Wirtschaftsleben RHEINPFALZ Plus Artikel So wird Heinrich Fuhrmanns Elektrohandel fit für die Zukunft

Joachim Müller (rechts), der langjährige Geschäftsführer von Elektro Fuhrmann, mit dem neuen Chef Maximilian Dick.
Joachim Müller (rechts), der langjährige Geschäftsführer von Elektro Fuhrmann, mit dem neuen Chef Maximilian Dick.

Die Geschichte des Zweibrücker Traditionsbetriebs Elektro Fuhrmann geht weiter – mit neuem Namen und neuem Chef. Der sagt: „Der stationäre Elektrofachhandel hat Zukunft.“

Es gab Zeiten, da lag der Elektrogeräte-Fachhandel in Zweibrücken in den Händen von drei führenden mittelständischen Betrieben – Elektro Lanninger, Wicklein und Elektro Fuhrmann. Von diesen großen Drei ist heute nur noch einer übrig geblieben – und der heißt jetzt anders. Das hat mit den Schwierigkeiten zu tun, die bei der Übergabe von Unternehmen an die nächste Generation heutzutage oft auftreten.

So hatte Joachim Müller das Geschäft seines Großvaters noch gekannt.
So hatte Joachim Müller das Geschäft seines Großvaters noch gekannt.

„1933 hatte mein Opa Heinrich Fuhrmann seinen Radio- und Elektrogroßhandel eröffnet“, beschreibt Joachim Müller die Anfänge des Geschäfts in der Kaiserstraße. Als Heinrich Fuhrmann 1974 mit 67 Jahren starb, traten seine Tochter Inge und ihr Ehemann Horst Müller in die Fußstapfen. 1996 übernahm Joachim Müller, der Enkel des Firmengründers, die alleinige Geschäftsführung. Unvergessen bleibt dem bald 59-Jährigen ein älterer Kunde, der vor einiger Zeit im Geschäft erzählte, dass er hier schon anno 1945 Elektroartikel gekauft habe, „als rundum noch überall die Balken vom Bombenangriff rauchten“. Zwar war Zweibrücken am 14. März 1945 zu 83 Prozent zerstört worden, doch Elektro Fuhrmann in der Kaiserstraße kam weitgehend unbeschädigt davon.

Übergang vollzieht sich geräuschlos

30 Jahre lang hat Joachim Müller das Unternehmen geleitet und immer wieder modernisiert. Den Elektro-Großhandel baute er zum Fachgeschäft für elektrische Haushaltsgeräte mit Kundendienst aus. Eine Filiale kam 2020 hinzu – mit Übernahme des Elektrogeschäfts Schwarz neben dem Globus-Markt in Einöd. Dort hatte sich keine jüngere Generation mehr gefunden, die den Familienbetrieb hätte übernehmen können. Ein Problem, das bald auch der Firma Elektro Fuhrmann drohte: Joachim Müller wusste, dass er im Familienkreis keinen Nachfolger finden würde.

Von links: Dick-Seniorchef Horst-Werner Dick, sein Sohn Maximilian Dick und Joachim Müller.
Von links: Dick-Seniorchef Horst-Werner Dick, sein Sohn Maximilian Dick und Joachim Müller.

Also traf der Unternehmer Vorsorge für den Tag seines altersbedingten Ausscheidens. Über die Mitgliedschaft von Elektro Fuhrmann im deutschen Fach- und Einkaufsverband EK Retail lernte Joachim Müller seinen Kollegen Horst-Werner Dick kennen, der in Bad Kreuznach ebenfalls einen familiengeführten Fachmarkt betreibt. Das freundschaftliche Verhältnis der beiden Chefs mündete in Joachim Müllers Entscheidung, seine Firma im Juli 2024 an Electroplus Dick zu übergeben. Der Übergang und Umbau in Zweibrücken vollzog sich bis ins Frühjahr 2026 – derart geräuschlos, „dass ich unsere Kunden öfter darauf ansprechen musste, dass das Geschäft jetzt Dick heißt“, erzählt Joachim Müller. „Viele Leute haben das gar nicht mitgekriegt.“

Corona beendet Erfolg in Kambodscha

Doch um ein Haar hätte auch die Firmengeschichte von Elektro Dick mit der Pensionierung des Seniorchefs ein Ende gefunden. „Eigentlich hatte ich nie vor, in den Betrieb einzusteigen“, bekennt sein Sohn Maximilian Dick. „Ich hab’ als Kind ja gesehen, dass mein Vater mehr Zeit in der Firma zubrachte als daheim. Das fand ich wenig attraktiv; ich wollte raus in die Welt.“ Nach dem Abitur zog Max Dick zunächst nach Australien, ehe er im ostasiatischen Kambodscha ein Gästehaus mit 120 Betten etablierte. „Wir waren erfolgreich, hatten 43 Mitarbeiter. 18 Monate lang arbeitete ich dort praktisch rund um die Uhr“, erinnert er sich. „Doch dann kam Corona, und ich musste das Hostel in Kambodscha schließen.“

So sah Heinrich Fuhrmanns Elektrogeschäft in den 1930er Jahren aus.
So sah Heinrich Fuhrmanns Elektrogeschäft in den 1930er Jahren aus.

Also kehrte der Jungunternehmer nach Deutschland zurück. „Hier fand ich bei meinen Eltern einen funktionierenden Betrieb mit viel Potenzial vor.“ Max Dick ließ das geplante Studium in Den Haag sausen und wurde Juniorchef in Bad Kreuznach. „Ich bin fest davon überzeugt, dass der stationäre Elektrofachhandel Zukunft hat“, will er nun die Filialisierung weiter vorantreiben, den hauseigenen Online-Shop und den Social-Media-Auftritt optimieren. In Zweibrücken möchte er zusammen mit seiner Mutter Carmen zu Kochvorführungen am Miele-Elektrogrill einladen, und der Handel und Reparaturservice für Küchengeräte vom Handmixer bis zur Waschmaschine wird weiter ausgebaut. „Den Weg mit unseren langjährigen Partnern aus der Industrie gehen wir weiter“, nennt der Juniorchef Hersteller wie Bosch, Liebherr, Siemens und AEG, deren Produkte in den Fachgeschäften von Electroplus Dick erhältlich sind.

Knappes Dutzend Mitarbeiter übernommen

Inzwischen bringt es das Unternehmen auf 45 Beschäftigte – inbegriffen das knappe Dutzend Mitarbeiter, die in Zweibrücken und Einöd übernommen wurden. Neben dem Stammsitz Bad Kreuznach gibt es noch eine Dick-Filiale in Ingelheim bei Mainz.

Das traditionsreiche Geschäft Fuhrmann in der Kaiserstraße heißt jetzt Electroplus Dick.
Das traditionsreiche Geschäft Fuhrmann in der Kaiserstraße heißt jetzt Electroplus Dick.
x