Homburg / Saarbrücken Strafprozess: Illegale Sexarbeiterinnen ins Land geschleust
Der Vorwurf am Saarbrücker Landgericht gegen die drei Rumänen und den Deutschen lautet auf gewerbs- und bandenmäßige Einschleusung von Ausländern. Seit ihrer Verhaftung im September sitzen die Rumänen in Untersuchungshaft; der Deutsche wurde gegen Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Für den Prozess sind noch neun weitere Verhandlungstage anberaumt.
Am Montag vernahm das Gericht den Polizisten, der die fast einjährigen Ermittlungen geleitet hat. Er gilt als Hauptzeuge. In Kontaktanzeigen im Internet, so berichtete er, sei zunächst nur eine Telefonnummer genannt worden. Habe sich der Freier am Telefon mit der Frau über die Modalitäten geeinigt, sei die Adresse mitgeteilt worden. So seien verdeckte Ermittler der Polizei an die Adressen von Prostituierten gekommen.
Frauen haben die nötigen Papiere nicht
Der Polizist berichtete, im August 2023 hätten bei Wohnungskontrollen in Homburg Frauen in Reizwäsche die Türen geöffnet. Die kleinen Wohnungen seien spärlich mit Bett oder Matratzen eingerichtet gewesen. Benutzte Kondome im Mülleimer und herumliegendes Gleitgel hätten alle Zweifel beseitigt, dass hier Prostituierte arbeiteten. Bei der Kontrolle ihrer Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse hätten die Thailänderinnen, Chinesinnen und Vietnamesinnen die benötigten Papiere nicht vorweisen können. Immerhin hätten einige ihre Ausweise ihrer Heimatländer gehabt. Diese habe die Polizei genommen und an die Ausländerbehörde weitergeleitet. Dort könnten die illegal eingereisten Frauen ihren Pass später abholen – oft mit der Aufforderung, Deutschland binnen zehn Tagen zu verlassen. „Eine Thailänderin, die ein wenig Deutsch sprach, haben wir mitgenommen und verhört“, fuhr der Zeuge fort. Die Frau habe Rumänen als ihre Vermieter genannt und der Polizei Rufnummern und andere Kontaktdaten überlassen. Daraufhin überwachten die Ermittler Telefone und überprüften weitere Wohnungen in Homburg, Dillingen und Völklingen.
Dabei sei herausgekommen, dass die Prostituierten wöchentlich etwa 550 Euro Miete zahlen mussten. Jeden Sonntag habe man sie in eine andere Wohnung gefahren. Der 40-jährige deutsche Angeklagte und ein 26-jähriger Rumäne seien Fahrer gewesen und hätten die Miete in bar einkassiert, so der Zeuge. Die Telefonüberwachung habe ergeben, dass die Wohnungsvermietung an Prostituierte im Saarland aus Rumänien heraus organisiert wurde. Im Juli 2024 wurde der nun mitangeklagte 64-jährige mutmaßliche Chef bei seiner Ankunft per Flugzeug aus Bukarest in Frankfurt verhaftet. Seine Begleiterin, eine 26-jährige Rumänin, sei fürs Rekrutieren immer neuer Prostituierter zuständig gewesen. Wie der Polizist vor Gericht aussagte, habe der 64-jährige Rumäne „Druck gemacht“, dass die Wohnungen stets ausgelastet seien und Geld fließe. Ein ebenfalls 26-jähriger Rumäne habe die Belegung der Wohnungen und die Geschäfte vor Ort organisiert.