Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel „Stadtgalerie“: Uschi Heusel malt Rattenfräuleins als Comics nach antikem Vorbild

Uschi Heusel
Uschi Heusel

„Ich lebe auf dem gleichen Grund, auf dem ich 1956 geboren bin“, erzählt Uschi Heusel aus Dietzenbach, einer Kleinstadt bei Offenbach/Main. „Ich habe sehr starke Wurzeln.“ Doch wie kommt sie dann dazu, ausgerechnet bei der Zweibrücker Kunstaktion „Stadtgalerie“ mitzumachen?

Die Cartoonistin, Illustratorin und Malerin kam auf Umwegen zur Kunst . Zuerst hat sie Bürokauffrau gelernt, bei Volvo. „Ich bin schon mit 15 in die Lehre gegangen, Volvo war ortsansässig. Ich war im Beruf nicht glücklich, Büroarbeit war nicht mein Ding“, sagt sie. „Ich hab’ immer schon gemalt und gebastelt, als Kind, wenn mir langweilig war oder wenn ich mit meinen Eltern Leute besuchen musste, und später mit meinen eigenen Kindern.“

Fernstudium zur Kunst

Als sie 29 ist, beschließt sie, neue Wege zu gehen. Sie absolviert ein Fernstudium im Zeichnen und Malen in Darmstadt. „Noch in der Firma hab’ ich angefangen, hobbymäßig zu karikieren.“ 1994 hat sich Heusel als Illustratorin selbstständig gemacht. „Mein ganzes Leben lief auf das hinaus, was ich jetzt mache, aber das weiß man am Anfang noch nicht.“

Die Arbeit als Künstlerin war ihr nicht in die Wiege gelegt. „Mein Vater war Dachdecker. Er hat auf Dachböden oft Micky Maus oder Fix und Foxy-Hefte gefunden, diese Comic-Heftchen für Kinder, und die hat er mir dann mitgebracht. Das war mein Paradies. Abends hab’ ich mir dann die Taschenlampe mitgenommen und hab' unter der Bettdecke gelesen und gelesen.“

Eine Maus für zwei Mark

Sie hat auch viel gezeichnet, vor allem Pferde, und ist heimlich geritten. „So hab' ich mein Taschengeld von Oma unter die Leute gebracht. Für zwei Mark konnte ich mir eine Maus leisten. Ob weiß oder schwarz, das war egal. Die hab' ich manchmal in den Taschen gehabt, mit Tieren war ich immer bestückt. Ich bin nah am Wald aufgewachsen, daher war der Spielplatz riesengroß.“

Als sie Illustratorin wird, entscheidet sie sich für die Selbstständigkeit. „Ich hab’ immer lieber Sachen erfunden als auf Verlangen gemalt.“ Für einen ortsansässigen Spielwarenhändler hat sie Kartenspiele und ihre Cover illustriert, darüber entstand der Kontakt zum Baumhaus-Verlag, einem Kinderbuchverlag. „Ich bin dann langsam in diese Richtung gedriftet und hab' Kinderbücher illustriert. „Dann dachte ich: Am besten wäre es, wenn ich auch den Text schreibe. Das war mein Einstieg in die Verlagswelt.“

Cartoons und Comics

Für den Baumhaus-Verlag hat sie eine kleine Ratte erfunden. „Die hat meinen Vater verkörpert, der immer gern ein bisschen gemeckert hat. Den Charakter hab' ich übertragen.“ Die Ratte hat sie nicht mehr losgelassen. Kinderbücher über Ratten entstehen; für die Tageszeitung „Offenbach-Post“ kreiert sie die hessisch sprechende Ratte Ludwig. Diese Cartoons erscheinen seit 1998 meist wöchentlich.

2002 entwirft Heusel nach Inspirationen aus einem Besuch der Villa Ludwigshöhe bei Landau, der Sommerresidenz König Ludwig I. von Bayern in der Pfalz, ihre ersten Rattengemälde. „Das hat mich so animiert, dass ich versucht habe, Comicfiguren in diesem Stil zu malen.“ Seit 2013 sind die skurrilen Rattenbilder, die sie oft im Stil alter Meister gestaltet, auch unter dem Namen Museum of modern Rat bekannt.

Opernfiguren als Ratten

Beim Salon international de la Caricature in Saint-Just-le-Martel bei Limoges in Frankreich bekam Heusel 2012 den Prix l’humour tendre (zarter Humor). Freunde hatten sie davon überzeugt, auszustellen. Eine Freundin, die Malerkollegin Ute Ringwald aus Bad Vilbel, hatte ihr auch von der Zweibrücker Kunstaktion erzählt und sie zum Mitmachen animiert.

Zurzeit malt Heusel für eine koreanische Opernsängerin Opernfiguren – alle als Ratten. Auch Corona hat sie im Blick. Sie arbeitet aktuell an einem neuen Comic-Buch: „100 Erlebnisse einer Ratte im Lockdown.“

Infos

„Stadtgalerie Zweibrücken“. Kunst in Schaufenstern von Geschäften, bis 29. August, 64 Künstlerinnen und Künstler machen mit. Infos: www.zweibruecken.de.
Uschi Heusel aus dem hessischen Dietzenbach stellt bei Fenja Mode in der Fußgängerzone aus im
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