Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel SV Palatia Contwig: „Glückswürfel“ mischen Landesliga auf

Die Mannschaft des SV Palatia Contwig in der Saison 2023/24, aufgenommen nach der U21-Kreismeisterschaft, mit der sie sich jetzt
Die Mannschaft des SV Palatia Contwig in der Saison 2023/24, aufgenommen nach der U21-Kreismeisterschaft, mit der sie sich jetzt einen Platz in der Landesliga erspielte. Zum Team gehören (hinten von links) Charles Hopkins, Nikolaus Sefrin, Lukas Enkler, Mike Schery, Patrik Behr, Luca Bodmer, Lennox Hopkins, Maximilian Strass, Alex Hofmann, Paul Sieber, Silas Rauch, Etienne Mwangi, Kevin Schmidt, Elijah Hopkins und Elias Siebert sowie (vorne von links) Tim Krieger, Jonas Kruck, Zaid, Bshar Alhamsho, Luca Lahm, Matthias Lepiarczyk, Moritz Scherthan, Niklas Frick, Max Blum, David Chiera und Noah Arnold.

Die U19-A-Junioren des SV Palatia Contwig sind derzeit das einzige Team rund um Zweibrücken, das in der Landesliga mitkickt. Das allerdings so gut, dass die Contwiger Jungs nun sogar mitmischen im Kampf um die Vize-Meisterschaft.

Nach der Meisterschaft der Vorsaison in der A-Junioren-Kreisliga Pirmasens/Zweibrücken haben es die U19-Fußballer des SV Palatia Contwig mit dem Trainertrio Nikolaus Sefrin, Max Blum und Charles Hopkins jetzt sogar „in den Füßen“, die Vize-Meisterschaft in der Landesliga Nahe/Westpfalz zu holen. „Dabei war es nur das erklärte Ziel, die Klasse zu halten“, freut sich Sefrin über die starken Auftritte seiner Elf. Am Freitagabend (19 Uhr) empfangen die viertplatzierten Contwiger den Zweiten SV Morlautern zum Top-Duell.

Die Meisterschaft der vergangenen Saison machten die Contwiger A-Junioren in der als U21 laufenden Kreisliga-Konkurrenz am letzten Spieltag beim Tabellendritten SV Ixheim vor 200 Zuschauern mit einem 3:0-Sieg „fix“. Das damals noch unter JSG Contwig/Wiesbach laufende Team holte sich den Titel mit einem Punkt Vorsprung vor der SG Heltersberg/Geiselberg (35 Punkte) und dem SV Ixheim (31).

Eine Elf mit elf Spielern

„Für die Landesliga haben wir uns nur vorgenommen, nicht abzusteigen. Da erwarten uns andere Gegner, und unser Kader ist eng gestrickt“, war laut Sefrin Vorsicht die „Mutter der Porzellankiste“. Stecken in der Klasse doch die Nachwuchsteams der Herren-Landesligisten von Ramstein, Hohenecken, Rodenbach und Hermersberg sowie des FK Pirmasens II, dessen erste U19 in der Regionalliga ganz vorne mitspielt. Hinzu kommt, dass die Landesliga nicht als U21 gespielt wird, sondern als U19. Die U19 darf also nicht mit bis zu vier U21-Kickern ergänzt werden.

Wie schnell ein Kader von 16 Spielern dann an seine Grenzen stößt, musste Sefrin schon mehrfach erleben. „Wir waren in Alsenborn und in Merxheim mit exakt elf Spielern angereist. Da darf dann nichts mehr querkommen“, sagt Coach Sefrin schmunzelnd, selbst noch Innenverteidiger im A-Klasse-Herrenteam der Palatia, als er an Alsenborn denkt. Nicht nur, dass die Elf da wirklich nur eine Elf war. Nein, bei der Anreise fiel plötzlich noch auf: „Wir haben die Trikots vergessen!“ Da ein Kick in Unterhosen nicht geht, half das Handy. „Ein Bruder eines Spielers machte sich auf den Weg und traf 15 Minuten vor Spielbeginn mit den frisch duftenden Trikots ein“, berichtete Sefrin, dass auch diese Saisonhürde mit Bravour übersprungen wurde.

Nicht übersprungen wurde dagegen die Hürde FK Pirmasens II. „Ich will da gar nichts entschuldigen. Aber wir sind ausgerechnet an diesem Abend vor großer Kulisse in Stambach auf dem falschen Fuß erwischt worden“, erzählt Kapitän Silas Rauch, der wie einige seiner Mitspieler auch eine FKP-Vergangenheit hat. „Wir hatten gleich mehrere Spieler, die verletzt oder krank waren. Ich selbst habe gespielt, obwohl ich angeschlagen war. Und mit Joseph Flanning und Hendrik Hunsicker fehlten zwei unserer Top-Torschützen“, sagt er. Da seien gegen den kommenden Meister und Verbandsliga-Aufsteiger FK Pirmasens II beim 0:6 schon vor dem Anpfiff der Partie alle ungünstigen Faktoren für die Palatia zusammen gekommen.

„Gepflegtes Miteinander“

„Auf dem Platz sind wir allerdings oft als eine Art ,Glückswürfel’ unterwegs“, sagt der Kapitän aus Rieschweiler schmunzelnd, der mit seinen 18 Lebensjahren mit dem klaren beruflichen Ziel unterwegs ist, den Meisterkurs im Schreinerhandwerk in Kaiserslautern so schnell wie möglich erfolgreich abzuschließen. „,Glückswürfel’ deshalb, weil wir oft unberechenbar spielen. Gegen die Spielstarken spielen wir gut, gegen weniger Starken passen wir uns an und kicken genauso mit“, erklärt er. „Was nicht nur ich, sondern auch meine Mitspieler so empfinden, ist das bei der Palatia gepflegte Miteinander der beiden Herrenteams und den nachrückenden Spielern in der A-Jugend. Wir sind wie eine kleine Familie, trainieren zusammen, feiern unser Oktoberfest und waren auch gemeinsam im Trainingslager in Edenkoben“, schwärmt Rauch. „Wenn die Herren noch den Aufstieg in die Bezirksliga realisieren würden, wäre das eine fantastische Entwicklung im Verein und für uns Nachwuchsfußballer eine tolle Perspektive“, findet Rauch.

Da setzt auch Trainer Sefrin an. „Es lohnt sich ganz klar für unsere Herrenteams, wenn die A-Junioren in der Landesliga spielen. Wir werden taktisch, läuferisch und vom Zweikampfverhalten her da ganz anders gefordert“, hat er erkannt. Und: „Die Vize-Meisterschaft ist drin. Das wäre gigantisch. Damit hätte hier keiner gerechnet“, erläutert er, dass die Mannschaft die Zielsetzung zwangsläufig nach oben korrigiert hat. Die Spieler kommen aus Stambach, Rieschweiler, Zweibrücken, Oberauerbach, Battweiler, Schmitshausen und natürlich – Contwig. Integration war und ist im Verein im Sport weder ein Problem noch ein Thema. Bshar Alhamsho stammt aus Syrien und kickt seit der C-Jugend in Contwig. Etienne Mwangi hat kenianische Wurzeln, und Nicolai Popovincenko kam aus Moldawien an den Schwarzbach.

Aber – und da ist auch der Nachwuchsbereich der Palatia nicht ohne Probleme – es fehlt eine B-Jugend. „Das sind genau die Jahrgänge 2008/09, die nachrücken sollten, um unsere Landesliga-U19 am Leben zu erhalten.“ Der Klub ist laut Sefrin intensiv auf der Suche nach Lösungen. Eine Spielgemeinschaft mit einem in der Nähe befindlichen Verein könnte helfen. „Eine U15-C-Jugend ist wieder da. Hier stimmt der Unterbau noch“, betiont Sefrin.

CONTWIGS KADER

Torhüter: Alexander Hofmann

Abwehr: Moritz Schubert, Niklas Frick, Paul Sieber, Silas Rauch, Mike Schery, Noah Arnold, Devin Mayer

Mittelfeld: Kevin Schmidt, David Chiera, Lennox Hopkins, Nicolai Popovincenko, Etienne Mwangi

Angriff: Bshar Alhamsho, Hendrik Hunsicker, Joseph Flanning.

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