar mittlerweile auch über dem Herzen trägt. „Ich hatte schon länger im Sinn, mir ein FCK-Tattoo stechen zu lassen“, erzählt der Hobby-Tennisspieler: „Nach dem Klassenerhalt sollte es dann sein.“ Schlicht, aber prägnant ist sein Körperschmuck. Unter dem Vereinsemblem prangt eine Zeile aus dem Betze-Lied: „Solang’s in Deutschland Fußball gibt, gibt es auch den FCK.“ „Das ist der Satz schlechthin, diesen Verein gibt es immer. Egal unter welchen Umständen.“ Die Schmerzen waren größer als bei seinen anderen vier Tattoos. Das musste bei dem besonderen Hintergrund wohl so sein. Das Hinspiel am Freitagabend wird er im Stadion anschauen, nach Dresden reist er nicht. „Wir werden diese gute Saison mit zwei erfolgreichen Relegationsspielen krönen“, ist sich Dennis Koch sicher. „Denn von den Fans bis zu den Spielern wissen alle, um was es geht. In solchen Momenten werden Helden geboren.“
Florian Jonitz’ Herz schlägt für Dynamo
„Ich bin ein Ossi, der im Saarland seine Ausbildung gemacht hat und in der Pfalz lebt und arbeitet“, beschreibt sich Florian Jonitz. Der gelernte Koch ist Geschäftsführer des Lokals „Joni’s“ am Zweibrücker Hallplatz. Wer den 33-jährigen zu Gesicht bekommt, der sieht meist auf den ersten Blick, welcher Verein sein Favorit ist. „Einmal im Monat schlage ich im Fanshop zu. Meist sind es die neuesten Kappen oder Shirts von Dynamo – und vor der Saison natürlich immer das aktuelle Trikot.“ Auf Jonitz’ rechter Wade ist die Zugehörigkeit noch deutlicher markiert. Dort prangt in Farbe das Emblem von Dynamo Dresden. Darüber findet sich das Wappen seiner sächsischen Geburtsstadt Radebeul.
Im Einschulalter ist er mit seiner Mutter nach Zweibrücken gezogen. „Du willst dich natürlich integrieren, nicht auffallen oder als Kind gehänselt werden, darum hab ich mir schnell das Pfälzische angewöhnt.“ Über sein Umfeld rutsche man in einen Verein hinein. „Wenn mehr als die Hälfte deiner Freunde für den FCK sind, dann kannst du dich schlecht entziehen“, meint Jonitz. „Natürlich bin ich dann auch mal auf den Betze. Wenn du die Stufen in diesem riesigen Stadion hochläufst und erlebst die Stimmung, dann gibt das heute noch Gänsehaut.“ Er sei eben Fußballromantiker, der auch mit dem FCK sympathisiert.
Die Tattoo-Nadel surrt um 19.53 Uhr
Generell besucht Florian Jonitz aber viele Spiele in unterschiedlichen Stadien; dort lässt er sich von der Stimmung der Fanlager mitnehmen. „Die Dynamo-Fans sind für die besten Choreos bekannt. Dieser Stimmung kann man sich als gebürtiger Sachse nicht verwehren.“ Mit der Altersreife verändert sich das Wesen, Dinge werden nicht mehr so eng gesehen. „Irgendwann hab ich mich gefragt, warum soll ich meine Heimat verleugnen? Ich will den Ossi nicht ablegen und kann doch trotzdem ein Zweibrücker sein.“ Ein Haus in Sachsen besitzt die Familie immer noch. Bei Heimatbesuchen hat Jonitz gemerkt, wie sehr ihn das berührt. Daher will er seine Wurzeln nicht mehr verstecken.
Stechen lassen hat er sich sein Tattoo im Juni 2018, kurz nach dem Dynamo-Abstieg aus der Zweiten Liga, um 19.53 Uhr: 1953 wurde der Sachsen-Club gegründet. „Es war also mehr ein Stolz-Tattoo als ein Erfolgs-Tattoo. Darum waren mir die Schmerzen egal.“ „Ich gönne dem FCK alles und finde, er gehört nicht in die Dritte Liga“, stellt Jonitz klar: „Aber bei der Relegation schlägt mein Heimatherz natürlich für Dresden.“ Fifty-fifty sieht er die Chancen für den Ausgang der beiden Spiele.
