Handball
SV 64 Zweibrücken: Sebastian Meisters Abschiedstournee
„In Zweibrücken fühle ich mich sehr wohl“, sagt Sebastian Meister. Seit der Saison 2015/16 trägt er schon das Trikot des SV 64. Hier hat er seine erste eigene Wohnung bezogen, mittlerweile ist Freundin Tara eingezogen. Am Samstag geht er wieder zur Westpfalzhalle, um ab 18 Uhr mit seinem Team gegen die HSG Eckbachtal zu spielen. Die Mission: zwei Oberliga-Punkte. „Wir haben hier so großartige Fans. Auch wenn wir zu Auswärtsspielen fahren“, sagt Meister. Denen möchte er bis zum Saisonende noch viel Freude bereiten.
Kommende Runde wird er dann für seinen Heimatverein SGH St. Ingbert in der Saarlandliga spielen. 2015 war er von dort gekommen. Sein damaliger Jugendtrainer Christoph Luck, der Meisters Talent erkannte, hatte ihm gesagt, „dass ich, wenn ich mein Potenzial ausschöpfen will, den Verein wechseln muss“, erzählt Meister. Er folgte Lucks Rat, wechselte zum SV 64 und sollte es nicht bereuen. Meister, der nicht zu den Lautsprechern in der Mannschaft gehört, wurde in der Jugend Stammspieler und Kapitän. Mitgebracht hatte er neben Talent und Willen seinen Spitznamen, unter dem ihn alle kennen: Rudi.
Rudi lässt sich auf dem Spielfeld einfach rufen
Den Spitznamen verdankt er Mitschülern am Rotenbühl-Gymnasium in Saarbrücken. „Die haben gesagt, du heißt jetzt Rudi“, sagt Meister lachend. Dabei blieb es. „Rudi lässt sich auf dem Spielfeld gut rufen“, ergänzt er. Zu seinen damaligen Mitschülern gehörten unter anderem seine aktuellen Teamkollegen Tom Ihl und Philipp Kockler. Dem Abitur folgte die Ausbildung zum Physiotherapeuten, verbunden mit einem Studium in Trier. Er arbeitet inzwischen in Niederwürzbach in einer Handball-affinen Physiotherapie. Inhaber Florian Wendel ist beim TV Niederwürzbach engagiert, sein Kollege Alexander Hewener in Völklingen. „Handball ist bei uns natürlich schon immer mal Thema“, bestätigt Meister lachend.
Mit dem SV 64 feierte er viele Erfolge, absolvierte einige Spiele vor 1000 begeisterten Zuschauern. Wie in der B-Jugend das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gegen die von Bob Hanning trainierten Füchse Berlin, oder Siege als Favoritenschreck in der A-Jugend-Bundesliga. Auch in der Hinrunde 2019, als Meister der Chef des Teams war. Bis zur Horror-Diagnose nach der Hinrunde: Schulterverletzung. „Als ich gesagt bekommen habe, dass ich mich darauf einstellen soll, dass ich vielleicht nie mehr Handball spielen werde, habe ich mich in der Praxis zusammengerissen. Aber draußen flossen ein paar Tränen“, bekennt er offen.
15 Monate lange Verletzungspause
Neben der handballerischen Ausbildung sei die medizinische Versorgung beim SV „einfach spitze, wirklich herausragend“, sagt Meister. Neben dem Willen, wieder Handball spielen, rettete diese Tatsache seine Karriere. Er wurde in München operiert und feierte am 8. März 2020, nach 15 Monaten Verletzungspause, sein Oberliga-Comeback. „Das war sehr emotional“, erinnert er sich gerne an diese Minuten beim 33:25-Sieg in Offenbach. Denen die nächste Zwangspause folgte: Corona-bedingt wurde die Saison abgebrochen. Meister, der sich als Jugendtrainer engagierte, Luck beim Nachwuchstraining in St. Ingbert half und beim SV Minis, D- und C-Jugend trainierte, wurde zum Video-Coach und war froh, als sich alles wieder normalisierte.
Die SV-Herren waren in die Dritte Liga aufgestiegen und qualifizierten sich für den DHB-Pokal. „Kurz nach dem Pokalspiel absolvierte Meister sein persönliches Top-Spiel in Liga drei. Der gelernte Kreisläufer – „es ist die Position, auf der ich mich am wohlsten fühle“, so Meister – wurde im Spiel bei der TSG Haßloch auf die linke Außenbahn beordert und zündete in Halbzeit zwei den Turbo. Sieben „Ruuudiiii-Tore“ in 22 Minuten trugen dazu bei, dass ein 12:17-Rückstand in einen 30:27-Erfolg gedreht wurde. „Das war sicher mein bestes Drittliga-Spiel“, bestätigt Meister.
Noch elfmal kann er in Pflichtspielen weitere positive SV-Geschichten schreiben. Er geht als Spieler, bleibt aber in Zweibrücken wohnen und dem SV 64 verbunden. „Hier spielen meine Freunde“, sagt er; wissend, dass er in Zweibrücken viel mehr gefunden hat als nur sportlichen Erfolg.