Handball
SV 64 Zweibrücken gelingt mit neuem Torwart kleine Sensation
Bevor vielleicht bald keine Mannschaft mehr im Zweibrücker Trikot auf dem Platz steht, „dachten wir, gewinnen wir doch noch mal“, sagte SV-Spielmacher Tim Götz lachend. 35:28 (18:12) hatte der Zweibrücker Minikader gerade den haushohen Favoriten SG Leutershausen besiegt. Götz hatte das Team auf dem Feld zum Erfolg geführt, war Antreiber, Ideengeber, Torschütze und Passgeber. Und eine Bank in der Abwehr.
„Für Bulli, für Benny, für alle, die nicht oder nur kurz dabei sein konnten“, machte Philipp Kockler klar. Er stand links neben Götz auf dem Feld und durfte all das Lob, das Götz verdiente, auch für seine Leistung in Anspruch nehmen. Klar war, wem dieser Sieg gewidmet war: dem via Live-Stream von zu Hause zuschauenden Trainer Stefan Bullacher, den kranken und verletzten Stammspielern.
Ein Wermutstropfen
Dass sich dieses Lazarett am Samstag vergrößerte, war der Wermutstropfen an einem sonst überragenden Handballabend. Es war noch keine Viertelstunde gespielt, als sich Abwehrspezialist Benny Zellmer an der Schulter verletzte. Bei einer Abwehraktion ging er zu Boden, signalisierte sofort, dass es vorbei war. „Die Schulter war ausgekugelt, ich habe sie wieder reingedrückt“, berichtete SV-Mannschaftsarzt Jürgen Knoch, der in der Folge Zellmers Schulter mit einer Spezialmanschette kühlte. Zumindest ein Sehnenanriss wurde bereits diagnostiziert.
Um 17 Uhr war klar: SV hat einen neuen Torwart
Max Sema übernahm Zellmers Abwehrpart und gab damit Kreisläufer Kevin Knieps die Möglichkeit, sich komplett auf den Angriff zu konzentrieren. Und wie der das tat. Mister Hundertprozent vom Siebenmeterpunkt und fast 100 Prozent vom Kreis. Tor oder Siebenmeter hieß es, wenn Knieps in Ballbesitz kam.
Das magische Duo Kockler und Knieps, das schon im DHB-Pokalspiel gewirbelt hatte, war wieder auf dem Spielfeld. „Heute war es nur noch schöner, weil wir gewonnen haben“, sagte Kockler. Das SV-Team verdiente sich vom Anpfiff weg die Note eins. Götz, Kockler und Knieps hängten noch ein Sternchen an ihre Leistung.
Wie sehr die Treffsicherheit des SV die SG-Defensive nervte, zeigte sich auf der Torwartposition. Alexander Hübe, lange in der Bundesliga am Ball, und Jörn Thore Döding wechselten mehrfach.
Italienischer Nationalspieler
Bei den Zweibrückern stand zwischen der 28. und 42. Minute Mate Volarevic zwischen den Pfosten. Um 17 Uhr war klar, dass der in Mannheim lebende Kroate mit italienischem Pass – er hat für Italiens Nationalmannschaft gespielt – aushilft. Marko Ivankovic, der an Gürtelrose erkrankt ist, hat aus gesundheitlichen und familiären Gründen um Auflösung seines Vertrages gebeten. Dem hat der SV zugestimmt.
Auf der Bank herrschten vom Anpfiff weg hohe Emotionen. Klaus-Peter Weinert, der für den mit Corona infizierten Bullacher einsprang, hatte im verletzten SV-Spieler Tom Grieser, der immer wieder lautstark von außen die Abwehr dirigierte, einen kongenialen Partner im Coaching-Bereich. „Die Mannschaft hat es mir heute leicht gemacht“, sagte Weinert zu seinem Drittliga-Debüt als Trainer. In der Kabine habe er gesagt: „Geht raus, zeigt euer wahres Gesicht. Und das heute war unser wahres Gesicht“, bilanzierte er. „Es hat auch wirklich alles geklappt“, ergänzte sein Co-Trainer Grieser lachend.
Heikle Phasen
Dass Zweibrücken so gut ins Rollen kam, „nehme ich auf meine Kappe“, sagte SG-Trainer Marc Nagel. Er habe gedacht, die 6-0-Abwehr der SG könne das lösen und dass ein Kreisläufer reiche. Beides habe nicht zugetroffen. Nach elf Minuten führten die furiosen Zweibrücker 5:1.
Zwei heikle Phasen, in denen die Partie hätte kippen können, überstand der SV. In der 15. Minute verkürzte SG-Außenspieler Gianluca Pauli auf 5:7. Ein Strafwurf Knieps’ und zwei blitzsaubere Tore von links außen durch Sebastian Meister ließen den SV-Express weiterrollen. In der 43. Minute kamen die Gäste auf 21:24 heran. Knieps, erneut per Strafwurf, und Kockler, mit einem Wurf ins leere SG-Tor, beendeten jeden Wende-Traum der SG.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Dörr (28.-24. Volarevic) - Bayer (1), Götz (4), Kockler (10) - Ihl (1), Meister (5) - Knieps (13/7) - Zellmer (1), Sema, Gohl
SG Leutershausen: Hübe (Döding) - Leibnitz (2), Ruß (1), Rolka (1) - Schmitt (1), Pauli (6/4) - Röller (1) - Schreiber (5), Ruf, Beganovic (1), Bauer (2), Stippel, Seitz (2), Philipp (6)
Spielfilm: 3:0 (8.), 5:1 (11.), 7:5 (15.), 10:5 (18.), 14:8 (23.), 18:12 (Halbzeit), 24:18 (40.), 24:21 (43.), 30:24 (51.), 35:28 (Ende) – Siebenmeter: 7/7:4/4 – Zeitstrafen: 2:1 – Beste Spieler: Kockler, Götz, Knieps - Schreiber, Philipp – Zuschauer: 250 – Schiedsrichter: Peiser/Schek (Waldfischbach-Burgalben/Kindsbach).