Saarbrücken
Slevogt erfindet seinen wilden Westen
Als Max Slevogt (1868-1932) klein war, war es unmöglich, nicht von Indianern begeistert zu sein, Indianer waren einfach in. Es gab Romane, Reiseberichte, Magazine, Indianerclubs, Völkerschauen, Wildwestshows und auch schon Filme. Natürlich war Slevogt nie in Amerika, aber das war Karl May auch nicht. Das Besondere bei Slevogt ist, dass er auch als Erwachsener noch den Wilden Westen so sehr liebte und malte. Er stand für Abenteuer, für eine andere Welt.
Die erste Indianerzeichnung im Museum stammt von 1893, da war Slevogt 25 Jahre alt: Im Vordergrund liegt ein Cowboy mit Hut hinter einem Felsen. Er versteckt sich vor zwei in der Bildmitte schwach angedeuteten Indianern ohne Kopfschmuck, aber mit dem Bogen in Hab-Acht-Stellung. Schon dieses frühere Blatt, das zu einer Serie mit 14 Radierungen gehört, zeigt, was Slevogt am Wilden Westen so gefiel: die Action. Seine Wildwestgrafiken sind allesamt dynamisch: Pferde rennen, Männer springen, halten Speer und Gewehr bereit, Indianer tanzen ums Feuer, Cowboys erstechen Indianer und werden ihrerseits von Indianern mit dem Lasso gefangen. Man sieht die Bewegung, man fühlt sich wie im Kino.
Immer wieder Lederstrumpf
Lederstrumpf hat es Slevogt besondern angetan, dazu gibt es gleich eine ganze Serie mit Indianerporträts, die eher untypisch sind, etwa einem pechschwarzen Chingachgook im Waldbrand unter einem Felsvorsprung, dem sich eine elegante weiße Frau im langen Kleid mit Hut nähert. Oder wie Kinder im Baum kauernde Indianer auf der Lauer nach dem Boot, das sie kapern wollen. Auf einem anderen Blatt schleichen sie sich dann auf das Boot. Immer wieder gibt es Lithografien der Lederstrumpf-Serie, die genauso in der Pfalz spielen könnten, etwa wenn Lederstrumpf in voller Montur mit Mantel, Gewehr und zwei davonpreschenden Hunden durch eine Landschaft mit Felsen und Bäumen wandert (1909).
Es fällt auf, dass die Cowboys eher klischeehaft mit Hut und zu Pferd auftauchen, die Indianer dagegen selten mit Federschmuck auf dem Kopf und prächtigen Gewändern. Im Berliner Naturkundemuseum und an anderen Orten informierte sich Slevogt eingehend, wie die Indianer aussahen und bemühte sich, sie naturalistisch darzustellen.
Der 60-jährige Indianerfan
Natürlich kann man an den Blättern auch die malerische Entwicklung Slevogts verfolgen. Das letzte Blatt entstand 1928, vier Jahre vor seinem Tod: Der 60-Jährige lässt in seiner Tuschezeichnung „Präriebrand“ zwei Indianer auf Pferden liegend unter einer dunklen Wolke davoneilen – in schnellen, dynamischen Federstrichen, ganz locker und doch unglaublich rasant.
Die meisten Blätter sind kleiner als A5, schwarz-weiße Radierungen, in denen man trotzdem viele Details studieren kann – wie die sorgsame Art der Hintergrundgestaltung und die Manipulation des Betrachters, wenn extrem dunkle verdichtete Partien automatisch die Blicke des Betrachters anziehen.
Eine große Sammlung
Wie immer in der Modernen Galerie kann man das Ausstellungsplakat in A3 kostenlos mitnehmen. Diesmal jedoch befinden sich auf der Rückseite Rätsel, Aufgaben und Fragen zu Slevogt für Kinder, an die sich diese gelungene Ausstellung in erster Linie richtet.
Mit 56 Gemälden und rund 2500 Arbeiten auf Papier verfügt das Saarlandmuseum über einen der bedeutendsten Bestände an Arbeiten von Slevogt – nur das Mainzer Landesmuseum hat mehr. Das ist kein Zufall. Die Arbeiten stammen aus der Sammlung des in Ludwigshafen geborenen Franz Josef Kohl-Weigand, der als Jugendlicher Max an der Druckerpresse assistierte und seine Sammlung dem Saarlandmuseum vermachte. Außerdem war Slevogt der Sohn des (bayerischen) Hauptmanns Friedrich von Slevogt und dessen Frau Caroline, geborene Lucas, die aus Saarbrücken stammte.
Info
„Slevogt und der Wilde Westen“, Grafiken, Saarbrücken, Moderne Galerie, Bismarckstraße 11-15, bis 1. Oktober, Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr. Katalog: 78 Seiten, zehn Euro.