Zweibrücken
Tadano-Demag: IG Metall geht von vielen Kündigungsschutzklagen aus
Wie am Dienstag berichtet, haben sich mehr als 300 der 392 beim Zweibrücker Mobilkranenbauer vor der Entlassung Stehenden für einen Auflösungsvertrag und eine folgende neunmonatige Aufnahme in die am 1. Februar startende Transfergesellschaft entschieden. Dort erhalten sie Transferkurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit plus einem Aufstockungsbetrag von Tadano-Demag, in Summe 80 Prozent des letzten Nettolohns. Zudem erhalten sie einen Einmal-Betrag, die Abfindung nach Sozialplan. „Das ist zunächst sicheres Geld und hängt nicht vom Ausgang eines Gerichtsverfahrens ab. Der Preis dafür ist, dass endgültig das Arbeitsverhältnis endet. Dem zuzustimmen, war für viele sehr hart“, weiß Vollmar aus den vielen Beratungsgesprächen mit Gewerkschaftsmitgliedern.
Die Gewerkschaft hatte einen Veranstaltungsraum für Gruppen-Informationen angemietet und ergänzend individuell beraten. Damit sei man auch lange noch nicht fertig, sagt der zweite Bevollmächtigte. Vollmar geht davon aus, dass jene, die ihren Vertrag nicht auflösen, um in die Transfergesellschaft zu wechseln, alle Kündigungsschutzklage einreichen werden. Tadano-Demag spricht von 80 Mitarbeitern, die sich gegen das Angebot Transfergesellschaft entschieden haben. Ihnen soll nun betriebsbedingt gekündigt werden. In den Beratungsgesprächen bei der Gewerkschaft habe sich bereits abgezeichnet, das nicht wenige die Anwendung der Kriterien der Sozialauswahl vom Arbeitsgericht überprüfen lassen wollen.
Auch habe es einen besonderen Beratungsbedarf bei älteren Mitarbeitern gegeben. Tadano-Demag, das den Träger der Transfergesellschaft ausgewählt hat und bezahlt, hat 50 Jahre und älteren Mitarbeitern, die länger als acht Jahre dem Unternehmen angehören, eine um drei Monate längere Verweildauer angeboten. Bedingung: Die Mitarbeiter bringen ihre Abfindung als Eigenbeitrag ein.
Die Kündigungen seien nur ein Aspekt des von Tadano geplanten Umbaus der Mobilkranen-Werke Dinglerstraße und Wallerscheid mit den verbleibenden rund 1150 Mitarbeitern, sagt Peter Vollmar. „Natürlich begleiten wir unsere Betriebsräte in den vielen Feldern der Mitbestimmung.“ Tadano-Demag plant ganze Abteilungen zu schließen, andere – wie den Stahlbau – auszulagern in noch zu gründende GmbH. Viele Fragen der angekündigten Neuaufstellung der Zweibrücker Werke und auch des Schwesterwerks im fränkischen Lauf seien noch offen. Es sei nicht ausgemacht, dass „,man am Ende die Demag danach noch wiedererkennt“, sagt Gewerkschafter Vollmar.
Voraussetzung für die Neuaufstellung allerdings ist: Die Gläubigerversammlungen von Tadano-Demag und Tadano-Faun stimmen am 18. Februar den von der Geschäftsführung entworfenen Insolvenzplänen zu. Bei der Demag sollen die Gläubiger auf 90 Prozent ihrer Ausstände verzichten. Über beide Firmen ist das Insolvenzverfahren eröffnet, Eigenverwaltung angeordnet.