Zweibrücken
Tadano: Kollegen in Lauf bangen mit den Demag-Leuten in Zweibrücken
Was wird sie bringen, die von Tadano-Chef Koichi Tadano angeordnete, künftig enge Zusammenarbeit seiner deutschen Werke für Mobilkrane im Fränkischen und in der Westpfalz? Den entscheidenden Schritt, die Krane wettbewerbsfähig zu machen und Marktanteile zu gewinnen, sagt Tadano. Nackte Existenzangst für Hunderte, Mitarbeiter und Familienangehörige, sagen Arbeitnehmervertreter. Obwohl die Geschäftsführung noch immer schweigt, auf das ausstehende Mandat der am 18. Februar sich getrennt für Tadano-Demag (am Vormittag) und Tadano-Faun (am Nachmittag) in der Zweibrücker Festhalle zusammenfindenden Gläubigerversammlungen verweist, sickern Konsequenzen des „One Tadano“-Plans durch. In Zweibrücken sollen rund 400 der 1580 Stellen gestrichen werden. „Für das Werk in Lauf gehen wir von 120 bis 130 Entlassungen aus“, sagt Harry Schreyer.
Schreyer, Gewerkschaftssekretär in Nürnberg, betreut die Mitglieder bei Tadano-Faun. Und ist sich mit seinem Kollegen Peter Vollmar von der IG Metall Saarpfalz in Homburg einig: „Ein Arbeitsplatz-Abbau in diesem Umfang, dazu hätte es nicht kommen dürfen. Die Tadano-Geschäftsführung, vielmehr ihre beauftragten Anwälte, waren überhaupt nicht bereit, sich auch nur unsere Angebote anzusehen. Die wollten das durchziehen.“ Schreyer spricht sogar davon, dass Tadano ganz bewusst die „billige“ Lösung über die Insolvenzordnung gesucht habe. Weil so viel weniger Geld für Abfindungen zu Entlassender zu zahlen ist, Kündigungsfristen gekappt werden.
Keine Kranen-Endmontage mehr in Lauf?
Seit dem Demag-Kauf durch Tadano im Juli 2019 habe man in Lauf versucht, mit der Geschäftsführung ins Gespräch zu kommen, etwa über die Pläne für das damals schon ausgerufene Zusammenwachsen der gut 300 Kilometer entfernt liegenden Werke. „Man wollte das nicht. Wir hatten drängende Fragen, bekamen aber keine Antworten“, sagt Schreyer. Bis heute tappe man im Dunkeln. Aufgrund der in der vergangenen Woche gelaufenen Anhörungen des Betriebsrates müsse man von 120 bis 130 Entlassungen in Lauf ausgehen. Anteilig etwas weniger als in Zweibrücken, aber nicht weniger schmerzhaft. Der IG-Metaller Schreyer erinnert daran, dass bis zum Sommer schon die Beschäftigtenzahl durch die Abbestellung von Leiharbeitern in Lauf von 900 auf 720 gesunken sei. Nun schneide man tief ins Fleisch. Für Harry Schreyer steht der ganze Standort, entgegen aktueller Beteuerungen der Tadano-Spitze, auf dem Spiel. „Wir stellen uns darauf ein, um ihn kämpfen zu müssen“, sagt er.
Im Nürnberger Land geht man davon aus, dass die „enge Zusammenarbeit“ der deutschen Werke auch so aussehen könnte: In Lauf werden keine ganzen Autokrane mehr gebaut, sondern nur noch Teile davon. Endmontiert und ausgeliefert werden soll in Zweibrücken. Lauf könnte vom Zurückholen noch unter Terex ins osteuropäische Ausland verlagerter Fertigungsschritte profitieren. Unterwagen-Bau in Lauf, Oberwagen-Bau und Endmontage in Zweibrücken – das sei nicht die unwahrscheinlichste Variante, meint der Faun-Betriebsbetreuer Harry Schreyer. Erklärt sei dies bislang von Tadano aber nicht.
Auch am Montag hielt man sich bei der Tadano-Geschäftsführung generell bedeckt. „Zuerst werden wir unsere Mitarbeiter informieren“, sagte Unternehmenssprecherin Anne Steeb. Nach RHEINPFALZ-Informationen soll dies ab Mittwoch geschehen, sich aber auch noch in die kommende Woche ziehen. Informiert werden sollen Betroffene über die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln – auf die Dauer von neun Monaten und mit 80 Prozent des bisherigen Gehaltes. Das Angebot ist in der Sache die Bestätigung einer Kündigung.
Die zuständige IG Metall Saarpfalz steht für Beratungen bereit. „Wir werden das Für und Wider einer Transfergesellschaft erläutern, aber sicher niemandem zum Wechsel zuraten oder abraten“, sagt der 2. Bevollmächtigte, Peter Vollmar. Wer gegen eine Kündigung klagen will, etwa in der Annahme, dass die Kriterien zur Sozialauswahl nicht richtig angewandt sind, den werde der DGB-Rechtsschutz beraten und gegebenenfalls vorm Arbeitsgericht vertreten.