Zweibrücken
Sieben Sirenen und kein Ton
Deutschlandweit sollten am 10. September 2020 die Meldeketten erprobt werden. Digital, über die Apps auf Mobilfunkgeräten und Funk, aber auch halb noch analog, über fest installierte Sirenen. Bund und Länder hatten sich nach Jahren zur Notfall-Übung entschlossen. An Zweibrücker Bürger ging, so sie die Programme auf ihren Smartphones installiert hatten, der Probealarm über Katwarn und Nina (verspätet) raus. Heulende Sirenen aber gab es nicht im Stadtgebiet. „Wir hatten uns beim Land im Vorfeld abgemeldet. Denn wir wussten, dass keine einzige unserer sieben Sirenen es noch tut“, erklärt Oberbürgermeister Marold Wosnitza.
Ein erschütternder Befund. Seit Ende der 90-Jahre der Bund sich aus der Finanzierung des zu Kalter-Krieg-Zeiten unverzichtbar gehaltenen Sirenennetzes zurückzog, es den Gemeinden überließ, sich um die Anlagen zu kümmern, begannen die Probleme. „Bis in die 2000er Jahre haben wir die Sirene auf dem Turm der neuen Hauptwache auch noch regelmäßig erprobt. Aber irgendwann dann nicht mehr“, sagt Stadtfeuerwehrinspektor Frank Theisinger. Man setzte auf Funk, Fernsehen, Internet und Smartphones, bundesweit. Fielen die Sirenen erstmal aus, wurden keine Ersatzteile mehr beschafft. Lieferanten für Ersatzteile gebe es zum Teil auch gar nicht mehr, sagt Theisinger, in seiner Funktion auch Leiter der im Dezernat des Oberbürgermeisters angesiedelten Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz der Stadt.
Schon vor dem Warntag machte sich die Stadtverwaltung aber daran, die Lücken in der Alarmkette zu schließen. „Wir hatten ein Programm aufgelegt, mit dem Ziel, die sieben vorhandenen Sirenen wieder funktionsfähig zu machen“, sagt der Oberbürgermeister. Die sieben – auf den Dorfgemeinschaftshäusern in Oberauerbach, Mörsbach, Rimschweiler, Wattweiler, Mittelbach, Hengstbach und auch der Feuerwehrhauptwache – sollten zeitgemäß werden, digital zu steuern.
Dann der Glücksfall: Ein Bundesprogramm wurde gestartet, das Bundesinnenministerium übernimmt den Großteil der Instandsetzungskosten – und ermöglicht Zweibrücken drei Sirenen mehr. Sie sollen Warnungen in Niederauerbach, Bubenhausen und Ernstweiler besser vernehmbar machen. Laut Wosnitza sollen die Anlagen auf den Gebäuden der Albert-Schweitzer-Schule in Ernstweiler, dem Standort der Herzog-Wolfgang-Realschule Plus in der Mozartstraße on Bubenhausen und der Grundschule Sechsmorgen in Niederauerbach platziert werden. Ein Schallgutachten hatte dieses Stellen im Stadtgebiet empfohlen. Anfang August werde das beauftragte Ingenieurbüro mit der Ausführungsplanung beginnen.
Weil bundesweit Kommunen ihr Sirenennetz nun nachrüsten, erst recht nach den jüngsten Erfahrungen der Hochwasser-Katastrophe an der Ahr, und damit Material und Fachkräfte knapp werden, rechnet Wosnitza nicht mit dem Lückenschluss noch in diesem Jahr. „Klar ist: Es soll so schnell wie möglich gehen“, betont er.
Unvorbereitet im Fall der Fälle soll aber kein Zweibrücker sein. „Wir würden auf Rundfunk-Meldungen und die Apps setzen und zudem Lautsprecherwagen einsetzen“, sagt Stadtfeuerwehrinspektor Frank Theisinger. Weil neben der Feuerwehr auch der ASB und das Rote Kreuz, das THW, die Vollzugspolizei und die Kräfte des städtischen Ordnungsamtes mit Lautsprecherwagen ausgestattet sind, könne man auch in kurzer Zeit große Teil des Stadtgebietes erreichen. Sollte freilich eine Flut wie an der Ahr über Zweibrücken hereinbrechen, kämen Lautsprecherdurchsagen wohl auch zu spät.




