Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Tadano-Kündigungswelle: Einige wollen klagen

So voll wie am Mittwoch war der Tadano-Parkplatz schon lange nicht mehr. Viele waren nur einbestellt worden, um ihnen die bevors
So voll wie am Mittwoch war der Tadano-Parkplatz schon lange nicht mehr. Viele waren nur einbestellt worden, um ihnen die bevorstehende Entlassung anzukündigen.

Die IG Metall-Verwaltungsstelle Homburg wurde am Tag der Entlassungsansagen beim Kranenbauer Tadano-Demag und auch am Donnerstag von Nachfragen ihrer Mitglieder überschüttet. „Wir haben schon mehr als 100 Beratungstermine vereinbart, allein für Informationen um die Transfergesellschaft“, sagt Peter Vollmar, der 2. Bevollmächtigte der Gewerkschaft.

392 Mitarbeitern, von denen man sich trennen will, hatte die Personalleitung von Tadano-Demag am Mittwoch das Angebot gemacht, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Den am Mittwoch Informierten wurde zweieinhalb Wochen, bis 31. Januar, Bedenkzeit gegeben. Wer in die Transfergesellschaft will, bleibt zunächst beim Unternehmen angestellt und bekommt für neun Monate sogenanntes Transferkurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit in Höhe des Arbeitslosengeldes. Tadano-Demag erhöht den Betrag, so dass die Mitarbeiter auf 80 Prozent ihres Gehaltes, netto, kommen. Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind, können drei Monate länger, zwölf statt neun Monate, in der Transfergesellschaft bleiben. Für alle gilt: Wer das Angebot nicht annimmt, dem geht die betriebsbedingte Kündigung zu.

Die Gewerkschaft hatte schon zuvor angekündigt, ihre Mitglieder „ergebnisoffen“ zu beraten. „Wir werden das Für und Wider einer Transfergesellschaft erläutern, aber sicher niemandem zum Wechsel zuraten oder abraten“, erklärt Peter Vollmar. Entscheiden müsse der jeweilige Mitarbeiter.

Eine Transfergesellschaft hat das Ziel, Arbeitslosigkeit zu verhindern, die Betroffenen durch Bewerbungsberatung und gegebenenfalls Qualifizierung schnell wieder in Arbeit zu bringen. Für die Tadano-Demag-Leute wurde der zu einer gemeinnützigen Stiftung gehörende Träger „MyPegasus“ (Reutlingen) ausgewählt. Die Kosten für den Dienstleister muss Tadano-Demag aufbringen, vereinbart wurde das in den Sozialplan-Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Erste Beratungstermine, so heißt es, seien schon für die kommende Woche vereinbart worden. MyPegasus hat für neun Monate Räume im „Bauwerk“, dem Ausstellungszentrum für Bauen und Einrichtungen, auf dem Flughafengelände, Straßburger Ring, eingerichtet. Ein Sprecher des Trägers sagte, man könne für auswärtige Demag-Beschäftigte auch Beratungen in Bexbach, Ramstein und Saarbrücken anbieten. MyPegasus wurde auch für die Transfergesellschaft von MTD (ehemaliges Logistikzentrum Hornbach), beauftragt.

Peter Vollmar von der IG Metall spricht von einem tiefen Schockzustand, in dem sich die betroffenen Mitglieder befänden. „Da ist viel kaputtgegangen“, sagt er. Er könne nicht abschätzen, wie viele in die Transfergesellschaft wechseln werden. Es sei davon auszugehen, dass auch einige gegen ihre Kündigung vorm Arbeitsgericht klagen wollen. IG Metall-Mitglieder können sich von den Juristen des DGB-Rechtsschutzes vertreten lassen. Gegenüber der RHEINPFALZ kündigten schon einige am Mittwoch Informierte an, vor Gericht ziehen zu wollen. Sie äußern unter anderem Zweifel daran, dass die Kriterien der Sozialauswahl richtig angewandt wurden.

Peter Weißler, der Chef der Agentur für Arbeit Westpfalz, kann die Schockstarre nachempfinden. „Das ist für jeden einzelnen ein schwerer Schlag“, sagt Weißler. Er habe schon vielen in ähnlicher Situation in die Augen gesehen. So schwer es auch sei, so in Kürze etwas Mutmachendes anbringen zu können, so will er doch Mut machen. „Die Betroffenen sind nicht chancenlos. Im Agenturbezirk sind aktuell 387 Stellen im verarbeitenden Gewerbe als offen, also zu besetzen gemeldet. Ich kann nur bitten, selbst auch aktiv zu werden. Gefordert sind Mobilität und Flexibilität. Flexibilität auch in der Hinsicht, dass man in der Branche andere Tätigkeiten akzeptiert und auch hinnimmt, dass die Vergütung vielleicht nicht so sein wird wie unter dem Tarif der Metall- und Elektroindustrie“, sagt Weißler.

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