Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Spritsparen: Wie der Fahrlehrer teure Gewohnheiten entlarvt

Ralf Effinowicz’ Tipps wirkten sich erkennbar auf den Spritverbrauch meines Wagens aus.
Ralf Effinowicz’ Tipps wirkten sich erkennbar auf den Spritverbrauch meines Wagens aus.

Der erste Schock beim Blick auf die Tankstellentafeln ist überwunden. Aber jammern hilft ja nicht. Handeln ist gefragt. Was kann man tun, um den Geldbeutel wenigstens ein bisschen zu entlasten? Wir waren mit einem Profi unterwegs und haben festgestellt: Da geht noch was.

Ralf Effinowicz, dessen Fahrschule in der Landauer Straße schlicht seinen Vornamen trägt, ist gleich dabei: Ein paar Tage nach meinem Anruf mit der Bitte um eine Art Spritspar-Fahrstunde stehe ich zum verabredeten Zeitpunkt vor seiner Fahrschule. Im eingeschränkten Parkverbot. Viel ist los an diesem Montagmorgen in der Wassergasse. Macht nichts, ich warte ohnehin startklar am Auto. Denn, so hat mir der Fahrlehrer schon zuvor am Telefon gesagt, wir fahren mit meinem Auto. „Das kennen Sie doch viel besser“, war die schlüssige Erklärung. Abgesehen davon gebe es auch von Pkw zu Pkw Unterschiede: Mit manchen kann man sehr niedrigtourig fahren, mit anderen braucht es eine höhere Drehzahl, um vom Fleck zu kommen. „Das muss man auch ein bisschen ausprobieren. Und ich empfehle, den Autohändler jeweils zu fragen, ob das eigene Auto niedrige Drehzahlen verträgt. Denn was nutzt es, wenn man auf der einen Seite etwas Kraftstoff spart, auf der anderen Seite der Motor aber Schaden nimmt? Was für ein Auto fahren Sie?“ Einen älteren BMW X1, Allrad, Diesel. „Alles klar, dann kann ich mich bis Montag schon ein bisschen darauf einstellen.“

Der richtige Reifendruck ist entscheidend

Während ich also vor der Fahrschule warte, erinnere ich mich an meine Fahrstunden: Vor mehr als 30 Jahren war Spritsparen eher ein Randthema. Pünktlich tritt Ralf Effinowicz vor die Tür, geht zielgerichtet auf mich zu und zeigt nach einer freundlichen Begrüßung gleich in Richtung Reifen. „Wie ist der Reifendruck?“ Ertappt. Den habe ich schon länger nicht geprüft. „Ganz wichtig: Wenn der Reifen zu wenig Luft hat, ist der Rollwiderstand und damit der Spritverbrauch deutlich höher.“ Aber übertreiben sollte man auch nicht. Denn wenn der Reifen zu sehr aufgewölbt ist, fährt er sich in der Mitte ungleich ab.

Dann steigen wir ein. Ralf Effinowicz, der zwar schon länger darüber nachgedacht hat, einen Spritsparkurs anzubieten, aber wegen der aktuell aufgrund des Corona-Staus sehr hohen Anzahl an normalen Fahrschülern momentan kaum Luft dafür hat, wirft einen Blick auf den aktuellen durchschnittlichen Spritverbrauch: 6,2 Liter. „Da ist aber viel Autobahn dabei?“, vermutet er. Na ja, innerhalb der letzten etwa 1000 Kilometer, seit ich den Messer wieder auf null gesetzt hatte, etwa ein Drittel. Der Rest war innerorts und Landstraße. Schon geht’s los: „Wir fahren jetzt erst einmal eine größere Runde, und ich beobachte, wie Sie fahren. Anschließend sage ich was dazu. Und dann fahren wir die gleiche Strecke noch mal.“

Drehzahl und Spritanzeige schlagen aus

Zwar bin ich nicht so aufgeregt wie bei den ersten Fahrstunden. Dennoch achte ich etwas nervös auf solche Sachen wie das Schalten oder Ausrollenlassen, die sonst einfach intuitiv erfolgen. Und kaum denke ich darüber nach, erwische ich auch prompt den falschen Gang. Wie peinlich. Kein Kommentar. Logisch. In der ersten Runde wollte der Fahrlehrer ja auch nur beobachten. Auf die rote Ampel fahre ich gefühlt schon etwas langsamer zu als ich das sonst tue. Ich kupple aus und bremse. Die Ampel ist immer noch rot. Die Start-Stop-Automatik ist aktiviert. Es wird gelb, ich schalte, fahre an, der Drehzahlmesser geht deutlich über 2000 Umdrehungen, der Anzeiger für den aktuellen Dieselverbrauch schlägt kräftig nach oben aus. Ich schalte wieder, gebe wieder Gas, schalte wieder. Der Tacho zeigt 45 Stundenkilometer. Ralf Effinowicz leitet mich durch die Stadt, über Kreuzungen, durch Kreisel, den Bahneinschnitt, auf dem ich 100 fahren darf und tatsächlich bis in den sechsten Gang schalte, Richtung Niederauerbach.

Nach einiger Zeit stehen wir wieder vor der Fahrschule: „Das Wesentlichste ist, vorausschauend zu fahren“, erklärt er mir etwas, was mir mangels Ortskenntnis in Zweibrücken tatsächlich hier noch etwas schwerfällt. Aber daran arbeite ich. Und dann erklärt er weiter: „Ideal ist, wenn man so selten wie möglich ganz anhalten muss, denn das Anfahren kostet am meisten Sprit. Grundsätzlich gilt: So früh wie möglich hochschalten, so spät wie möglich herunterschalten. Auskuppeln braucht mehr Sprit als wenn Sie runterschalten. Außerdem spart es Bremsbeläge, wenn man die Motorbremse nutzt. Und hier in Zweibrücken habe ich die Start-Stop-Automatik immer aus: Die lohnt erst ab 20 Sekunden und das hat man hier selten.“ Er berichtet von Ampelanlagen, die die Restzeit der Rotphase anzeigen. So könne man entscheiden, ob es sich lohnt, den Motor abzustellen oder nicht. Er hat außerdem beobachtet, dass ich bei meinem Auto durchaus schon bei einer Drehzahl von gut 1500 Umdrehungen in den nächsten Gang schalten kann.

Diät fürs Auto: Unnötiger Ballast muss raus

Die nächste Runde startet. 30 Jahre Fahrroutine und falsches „Wissen“ übers Spritsparen haben manches angerichtet: Immerhin ertappe ich mich jetzt dabei, wenn ich automatisch auskupple, merke, wenn ich noch etwas früher hätte schalten können als gewohnt, und vertraue immer häufiger darauf, dass der Wagen noch genug Schwung hat, um die Ampel zu erreichen, ohne vorher zu verhungern. Dummerweise hatte ich versäumt, den Messer für den Verbrauchsdurchschnitt jeweils vor den beiden Runden zurückzustellen. Dann hätte ich den Effekt direkt erkannt. „Probieren Sie es aus: Fahren Sie eine festgelegte Strecke mit Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn mal sportlich, mal wie bisher und mal mit den Tipps. Und probieren Sie zum Beispiel aus, bei welcher Drehzahl mit wie viel Gas Ihr Auto wie reagiert.“ Das werde ich. Ganz bestimmt.

„Ach, eines habe ich noch vergessen: unnötiges Gewicht einsparen!“ Mein erster Gedanke gilt meinem üppigen Frühstück, aber das war nicht gemeint, sondern unnötiger Ballast im Auto: Hinter dem Fahrersitz steht seit einiger Zeit eine Tasche mit Büchern, die ich längst mal in den öffentlichen Bücherschrank räumen wollte. Und noch einen Tipp hat der Fahrlehrer in diesem Zusammenhang: Auch ein voller Tank wiegt mehr als ein halbvoller. Insofern lohne sich in Zeiten stabilerer Preise kluges Tanken. Im Moment setze er selbst aber auch auf eine Spritpreis-App. Und natürlich gelte: Je schneller man fährt, desto mehr Sprit braucht man.

Ob ich mir wohl alles gemerkt habe? Und alles umsetzen kann? Ganz sicher bin ich nicht, stelle den Verbrauchsmesser aber auf null. Als ich den Wagen abends zu Hause abstelle, zeigt der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,3 Liter auf 100 Kilometer an ...

Morgens zeigte der Bordcomputer noch einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer an. Am Abend sind es nu
Morgens zeigte der Bordcomputer noch einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer an. Am Abend sind es nur mehr 5,3 Liter.
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