Zweibrücken
Spundwand: Baustopp ohne Ende
Die Sanierung der Stahlwand am Schwarzbach, zwischen Schillerstraße und Jakob-Leyser-Straße, ist seit 9. März gestoppt. Geht’s weiter?
Eindeutig: nein. Und das auf unbestimmte Zeit. Die Bauleute, die noch zu sehen sind, machen Sicherungsarbeiten. Zwischen alter Spundwand und dem Behelf wird Schotter eingebracht. Zudem werden Risse an den Fassaden der Immobilie Schillerstraße 1 markiert. Um zu sehen, ob und was sich bewegt und wie die Auswirkungen sind. Dann aber wird die Baustelle bis Ende April geräumt. Sie ruhen zu lassen, sprich Baumaschinen vor Ort zu belassen, käme laut OB weit teurer. Also ein Abbau jetzt und eine spätere Neueinrichtung.
Eigentlich sollte das Bachufer durch eine neue, die alte, aus den 30er-Jahren ersetzende Stahlwand gesichert werden. Und zwar schon seit gut einem halben Jahr. Was ist jetzt passiert?
Der OB sagt: Der Boden des Grundstücks Schillerstraße 1 hat sich gesenkt, Außenbereiche mussten abgesperrt werden, Betreten verboten. Es zeigten sich neue Risse am Anbau des Appartementhauses und einer Doppelgarage. Seit Donnerstag ausgewertete Messungen zeigen: Auf der Höhe der Garage hat sich die alte Spundwand zehn Zentimeter nach vorne geschoben und ist auch zehn Zentimeter gesunken (OB: „Komplett abgesackt“). Heißt: Hang und Oberfläche sind massiv in Bewegung.
Konnte man das nicht wissen?
Laut OB fußte die statische Berechnung der durch die Stadt beauftragten Ingenieure auf der Annahme, dass die alte Spundwand im Wasser auf Fels aufsetzt. „Scheinbar“, so lautet jetzt die Annahme, saß sie aber nicht auf. Durch die Sanierungsarbeiten sackte sie jetzt vermutlich ab. Und brachte hinter ihr einiges in Bewegung. Laut Ingenieurbüro war die Länge der Wand durch kein Verfahren vorher exakt zu bestimmen. Soll heißen: Es ist Unvorhersehbares passiert.
Kann die Wand komplett einbrechen?
Eher nicht. Dass sie sich aber weiter verformt, sei nicht auszuschließen, heißt es. Wie würde sich ein höherer Wasserstand des Schwarzbachs auswirken? Sichere Aussagen dazu gab es im Bauausschuss nicht.
Wie weiter?
Kein Weiterbau. Verschiedene Varianten wurden vergangenen Freitag diskutiert. Ergebnis: Vordringlich ist die Sicherung der betroffenen Gebäude Schillerstraße 1 bis 5. Bevor der Grund oben nicht ruht, geht nichts. Derweil muss nicht nur von Zeit zu Zeit, sondern ab jetzt dauernd die Bewegung gemessen werden.
Wie werden die Gebäude gesichert?
Wosnitza: Zurzeit gibt es auf die Frage keine Antwort.
Was unternimmt die Stadtverwaltung?
Der OB sagte am Dienstag, man werde die betroffenen Eigentümer an einen Runden Tisch einladen, um sie zu informieren. Möglich, so Verwaltungssprecher Jens John, dass auch Mieter dazugebeten werden. Auf Kosten der Stadt sind derzeit drei Parteien mit fünf Personen untergebracht, weil sie in der Schillerstraße nicht mehr wohnen können. Die Stadt, die die eigentliche Spundwand-Sanierung ohne Zuschüsse selbst zu finanzieren hat, macht sich auch an die Beweissicherung – Vorbereitung für einen nicht unwahrscheinlichen, späteren Schadensersatzprozess. Ein Rechtsanwalt wird beauftragt, Schritte eines „selbstständigen Beweisverfahrens“ einzuleiten. Zunächst muss die Versicherung der Stadt zustimmen. Der Plan: Das Landgericht – vermutet wird ein Streitwert von mehr als 5000 Euro – bestellt einen eigenen Gutachter. Dessen Aussagen hätten bei einem Prozess direkt Beweiskraft.
Was kommt auf die Stadt an Kosten der ursprünglich auf 712.000 Euro taxierten Sanierung der Spundwand zu?
Dazu wagt keiner eine Aussage. Ursache und Beteiligung, damit das Verschulden der jetzt schon verkorksten Sanierung und ihre Folgen, werden zu klären sein. In der Endabrechnung – egal von wem zu zahlen – wird vermutlich ein weit höherer Betrag als die im November genannten 1,8 Millionen Euro stehen.