Handball RHEINPFALZ Plus Artikel So deckt Dunja Bullacher auf, wer in Zweibrücken das Zeug zum Kapitän hat

Der Einzelne kommt nur auf die Insel, wenn die Mannschaft funktioniert. Dunja Bullacher (rechts) gibt den Nachwuchshandballern T
Der Einzelne kommt nur auf die Insel, wenn die Mannschaft funktioniert. Dunja Bullacher (rechts) gibt den Nachwuchshandballern Tipps.

Das Camp 64 deckt es schonungslos auf. Wer ist in einem Team zum Kapitän geeignet? Wer ist überhaupt teamfähig? Und wer macht nur Unsinn? Dunja Bullacher kennt die Übungen, die Mannschaften formen. Bei den Zweibrücker C- und D-Junioren gibt es durchaus Unterschiede.

„Das ist jetzt wie auf dem Handballspielfeld. Ihr werdet auf dem Weg zum Tor mit Hindernissen konfrontiert, die ihr überwinden müsst. Als Mannschaft“, verdeutlicht Dunja Bullacher den 18 Jungs im C-Jugend-Alter. Der SV 64 Zweibrücken hat zum Camp 64, dem Handball-Camp für Nachwuchsspieler, eingeladen. Für die Teilnehmer steht auch Teambuilding am ersten Tag auf dem Programm.

Die Aufgaben dazu stellt ihnen Dunja Bullacher, die beim SV als Trainerin im weiblichen Bereich tätig und ausgebildete Erlebnispädagogin ist. „Das gehört schon länger zum Camp-Angebot“, sagt sie. Jeweils am ersten Camp-Tag. Es geht darum zu verstehen, was es bedeutet, Teil einer Mannschaft zu sein, zu verstehen, dass man im Team mehr erreichen kann. Die Parallelen zu Handball-Situationen zieht Bullacher bei allen Übungen.

Größere Füße sind ein Problem

So schwierig wie der Weg zum gegnerischen Tor ist der Weg von der Bank (Festland) auf eine Matte (Insel). Da keiner wie Jesus über das Wasser gehen kann, gibt es als Hilfsmittel kleine viereckige Stoffstücke, die als mobiler Steg gelegt werden können. „Weil es eine Teamaufgabe ist, dürft ihr den Kontakt nie abreißen lassen“, sagt Bullacher.

Die 15 D-Junioren meistern diesen Teil. Der Teamgedanke ist spürbar. Bei der Gruppe im C-Junioren-Alter wird es schwieriger. Nicht nur weil die 18 Jungs deutlich größere Füße haben, was den Platz auf den Stoffstücken klein macht. Es wird eine Menge Quatsch gemacht. Wenn der letzte in der Menschenkette auf dem vorletzten Stoffstück steht, heißt es das letzte Stoffstück nach vorne reichen, damit die Brücke weitergebaut werden kann. Weil es lustiger ist, die Teile zu werfen, wird das wieder und wieder gemacht. Beim Versuch zu fangen, landet immer einer „im Wasser“. „Von vorne beginnen“, sagt Bullacher.

Nach dem zweiten Fehlversuch zieht es die ersten auf die Tribüne. „Keine Lust mehr.“

Cool ist es, aber auch erfolglos

Es zeigt sich schnell, wer Teamgeist und Durchhaltevermögen hat. „Komm her, du lässt die Mannschaft sonst im Stich“, werden die Tribünen-Gänger von Teamkollegen zurückgeholt. Nach dem vierten vergeblichen Versuch, die Insel zu erreichen, holt Bullacher die Gruppe zusammen. „Ihr seid jetzt zum vierten Mal an einer einfachen Aufgabe gescheitert. Nicht weil ihr es nicht könnt, sondern weil ihr nicht fokussiert bleibt“, sagt sie. Die Konzentration über 60 Minuten aufrecht zu erhalten, fällt vielen Spielern schwer.

Ein weiterer Grund für Misserfolge: „Es war so, als hättet ihr jetzt zum vierten Mal ins kurze Eck aufs Tor geworfen, einfach weil es cool ist. Wenn auch erfolglos“, spricht Bullacher das sinnlose Werfen der Stoffteile an. Noch einmal konzentriert sich die Gruppe jetzt, gibt die Stoffteile weiter, statt diese zu werfen. Die Insel wird erreicht. Ein Erfolgserlebnis.

Charaktereigenschaften offenbaren sich schnell

Zwei Jahre hat Bullachers Ausbildung zur Erlebnispädagogin gedauert. Im Idealfall „spielt sich alles draußen ab. Das reicht bis hin zu Hütten im Wald bauen, leben von dem, was man dort findet“, zeigt sie die Bandbreite auf. Mit Handballmannschaften im Aktivenbereich „habe ich schon mal Outdoor-Tage verbracht“, erzählt sie.

Auch an ihrer Schule, dem Gymnasium am Krebsberg im saarländischen Neunkirchen, gehören Erlebnistage regelmäßig zum Programm. „Man lernt die Schüler, die Gruppe schnell viel besser kennen“, sagt die 47-Jährige, die Sport und Mathematik unterrichtet. Persönlichkeiten erkennen, diese und die sozialen Kompetenzen stärken: All das sind Ansätze der Erlebnispädagogik. Charaktereigenschaften und die Gruppendynamik offenbaren sich bei den Übungen schnell. Wer sucht den leichtesten Weg, wer setzt Ellenbogen ein, wer ist teamorientiert, wer hat das Zeug zum Kapitän.

Selbstbewusstsein der Kinder stärken

Das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, ist Bullacher wichtig. Gerade wurde ihre Schule – auch sie persönlich bekam einen Preis – für den Einsatz einer E-Learning-App in Mathematik ausgezeichnet. Dass die Kinder durch den Einsatz dieser App lernen, sich selbst zu bewerten, schätzt sie am Einsatz dieser Unterrichtsapplikation.

Dass die Kinder Situationen bewerten, Lösungen finden, ist eine Herausforderung im Camp 64, das auch Bundesliga-Handballer Jerome Müller als Jugendlicher kennengelernt hat. Für den Spieler des TVB Stuttgart ist es keine Frage, dass er als Trainer beim Camp mitmacht. Lösungen finden ist im Handball eine Daueraufgabe, bestätigt er.

Riesenjubel am schwingenden Seil

Zwischen zwei Matten hängt ein Seil. „Überlegt euch, wie ihr rüberkommt“, fordert Bullacher die grauen Zellen der Jungs. Es wird beratschlagt. Die ersten Schuhe werden Richtung Seil geworfen, damit es zu schwingen beginnt. Jubel, als der erste in der Gruppe es zu fassen bekommt. Bei den D-Junioren schafft es ein Teamkamerad nicht, sich am Seil zu halten. „Gelöst ist die Aufgabe erst, wenn alle drüben sind“, sagt Bullacher. Die D-Junioren beraten. Lösung: Knoten ins Seil, daraufstellen. Gedacht, gemacht. Rauf aufs Seil, sicher gelandet. Riesenjubel, Mannschaftsgeist pur.

Bei den C-Junioren ist das Schwingen keine große sportliche Herausforderung. Weil Unsinn gemacht wird, muss die Übung trotzdem wiederholt werden. „Ihr habt gemerkt, was euer großes Problem ist?“, fragt Bullacher. Normalerweise würde jetzt die Abschlussbesprechung folgen. „Dafür fehlt leider die Zeit“, bedauert sie. Corona hat die Camp-Regeln verändert. Wer aufgepasst hat, hat dennoch viel gelernt. Über die Teamkollegen und sich selbst.

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