Handball RHEINPFALZ Plus Artikel SV 64: Er kam, sah und hielt – auch ohne Weisheitszähne

Wir sind wie Geschwister“, beschreibt Alexander Dörr (unten) das sehr gute Verhältnis zu seinem Torwartkollegen Marko Ivankovic,
Wir sind wie Geschwister", beschreibt Alexander Dörr (unten) das sehr gute Verhältnis zu seinem Torwartkollegen Marko Ivankovic, der früh die Rote Karte sah und auf die Tribüne musste.

Corona spielt bei der Heimpremiere des SV 64 Zweibrücken in der Westpfalzhalle keine Rolle. Die Zuschauer verhalten sich diszipliniert und sorgen für typische Handball-Gänsehautstimmung. Die Zweibrücker bedanken sich mit einer großartigen kämpferischen Leistung und einem 28:21 (15:12)-Sieg gegen den TV Kirchzell. Inklusive einem Helden im Tor und einem überzeugenden neuen Spielmacher.

Als SV-Torwart Marko Ivankovic bei einem Tempogegenstoß der Kirchzeller aus dem Torraum eilte, war allen in der Westpfalzhalle klar: Das gibt die Rote Karte für die Nummer eins im SV-Tor. Ivankovic zog zwar noch zurück, zur leichten Gegnerberührung kam es dennoch. Wenige Augenblicke später war die Partie für ihn vorzeitig beendet.

Der Mann, dem am Montag noch vier Weisheitszähne gezogen worden waren, musste zwischen die Pfosten: Alexander Dörr. „Ich hatte Bulli noch gesagt, dass ich das montags machen lasse, damit ich samstags spielen kann. Er hat geschmunzelt“, erzählte Dörr, der kam, sah und hielt. Unter anderem drei Strafwürfe. Den ersten in der achten Minute, den Kirchzells bester Spieler, Tom Spieß, nicht am SV-Torwart vorbeibrachte. „Es gibt keinen besseren Einstieg für einen Torwart ins Spiel, als einen Strafwurf zu halten“, bekannte Dörr, der 54 Minuten lang in engem Kontakt mit Ivankovic auf der Tribüne stand. „Wir sind wie Geschwister“, beschrieb Dörr das sehr gute Verhältnis zu seinem Teamkollegen, mit dem er per geballter Faust jeden gehaltenen Ball feierte und jeden Ball, der den Weg ins Netz fand, diskutierte. „Die brauchen dich jetzt“, so Ivankovic zu Dörr .

Aber auch die Abwehr, glänzend organisiert von Tom Grieser, gab alles. Marc-Robin Eisel erkämpfte Bälle, die Grieser, der im Angriff in der Regel Platz machte für Kian Schwarzer oder Niklas Bayer, mit zwei Klasse-Gegenstößen erfolgreich abschloss. Es waren die Momente, die Kirchzells Trainer Heiko Karrer anerkennend feststellen ließen: „Eines ist sicher, dass es die Zweibrücker Mannschaft mehr wollte, als wir. Das hat man in jeder Aktion gesehen.“Er sprach den unbedingten Siegeswillen des SV an, den er „in jedem Hautfetzen“ der SV-Spieler spürte. Das bestätigte SV-Trainer Stefan Bullacher: Auf keinen Fall habe man noch mal eine unglückliche Niederlage kassieren wollen.

Götz erobert die Herzen

Kirchzell hatte, dirigiert von Spieß, bis zur 19. Minute einen Drei-Tore-Rückstand aufgeholt. Nach einem Fehlabspiel von Niklas Bayer nutzte Leon David die Gegenstoßchance zum 8:8. Bullacher nahm die Auszeit, brachte Tim Götz, der Premiere im SV-Trikot feierte, und Benny Zellmer zur Stabilisierung der Abwehr. Zellmer, der krankheitsbedingt nicht hatte trainieren können, traf auch noch prompt zum 9:8. Mit dem Treffer zum 11:9, sein erstes von sieben Toren, begann sich Tim Götz nach Dörr der zweite SV-Neuzugang schnell in die Herzen der SV-Anhänger zu spielen. „Klar weiß ich, dass ich verpflichtet wurde, um nicht nur mitzuspielen“, sagte Götz zur Führungsrolle, die ihm der SV zugedacht hat. Die nahm er sehenswert an. Klasse zum Beispiel sein Pass diagonal durch die Kirchzeller Abwehr auf die rechte Außenbahn, den Tom Ihl zum 14:11 verwertete (28.). „Er hat die entscheidenden Akzente gesetzt“, lobte Bullacher. Nur eines gelang auch Götz nicht: einen Siebenmeter zu verwandeln. „Habe ich mich nahtlos eingereiht“, bekannte Götz lachend. Dennoch war ein Aufwärtstrend beim SV zu erkennen. Zum Saisonauftakt hatten sie einen von fünf Strafwürfen verwandelt, am Samstag zwei von fünfen.

Ein dickes Lob den Helfern

In der Viertelstunde nach Anpfiff der zweiten Halbzeit waren es vor allem die SV-Außenspieler, die trafen. Kapitän Philipp Hamman war konsequent im Verwerten seiner Chancen.

Auf der Tribüne wurde gejubelt. 221 Zuschauer sorgten für eine Klasse-Heimspiel-Atmosphäre mit Gänsehaut-Momenten, feuerten ihr Team, das über 60 Minuten nie in Rückstand geriet, unermüdlich an. Den Sieg widmeten Bullacher und Co. all den Helfern im Verein, die viel gearbeitet hatten, um unter den gegebenen Bedingungen ein klasse Handballspiel zu ermöglichen „Ein dickes Dankeschön“, sagte Bullacher.

So spielten sie

SV 64 Zweibrücken: Ivankovic, 6. Dörr - Bayer, Eisel (5/2), Huber (1) - Hammann (5), Schaller (3) - Schwarzer (1) - Grieser (2), Götz (7), Zellmer (2/1), Ihl (2), Meister, Gohl

TV Kirchzell: Jörg, Podsendek (21. - 30.), 59. Büchler - Gläser, Spieß (6/2), Osifo (2) - Schnellbacher (3), Polixenidis (4) - David (4) - Schneider, Blank (1), David, Meyer-Ricks (1)

Spielfilm: 5:4 (9.), 7:4 (13.), 8:8 (19.), 11:10 (25.), 13:10 (26.), 15:12 (Halbzeit), 17:16 (39.), 20:16 (43.), 24:19 (51.), 28:21 (Ende) - Siebenmeter: 5/2 - 5/2 - Zeitstrafen: 4:1 - Rote Karte: Ivankovic (6./Foul) - Beste Spieler: Götz, Grieser, Hammann - Spieß, David - Zuschauer: 221 - Schiedsrichter: Bernhardt/Zick (HV Pfalz).

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