Zweibrücken
Stadt entfernt ungenehmigte Bikestrecke in Fasanerie – und macht überraschendes Angebot
„Gefährliche, privat errichtete Mountainbike-Strecke“ hat die Stadtverwaltung Zweibrücken eine Pressemitteilung überschrieben, und diese Formulierung verwendet sie auch in einem Beitrag in den digitalen Medien. Am Donnerstag lud die Stadt zur Besichtigung der Strecke im städtischen Fasaneriewald ein, die aus Sicht der Stadt nicht nur sportlich anspruchsvoll, sondern auch teilweise gefährlich ist.
Wer die Strecke gebaut hat, weiß die Stadt nicht
Wer die Strecke mit Schanzen und Kurven gebaut hat, weiß die Stadt nicht. Seit Donnerstagnachmittag wird sie von der Stadt aus Sicherheitsgründen komplett zurückgebaut, sprich, sie verschwindet. Jedoch hat Oberbürgermeister Marold Wosnitza den Bikern in Aussicht gestellt, zusammen mit ihnen eine neue Radstrecke im Wald planen zu wollen. Die müsse allerdings sicherer sein als die privat errichtete, es müssten klare Verantwortlichkeiten geregelt werden, und vor allem müssen Rettungswege vorhanden sein, die es bislang nicht gibt.
Kriminalisieren will die Stadt die Erbauer der ohne Erlaubnis angelegten Strecke nicht. Daher verzichten alle Beteiligten der Begehung, vom stellvertretenden Leiter des Forstamtes Westrich, Florian Kemkes, bis zu den Leitern von Bauamt, Ordnungsamt und Sportamt Zweibrücken, Christian Michels, Klaus Stefaniak und Thomas Deller, auf Vokabeln wie illegal oder kriminell.
Einen gewissen Respekt kann der OB nicht verhehlen
Vielmehr betont Oberbürgermeister Wosnitza, der einen gewissen Respekt für die Leistungen der unbekannten Streckenbauer nicht verhehlen kann, dass ihm eine Zusammenarbeit vorschwebt. Bereits unter Wosnitzas Vorgänger Kurt Pirmann war die Errichtung einer Bikestrecke in Zweibrücken thematisiert worden. Stadtratsmitglieder besuchten sogar einen Bikepark im Norden von Rheinland-Pfalz. Und auch Wosnitza hält einen solchen in Zweibrücken für möglich. Nur nicht in der jetzigen Form.
„Die Strecke ist an vielen Stellen so gefährlich, dass wir jetzt dringend Maßnahmen ergreifen müssen“, sagt Marold Wosnitza. Als Beispiel nennt er den gefluteten Eingang eines alten Bunkers, über den die Erbauer einen heftigen Sprung errichtet haben. Das ein mal ein Meter große und rund eineinhalb Meter tiefe Becken liegt in einem Hang mit sehr großem Gefälle und ist von oben nicht sichtbar. „Die Erbauer haben neue Wege angelegt, die jetzt auch von Spaziergängern benutzt werden. Wenn da ein Kind reinfällt und ertrinkt, ist die Stadt haftbar, weil es städtischer Wald ist“, so Wosnitza.
Schon am Nachmittag rückten die Waldarbeiter an
Daher rückten noch am Donnerstag Waldarbeiter an, um das Betonbecken zu verfüllen, Sprungschanzen abzureißen, Steilkurven zuzuschütten und Holzstämme zu entfernen. Steile Sprünge, enge Steilkurven, abschüssige Spuren, die an einem mittendrin stehenden großen Baum enden und Streckenabschnitte, die manchen Teilnehmern der Begehung schon zu Fuß schwindlig werden ließen, haben die Erbauer in vermutlich monatelanger Arbeit oberhalb der Annweiler Straße errichtet. Mit Werkzeugen und Fleiß, Können und viel Fantasie waren sie am Werk. Auch eine im Boden versenkte Kiste für ihr Werkzeug haben sie gebaut, schön ausgeschachtet und mit Folie gegen Feuchtigkeit geschützt, gebaut aus Holzfaserplatten, die sie in den Wald mitgebracht haben. Fahrbahnbegrenzungen waren mit Baumstämmen seitlich begrenzt und abgestützt – eine Fleißarbeit, die bei allen Beteiligten einen gewissen Respekt erzeugt hat.
Die Stadt stehe aber in der Verkehrssicherungspflicht, weshalb die Strecke weg muss. Bodenerosion, fehlende Rettungswege, Schädigung der Bäume, weil Erde aufgehäuft wurde, und eine mögliche Gefährdung von Fußgängern seien weitere Gründe, die für den Abriss sprechen, erklären die verschiedenen Experten bei der Begehung.
Stadt will Strecke mit Hilfe der Biker neu bauen
„Hier steckt viel Arbeit drin, das muss ich zweifelsfrei zugeben, aber wir befinden uns hier auf städtischem Gelände und haben die Verkehrssicherungspflicht“, betont Oberbürgermeister Marold Wosnitza. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Strecke zurück zu bauen“, so der Oberbürgermeister weiter, der den Waldradlern aber auch zugleich einen Vorschlag macht: „Wir würden uns freuen, wenn sich die vermutlich Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei uns melden würden, damit wir versuchen, einen neuen Bikepark auf ordentliche Füße zu stellen, sprich, Betreiber- und Haftungsfragen genauso klären wie Rettungswege“, so Wosnitza.
Weder die Stadt noch das Forstamt wollten die Erbauer bestrafen. Und leicht sei die neue Aufgabe auch nicht, doch gerade deshalb hoffe er auf die Unterstützung aus der Szene. „Damit die Strecke dann auch aus Radfahrersicht geplant und somit angenommen wird“, ergänzt er. Ab Mitte kommender Woche habe die Stadt einen Radbeauftragten, der dann auch direkter Ansprechpartner wäre.
