Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Stoß ins Gleisbett am Zweibrücker Bahnhof: Polizisten und ein Arzt sagen aus

Archivfoto: Moschel
Archivfoto: Moschel

Die Aussagen von drei Zeugen und das Abspielen von sichergestellten Audiodateien standen am Montag im Mittelpunkt des vierten Verhandlungstag im Verfahren gegen eine 19-Jährige aus Zweibrücken wegen versuchten Totschlags.

Ein Mediziner der Universitätsklinik Homburg sagte vor Gericht aus. Er hatte der Angeklagten am Tattag kurz nach 13 Uhr eine Blutprobe bei der Bundespolizei am Bahnhof Saarbrücken entnommen. Zum Zeitpunkt der Entnahme betrug der Blutalkoholwert 0,82 Promille. Der Arzt schilderte das Verhalten der jungen Frau als kooperativ und freundlich. Seiner Meinung nach war sie mittelgradig alkoholisiert.

Diesen Eindruck konnte ein Beamter der Bundespolizei nicht teilen. Er bezeichnete ihr Verhalten gegenüber den Beamten als trotzig. Außerdem habe sie keine Angaben machen wollen.

Zirka eine Stunde vor der Blutentnahme hatten die Beamten zwei Atemalkoholtests bei ihr durchgeführt. Dabei lag das Ergebnis jeweils bei über 1,1 Promille. Dies lässt darauf schließen, dass sich die Angeklagte bereits in der Alkohol-Abbauphase befand.

Eine Kriminalbeamtin aus Kaiserslautern hat die Handys sowohl der Angeklagten als auch der Geschädigten ausgewertet. Über 3000 Sprachnachrichten hatte die Angeklagte auf ihrem Handy gespeichert. Das Opfer hatte diese Daten bereits gelöscht. Die Polizistin schilderte, dass sich beide gegenseitig unmittelbar vor dem Geschehen aufs Heftigste beleidigt und bedroht hatten. Jede drohte der jeweils anderen sie umzubringen.

Zuvor wurden die WhatsApp-Sprachnachrichten den Prozessbeteiligten vom Vorsitzenden Richter Michael Schubert vorgespielt.

Die Angeklagte soll am 6. April gegen 10 Uhr eine ebenfalls 19 Jahre alte Bekannte auf dem Bahnsteig in Zweibrücken angegriffen haben. Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann wirft der jungen Frau vor, ihre Kontrahentin zum Bahnsteigrand gedrückt und in Tötungsabsicht auf die Gleise gestoßen zu haben, obwohl ihr klar war, dass ein Zug in den Bahnhof einfährt. Dabei soll sie mehrmals gerufen haben: „Ich bringe dich um.“ Die 19-Jährige schaffte es zunächst zurück auf den Bahnsteig, soll aber dann von der zum Tatzeitpunkt ein Jahr jüngeren Frau geschlagen, getreten und erneut in das 80 Zentimeter tiefe Gleisbett gestoßen worden sein.

Das Verfahren wird am Freitag fortgesetzt.

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