Handball
SV 64-Heimsieg gegen Pforzheim ist nichts für Nervenschwache
„Als ich die ersten drei Bälle gehalten habe, habe ich gemerkt, dass es heute passt“, sagte Alexander Dörr, Torwart des Zweibrücker Drittligisten, nach dem 31:28 (14:14)-Erfolg seines SV 64 am Samstag gegen die TGS Pforzheim. 3:0 führten die Zweibrücker nach fünf Minuten. Als Dörr auch noch den Strafwurf von Nicolas Herrmann entschärfte – es war sein vierter von insgesamt 15 gehaltenen Bällen – ahnten auch die SV-Fans in der Westpfalzhalle , dass der Keeper zu einem entscheidenden Faktor in dieser Partie werden könnte.
Das wurde er letztlich, das bestätigte Pforzheims Trainer Tobias Müller, der wieder als Spieler in der Abwehr mitagierte. „Wir sind riesig enttäuscht. Wir hatten uns sehr viel vorgenommen heute und sind am Ende des Tages an unserer Chancenverwertung und der guten SV-Torhüterleistung gescheitert“, bilanzierte er. Die Pforzheimer hatten sich mehr ausgerechnet. Zum dritten Mal gastierten sie beim SV 64, erstmals mussten sie ohne Punkte nach Hause fahren.
SV-Team kommt nach Rückstand prima zurück
Es war kein glanzvolles, sondern ein kampfbetontes Spiel. In punkto Fehlerquote konnten sich beide Teams die Hand schütteln. „Kosten die mich Nerven“, atmete SV-Interimscoach Weinert, der erneut den kranken Stefan Bullacher vertrat, nach 60 Minuten tief, aber glücklich durch. „Wir haben sicher in der ersten Halbzeiteinige Chancen liegen lassen, hätten zur Pause deutlicher führen müssen“, befand Weinert. Dabei dachten er und viele Fans zum Beispiel an die ersten drei Großchancen, die Tom Grieser ausließ. „Ich habe auch gedacht: Ojeoje“, bekannte Grieser, der nach wochenlanger Verletzungspause sein Comeback feierte. Und auch wieder traf. Sein Gegenstoßtreffer zum 8:4 (13.) ließ bei ihm den Knoten platzen.
Weil Zweibrücken beste Möglichkeiten liegen ließ, kam Pforzheim, das nun auf Adam Soos als Spielgestalter setzte, in Raphael Blum einen Kanonier im halblinken Rückraum hatte, wieder zurück, ging beim 11:10 erstmals in Führung. „Kompliment an die Mannschaft: Wir sind nach dem Rückstand wieder zurückgekommen, begünstigt durch die gute Torhüterleistung“, bilanzierte Weinert.
Urschrei von Kapitän Philipp Hammann
Die Führung wechselte nun mehrfach, und Weinert analysierte ehrlich: „Da hatten wir Glück, das hätte auch anders ausgehen können.“ Fünfmal allein warf der SV am leeren Pforzheimer Tor vorbei. Aber Tim Götz, der eine Platzwunde am Kopf erlitt, mit großem Pflaster auf der Stirn weiterspielen musste, dirigierte die Zweibrücker zum Sieg. 23:22 führte Pforzheim nach 46 Minuten, als der SV 64 mit einer Auszeit die Crunch-Time einleitete. Philipp Kockler zum 23:23, erneut ein vergebener Strafwurf der Pforzheimer. Auszeit Pforzheim , danach markierte Götz das 24:23. Die SV-Abwehr eroberte den Ball, und Tom Ihl traf zum 25:23. Es blieb spannend.
Ein Urschrei hallte durch die Westpfalzhalle, als Kapitän Philipp Hammann von der rechten Außenbahn dann zum 28:25 einwarf. Seit Wochen im Formtief war das ein echter Mutmacher für den Kapitän. Der bis dahin ebenfalls glücklos werfende Niklas Bayer traf zum 29:25. Erneute Parade von Dörr, die ihm eine spontane Umarmung von Philipp Kockler einbrachte. Pforzheim steckte nicht auf, kam durch Marco Kikillus noch mal zu 28:29. Noch eine Minute – und die war nichts für Nervenschwache. Kockler zum 30:28, Parade Dörr, zwei Chancen für den SV, beide blieben ungenutzt. Kurzes Zittern und dann löste Grieser mit seinem Treffer zum 31:28-Endstand eine Jubel-Traube aus, in deren Mitte sich Matchwinner Dörr befand.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Dörr - Bayer (1), Götz (5), Kockler (7) - Ihl (4), Meister (1) - Knieps (6/1) – Grieser (5), Hammann (1), Gohl (1), Naumann
TSG Pforzheim: Binder, Ullrich (13. - 55.) - Herrmann (1), Cotic (1), Blum (9) - Kikillus (4/1), Dykta (1) - Sruk (6) – Soos (3), Müller, Wysokinski, Salzseeler (3)
Spielfilm: 3:0 (5.), 5:2 (9.), 8:4 (13.), 10:6 (18.), 10:11 (24.), 14:11 (27.), 14:14 (Halbzeit), 15:16 (33.), 21:18 (39.), 22:23 (46.), 27:24 (52.), 29:27 (58.), 31:28 (Ende) - Zeitstrafen: 2:4 - Siebenmeter: 2/1 - 3/1 - Beste Spieler: Dörr, Götz - Blum, Soos - Zuschauer: 300 - Schiedsrichterinnen: Kuschel/Senk (HV Baden/Pfälzer HV)