Zweibrücken
Stadt widerspricht: Bei uns fehlen keine Wohnungen
„Zweibrücken muss 100 Wohnungen pro Jahr neu bauen“, stellt das Pestel-Institut aus Sarstedt bei Hannover in einer Studie fest. Das renommierte Forschungsinstitut erstellt Analysen und Gutachten für Kommunen, Unternehmen und Verbände in ganz Deutschland. Im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) hat das Institut eine groß angelegte Analyse zum Wohnungsmarkt im Bundesgebiet erstellt.
Der Stadt Zweibrücken bescheinigen die Forscher bis 2028 einen Bedarf von rund 100 neu zu bauenden Wohnungen pro Jahr. Das sei notwendig, um das bestehende Defizit abzubauen, erklärt Institutsleiter Matthias Günther und stellt fest, dass es in Zweibrücken aktuell schon rund 150 Wohnungen zu wenig gebe. Zudem müsse in der Stadt neu gebaut werden, „um abgewohnte Wohnungen in alten Häusern nach und nach zu ersetzen“: Hier hat Günther einen Bestand an maroden Nachkriegsbauten im Blick, „bei denen sich eine Sanierung nicht mehr lohnt“. Mit anderen Worten: Zwar gebe es hier durchaus leerstehende Wohnungen. Doch könne in diese „oft keiner einziehen“.
Leerstände zurück auf den Markt bringen
Der Zensus des Pestel-Instituts hat rund 1120 derzeit ungenutzte Wohnungen in Zweibrücken ermittelt. Das seien 6,2 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes der Stadt. Etwa 730 Wohnungen, also der Großteil davon, stünden bereits seit einem Jahr oder länger leer. „Das sind immerhin rund 65 Prozent des Leerstandes“, bilanziert Matthias Günther. „Dabei geht es allerdings oft um Wohnungen, die auch keiner mehr bewohnen kann. Sie müssten vorher komplett saniert werden“, also aufwendig und teuer.
Dabei sei eine gewisse Marge an Wohnungsleerstand grundsätzlich notwendig. „Rund drei Prozent aller Wohnungen, in die sofort jemand einziehen kann, sollten frei sein“, erläutert der Analyst. Denn dann habe man einen Puffer, damit Umzüge reibungslos ablaufen können. Und um Sanierungen überhaupt ausführen zu können.
Allerdings gelinge es nur selten, Wohnungen, die lange leer gestanden haben, zurück an den Markt zu bringen. Viele Hauseigentümer seien mit Sanierungen zurückhaltend, weil sie das Wagnis scheuten. Der Leiter des Pestel-Instituts: „Sie sind verunsichert. Sie wissen nicht, welche Vorschriften – zum Beispiel bei Klimaschutz-Auflagen – wann kommen.“ Es fehle an der politischen Verlässlichkeit, wie man etwa am Beispiel des Heizungsgesetzes gesehen habe.
Stadt sieht den Bedarf nicht
Auf die Pestel-Analyse angesprochen, können weder die Zweibrücker Stadtverwaltung noch die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gewobau die dort genannten Bedarfszahlen nachvollziehen. Zum Beispiel, so erläutert Rathaussprecher Jens John, lägen der städtischen Planungsabteilung keine Erkenntnisse „in Bezug auf diesbezügliche planerische Erfordernisse zur Erschließung von Neubaugebieten“ vor. Und um Baulücken in den deutschen Innenstädten zu schließen, „sollte der Nachfrage daher nur im Rahmen des Mietwohnungsbaus entsprochen werden – falls tatsächlich erforderlich“.
Zweibrücken habe in dieser Frage derzeit kein Problem. Jens John: „Die Gewobau meldet im Moment einen Wohnungsleerstand von drei Prozent, was rund 100 vermietbaren Wohnungen entspricht.“ Diese Zahl deckt sich mit dem Fazit in der Studie, in dem es heißt, dass rund drei Prozent der bezugsfähigen Wohnungen als Puffer frei sein sollten.
Aktuell keine Förderanträge zum sozialen Wohnungsbau
Laut Stadtverwaltung wird der Neubau von Sozialwohnungen „mit Fördermitteln aus dem sozialen Wohnungsbau realisiert“. Anträge auf eine solche Bezuschussung lägen der Wohnungsbauförderstelle im Zweibrücker Bauamt derzeit aber weder von der Gewobau noch von einem Investor vor. „Aktuell müsste ein solcher Zuschussantrag auch abgelehnt werden, da entsprechende Bedarfe nicht nachgewiesen werden können“, gibt Jens John eine Auskunft aus dem Bauamt weiter. Ausdrücklich weise die Bundesregierung ja darauf hin, dass die Sanierung alter Wohnungen stets Vorrang vor Neubau haben sollte. Auch aus ökologischer Sicht sei die Sanierung im Bestand vorteilhafter.
Werde nämlich durch Sanierung der Rohbau eines schon bestehenden Gebäudes weiter genutzt, statt Energie und neue Ressourcen für Abriss, Entsorgung und Neubau aufzuwenden, würden Ressourcen und Energie eingespart. Jens John: „Allein die Herstellung von Zement ist derzeit für etwa acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.“ Dabei nicht eingerechnet die „sich daran anschließende Herstellung von Beton und Mörtel und den Weitertransport zur Baustelle“.
Auch in Zweibrücken, so wird es in der Stadtverwaltung gesehen, sei für die meisten der leerstehenden Häuser mit Überholungsbedarf eine Sanierung der sinnvollere Weg. Nur für einen geringen Anteil – nämlich für Häuser, die wirklich schon am Verfallen sind – sei ein Abriss mit Ersatzneubau ratsam. „Dann aber am sinnvollsten auch an der bisherigen Stelle“, sagt Rathaussprecher Jens John.