Zweibrücken Taktik mit lange gespielten Angriffen geht voll auf
ZWEIBRÜCKEN. Sechs Minuten dauerte es am Sonntag, bis im Spitzenspiel der A-Jugend-Bundesliga der Torknoten platzte: Philipp Kaunz traf zum 1:0 für den Tabellenzweiten JSG Balingen-Weilstetten. Damit weckte er auch den Gastgeber, den SV 64 Zweibrücken, auf. Was sechs Minuten lang nicht funktioniert hatte, funktionierte in den verbleibenden 54 Minuten exzellent: das Torewerfen. 39-mal traf der Tabellendritte noch (wir berichteten gestern kurz), schlug Balingen-Weilstetten mit 39:29 (18:11).
„Das Hinspiel war bisher unsere beste Saisonleistung, heute haben wir die getoppt“, freute sich SV-Trainer Tony Hennersdorf über die Spielfreude seiner Truppe. Einwechslungen brachten keinen Einbruch, in den letzten zehn Minuten bekamen zahlreiche B-Junioren reichlich Gelegenheit, sich an die Bundesliga-Luft zu gewöhnen. Wichtig, denn eine weitere Bundesliga-Runde ist für die Zweibrücker nach dem Erfolg und den Patzern der Konkurrenz fast perfekt. „Die Vorgabe, die Angriffe lange auszuspielen, haben die Jungs klasse umgesetzt“, lobte Hennersdorf. Erfolg dieser Angriffsdisziplin: Am Ende nahezu jeden Angriffs hatte der SV einen Spieler frei zum Werfen. Dabei glänzten die Rückraumspieler mit zahlreichen genialen Anspielen auf die Außen, die sich mit Kempa-Toren nicht lumpen ließen, und den Kreis. Allen voran in den ersten 30 Minuten Zweibrückens Halbrechter Niklas Bayer. „Ja, so wie heute dürfte es gerne öfter laufen“, sagte er lachend. Sein persönlicher Spielverlauf hatte viel Ähnlichkeit mit dem der gesamten Mannschaft. „Das stimmt. Die ersten Minuten waren noch nicht so gut. Der erste Pass kam nicht an, aber dann saß mein Schlagwurf. Und wenn der kommt, läuft es“, freute sich Bayer. Und wie es lief: Der Schlaks mit dem besonderen linken Arm traf nun nach Belieben und bereitete Tor um Tor vor. Tom Grieser war weitere treibende Kraft, und während des Spiels steigerte sich auch Marc-Robin Eisel enorm. „Der Sieg der Zweibrücker war absolut verdient“, sagte JSG-Trainer Tobias Hotz. Seine Angreifer hätten sich schwer getan mit der agilen 3:2:1-Abwehr des SV. „So offensive Abwehrreihen behagen uns in dieser Runde nicht“, analysierte Hotz. Nur Nick Single zeigte, dass er wusste, wie der Riegel zu knacken war. Tolle Körpertäuschungen des Balinger Mittelmannes ließen den Mittelblock der 64er immer wieder ins Leere laufen. Single hatte freie Wurfbahn, und in diesen Fällen war selbst der stark haltende SV-Torhüter Alessandro Lehr machtlos. Lehr meinte zu seiner Leistungssteigerung: „Ich habe wieder richtig Lust auf Handball“. Monatelang hatte ihn eine Entzündung an der Ellenbogensehne gehandicapt. „Kam ein Ball drauf, war die Sehne sofort wieder gereizt. Aber jetzt ist endlich alles gut“, freute sich „Ale“, der zum Rückhalt der starken SV-Abwehr wurde. In der spielte auch Bayer einen ganz starken Part. Balingens Jugend-Nationalspieler Luis Villgrattner, der nach dem Saisonende zum VfL Gummersbach wechselt, degradierte er zum Statisten. Zur Halbzeit führten die Gastgeber mit 18:11. Nach dem Seitenwechsel ordnete Hotz enge Deckung für Bayer und Grieser an – ohne Erfolg. Die übrigen Zweibrücker Spieler bewiesen, dass sie ihren Sport gleichfalls beherrschen. So spielten sie SV 64 Zweibrücken: Lehr, Becker (ab 49., Siebenmeter) - Bayer (6), Eisel (7), Grieser (5/2) - Finkler (2), Schaller (4/1) - Schwarzer (5) - Huber (2), von Lauppert (1), Meiser (3), Dobrani (2), Dettinger (1), Bohm (1) JSG Balingen-Weilstetten: Seeger, Hocke (ab 44.) - Kaunz (7), Single (8), Villgrattner (8/5) Weckenmann (1), Kübler (1) Heinzelmann (1) Wagner (1), Fuoß, Schlagenhauf (2/1) Spielfilm: 0:1 (6.), 4:2 (10.), 10:6 (20.), 14:7 (24.), 18:11 (Halbzeit), 24:17 (39.), 29:17 (44.), 39:29 (Ende) - Siebenmeter: 5/3 - 6/6 - Zeitstrafen: 5:4 - Rote Karten: Grieser (48.) - Heinzelmann (57./beide dritte Zeitstrafe) - Beste Spieler: Bayer, Lehr, Grieser - Single, Kaunz - Zuschauer: 300 - Schiedsrichter: Baltz/Michels (Badischer HV). |add