Zweibrücken
Stadt investiert Millionen in die Feuerwache
„Wenn ich ein Gesangverein wäre, hätte ich massiv Angst“, sagt Frank Theisinger, der Chef der Zweibrücker Feuerwehr. Was er damit meint: Viele Vereine haben solche Nachwuchssorgen, dass sie sich irgendwann auflösen. Der Feuerwehr droht das nicht. Aber ihre Arbeit hat sich in den 40 Jahren, die Theisinger bei der Feuerwehr ist, so verändert, dass die fast 30 Jahre alte Feuerwache nicht mehr auf dem neuesten Stand ist: „Viele Sachen funktionieren nicht so, wie wir uns das vorstellen.“ Jetzt investiert die Stadt über fünf Millionen Euro in eine neue Einsatzleitzentrale, ein zweites Gebäude und ein zusätzliches Stockwerk. Und es kommen Berufsfeuerwehrleute dazu – sofern sich welche finden.
Städte kämpfen um Feuerwehrleute
Wie sich die Feuerwehr verändert und welche Aufgaben sie dazubekommen hat, sieht man alleine an der offiziellen Bezeichnung für Feuerwehrchef Theisinger. Er ist nicht mehr nur Stadtfeuerwehrinspekteur, sondern mittlerweile Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Mit den neuen Aufgaben im Katastrophenschutz braucht die freiwillige Feuerwehr mehr hauptamtliches Personal, also Berufsfeuerwehrleute. Fünf waren es, mittlerweile gibt es 14 Stellen, nächstes Jahr sollen es 21 sein. Falls sich geeignete Leute finden. „Wir sind nicht die einzigen, die umstellen. Alle sind am Suchen“, spricht Oberbürgermeister (OB) Marold Wosnitza von einem „Kampf um die Kräfte“. Und man stehe nicht nur in Konkurrenz zu anderen Städten, sondern auch zu den Werksfeuerwehren, die besser bezahlten als der öffentliche Dienst, wo die Feuerwehrleute als Beamte im mittleren Dienst in der Besoldungsgruppe A8 zwischen 2800 und 3600 Euro brutto verdienen.
Dazu kommt ein weiteres Problem: „Es ist extrem schwierig, Ausbildungsmöglichkeiten zu finden“, sagt der OB. Wer Berufsfeuerwehrmann wird, hat bereits eine Berufsausbildung – etwa als KFZ-Mechaniker, Elektriker, Heizungsinstallateur oder Schlosser. Dazu kommen aber noch mal 18 Monate Ausbildung in mehreren Spezialgebieten, darunter als Rettungssanitäter auch an der Uniklinik in Homburg, als Rettungsschwimmer und die ABC-Ausbildung (ABC steht für atomare, biologische und chemische Gefahrenstoffe).
„Bei Bränden machen drei Minuten viel aus“
Mit den Hauptamtlichen stellt die Feuerwehr sicher, dass sie schnell eingreifen kann: Das Personal in der Wache rücke innerhalb einer Minute aus, sagt Theisinger. Er selbst brauche von Niederauerbach dreieinhalb Minuten, aus Ernstweiler könnten es sogar zwölf Minuten sein. „Bei Bränden machen drei Minuten viel aus“, sagt er. Ein weiterer Vorteil von Berufsfeuerwehrleuten: Sie können bei sogenannten Bagatelleinsätzen ausrücken. Dazu zählt zum Beispiel die Katze auf dem Baum. Oder wenn der Rettungsdienst die Feuerwehr ruft, weil sie eine Tür öffnen muss. Wenn dafür alarmiert wird, bekommt gleich ein ganzer Zug mit 25 Feuerwehrleuten den Alarm, neun davon können sofort los und in die Wache kommen, aber weil es kein großer Einsatz ist, werden sechs gleich wieder weggeschickt. „Das macht der Arbeitgeber eine Zeit lang mit, ...“ sagt Theisinger und lässt den Satz offen. Es sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass ein Firmenchef Angestellte einfach so zu einem Einsatz lässt.
Mehr hauptamtliche Kräfte, mehr Aufgaben, mehr Material – all das führt dazu, dass die Feuerwehr mehr Platz braucht. Um Material zu lagern, für ordentliche Umkleiden – auch für die zwölf Zweibrücker Feuerwehrfrauen – und für die Fahrzeuge. Deshalb bekommt die Feuerwehr hinter der Wache Richtung Bahneinschnitt eine komplett neue Halle. 900 Quadratmeter für zwei Fahrzeuge, eine KFZ-Werkstatt, Wasch- und Dekontaminationshalle, Feuerlöscherwerkstatt und die Ausrüstung für den Katastrophenschutz. Das Gelände ist bereits auf Munitionsreste aus dem Krieg untersucht. „Ich hoffe, dass nächstes Jahr die Bagger rollen“, sagt Theisinger. Der OB möchte die Halle im September einweihen, beim Tag der offenen Tür. Der hintere Teil der jetzigen Feuerwache soll leicht aufgestockt werden, so dass mit einer Zwischendecke aus einer hohen Fahrzeughalle zwei volle Stockwerke werden. 4,5 Millionen Euro investiert die Stadt in diesen Neu- und Umbau. 60 Prozent muss sie selbst zahlen, 40 Prozent gibt das Land dazu.
„Alles nicht mehr zeitgemäß“
Die jetzige Feuerwache wird erst umgebaut, wenn der Neubau in Betrieb ist. Dann wird auch die neue Einsatzleitzentrale für 900.000 Euro [in der ersten Version stand versehentlich 90.000 Euro] und mit etwas weniger Zuschuss „auf einen komplett neuen Stand gebracht“, wie es Frank Theisinger ausdrückt. Das sei „alles nicht mehr zeitgemäß“, und für vieles gebe es keine Ersatzteile mehr. „Die Zeit drängt ein bisschen“, sagt Theisinger, der auf zehn Jahre – bis 2027 – als Stadtfeuerwehrinspekteur gewählt ist. „Wir hoffen, dass wir bis Ende ’25 durch sind.“ Auch wenn die 1995 eingeweihte Feuerwache nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht, versichert der Feuerwehr-Chef: „Die Versorgung der Bevölkerung ist nie in Frage gestellt. Aber mal plant nicht ausschließlich für den Normalfall.“
120 Feuerwehrleute gibt es in Zweibrücken. „Ich hätte gerne 240“, sagt Theisinger. Um keine Nachwuchssorgen zu bekommen, gibt es die Jugendfeuerwehr mit 26 Jugendlichen und die Bambinifeuerwehr mit 24 Kindern bis zehn. Eine reine Berufsfeuerwehr möchte Theisinger nicht: „Wenn wir das wollten, bräuchten wir pro Schicht 28 Mann.“ Und das mal fünf, weil jeder eine 40-Stunden-Woche hätte, die Wache aber alle 168 Stunden in der Woche besetzt wäre und die Leute auch Urlaub haben. Macht am Ende 140 Feuerwehrleute. „Das würde gar nicht funktionieren.“ Er verweist auf England: Dort habe die Berufsfeuerwehr bis zu 30 Minuten Anfahrtszeit zu Einsätzen. Und dann ist niemand mehr vor Ort. Für Theisinger steht fest: „Das ist das Schöne in Deutschland, dass das Feuerwehramt ein Ehrenamt ist. Das ist ein gutes System.“