Handball RHEINPFALZ Plus Artikel SV 64 Zweibrücken spielt im DHB-Pokal gegen Bundesligist wieder vor Fans

Der Hüne hat umgeschult: Der großgewachsene Christopher Huber (hier beim Wurf im Drittliga-Spiel gegen die HG Saarlouis) geht kü
Der Hüne hat umgeschult: Der großgewachsene Christopher Huber (hier beim Wurf im Drittliga-Spiel gegen die HG Saarlouis) geht künftig auch auf Linksaußen für die Zweibrücker Löwen auf Torejagd.

Seit Oktober 2020 haben die Drittliga-Männer des SV 64 Zweibrücken in einem Punktspiel coronabedingt nicht mehr vor Zuschauern spielen können. Heute ist es wieder soweit, 350 Fans dürfen in die Westpfalzhalle. Sie sehen in der ersten Runde des DHB-Pokals einen echten Knaller: Die SV-Löwen empfangen Bundesliga-Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke. Coach Stefan Bullacher hat dennoch eine kleine Träne im Knopfloch.

„Ein bisschen beneide ich schon meinen Trainerkollegen Alexander Lipps von Drittligist SG Pforzheim-Eutingen“, sagt Bullacher nämlich. „Die Pforzheimer haben mit Zweitligist VfL Gummersbach auch ein super Los gezogen – und dürfen in ihrer Halle im Bundesland Baden-Württemberg schon wieder Vollauslastung fahren.“ Die Fans seien lediglich angewiesen, in der Halle Masken zu tragen. „Wenn ich mir für unser Spiel was hätte wünschen dürfen, wäre es das gewesen. Das wäre schon toll geworden mit voller Westpfalzhalle“, sagt der 52-Jährige. „Aber wir freuen uns alle total auf die 350 zugelassenen Fans, das ist auch super“, unterstreicht Bullacher.

Vorbereitung mal anders

Immerhin hat seine Mannschaft seit vergangenem Herbst nicht mehr vor Zuschauern gespielt. Die Pokalrunde ab Mitte April, in der sich der SV 64 als Zweiter, punktgleich mit der HSG Rodgau Nieder-Roden, für den DHB-Pokal qualifiert hatte, fand coronabedingt in Zweibrücken vor leeren Rängen statt. Die Pokalrunde hatte allerdings auch zur Folge, dass die Zweibrücker Ende Mai immer noch am Ball waren, während sie in einer normalen Spielzeit da längst in der Handballpause sind. „Wir hatten so jetzt nur eine sehr kurze Vorbereitung auf die neue Saison. Anders war das aber nicht möglich, die Spieler brauchten nach zehn Monaten Training zuvor ja auch ihre Pause“, erläutert Coach Bullacher.

Durch die Kürze der Zeit hatte der A-Lizenzinhaber die Vorbereitung ein bisschen anders strukturiert als sonst. „Wir haben zweimal drei Wochen trainiert. Dazwischen hatte die Mannschaft noch mal fünf freie Tage, die fast alle Spieler genutzt haben, um noch wegzufahren“, berichtet Bullacher. Scheinbar war das die richtige Maßnahme. „Die freien Tage haben extrem zur guten Stimmung in der Mannschaft beigetragen. Uns fehlt nichts“, stellt er fest.

Schleppender Beginn

Und das, obwohl der Beginn der Vorbereitung mit den Spielen gegen den TV Willstätt, den HC Oppenweiler/Backnang und Pforzheim eher schleppend verlief. „Da waren wir in allen drei Spielen chancenlos“, erkannte Bullacher. Er habe aber auch viel ausprobiert; es habe Zeit gebraucht, eine neue Stammformation zu finden. Da habe die Pokalrunde, in der die Neuzugänge wie Philipp Kockler schon hatten mitspielen können, auch geholfen: Sie war schon eine erste kleine Vorbereitung auf die neue Drittliga-Spielzeit 2021/22.

„Und wir haben immer super trainiert, hatten eine Trainingsbeteiligung von fast 100 Prozent“, wusste Bullacher das als Pfund in der Hinterhand. In der zweiten Hälfte der Vorbereitung dreht sich dann das Blatt. „Seither funktioniert das gut, und die Mannschaft harmoniert prima“, sagt Bullacher. Die nächsten drei Testspiele gegen den TV Plochingen, Willstätt und Metz Handball wurden dann gewonnen.

Neue Stammformation steht

Spätestens da hat sich eine neue Stammtruppe herauskristallisiert. Rückraumspieler Christopher Huber hat quasi auf Linksaußen „umgeschult“, Tom Ihl hat sich auf rechts ins Team gespielt. Im rechten Rückraum ist der lange verletzte Niklas Bayer stark zurück, links wirbelt Philipp Kockler. Und Tim Götz bildet mit Kevin Knieps die wichtige Achse zwischen Spielmacher und Kreisläufer. Tom Grieser kommt dann immer rein, um die Abwehr zu stabilisieren.

Benny Zellmer, der sich in der ersten Übungseinheit einen Bänderriss im Knöchel zugezogen hatte, ist seit dieser Woche zurück im Training; bei Peter Gohl, dem das gleiche Missgeschick im zweiten Training widerfuhr, dauert es dagegen noch etwas.

Pokal als Härtetest eine Woche vor Saisonstart

So gut eingespielt seine Mannschaft auch sein mag, gegen Bundesliga-Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke ist sie krasser Außenseiter. Das weiß Stefan Bullacher natürlich. Zudem lässt ein Handballspiel einfach weniger Überraschungen zu als zum Beispiel eine Fußballpartie im DFB-Pokal. „Wir haben vor dem Spiel gegen Nettelstedt die Trainingsstruktur im Wochenablauf daher so gelassen wie vor allen anderen Spielen auch. Es ist ein echter Härtetest“, sagt Bullacher eine Woche vor dem Drittliga-Start in der Staffel F.

Seine Mannschaft solle daher gegen die Truppe von Gästetrainer Emir Kurtagic eine gute Leistung zeigen und sich ordentlich aus der Affäre ziehen. 2011 war das der VTZ Saarpfalz gegen Erstligist HSG Wetzlar beim 26:43 ebenso gelungen wie den SV-Löwen drei Jahre später beim 22:33 gegen Bundesliga-Klub HBW Balingen-Weilstetten.

Daneben hofft Bullacher einfach, dass die Zuschauer voll auf ihre Kosten kommen – wenn sie schon mal wieder da sein dürfen. Das sei bei allem Traumlos fast das Wichtigste.

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