Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Schweißgebadet im Krankenbett: Wenn’s heiß wird in der Klinik

Trinken hilft bei Hitze, doch es ist noch mehr Schutz nötig.
Trinken hilft bei Hitze, doch es ist noch mehr Schutz nötig.

Krankenhäuser sollen Patienten vor Hitze schützen, aber wenig Treibhausgas ausstoßen. Und moderne Klimaanlagen sind teuer. Wie sieht’s bei uns in den Kliniken aus?

Die Region ächzt diese Woche unter extrem hohen Temperaturen. Das belastet schon gesunde Menschen. Doch wie sieht’s im Krankenhaus aus, wie werden die Patienten dort vor der Hitze und ihren möglichen gesundheitlichen Auswirkungen geschützt? „So gut es geht“, sagt Pflegedirektor Thomas Frank vom Zweibrücker Nardini-Klinikum. Und räumt ein, dass eine umfassende Klimatisierung der Gebäude derzeit hier nicht möglich sei.

Im Bestandsgebäude wäre der Einbau einer Klimaanlage so teuer, dass ihn sich die Klinik nicht leisten könne, so Frank. Das habe unter anderem mit der Dämmung zu tun, die aus Zeiten stammt, in denen Hitzeschutz noch nicht so relevant war. „Was wir machen: Wir tauschen die alten Fenster aus gegen modernere, die auch gegen Hitze isolieren.“ Das, zusammen mit außenliegenden Jalousien, könne die Wärme schon etwas draußen halten. Auch im neuen Erweiterungsbau gebe es keine Klimaanlage, hier sei vor Kurzem die sogenannte Außenbeschattung fertig geworden.

Im Krankenhaus herrschten auch spezielle Bedingungen, was das Lüften angeht. „Morgens durchlüften, wenn es noch kühl ist, so wie man das zu Hause macht, geht nicht. Da müssten wir die Brandschutztüren offenhalten, was nicht erlaubt ist“, so der Pflegedirektor. Ventilatoren würden vereinzelt eingesetzt, aber nicht flächendeckend. Auf den Stationen entstünden dadurch Luftverwirbelungen inklusive Keimen, die dann weitergetragen würden. „Das geht nicht“, sagt Frank. Was gehe: das Personal sensibilisieren, dass es besonders gefährdete Patienten erkennt und darauf achtet, dass auch Patienten, die nicht von sich aus trinken, genug Flüssigkeit bekommen.

Kein Schuften in der Mittagshitze

Auch das Personal leide unter den hohen Temperaturen. Die Geschäftsführung reagiert darauf laut Frank mit flexibleren Pausenregelungen. Das heißt: arbeiten, wenn’s noch etwas kühler ist, Pause, wenn die Mittagssonne brennt. Natürlich alles im Rahmen des medizinisch-pflegerisch Vertretbaren, wie Frank versichert. Kostenloses Mineralwasser gibt’s auch für Ärzte, Schwestern, Pfleger und Co. An der Dienstkleidung lasse sich wenig ändern, so Frank. Die Oberteile hätten aber ohnehin kurze Ärmel, „und die Hosenbeine dürfen auch mal aufgerollt werden“.

Das Nardini-Klinikum orientiere sich am Muster-Hitzeschutzplan des Landes Rheinland-Pfalz und habe das interne Hitzeschutzmanagement auf Vordermann gebracht, so Frank. Hitze und ihre Auswirkungen seien nun Thema bei jeder Besprechung, würden immer mit berücksichtigt. Beim Meldesystem des Deutschen Wetterdienstes habe man sich registriert, um frühzeitig über Hitzewellen informiert zu werden.

Uniklinik Homburg fühlt sich gewappnet

Das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg sieht sich für Hitzewellen gewappnet, wie Pressesprecher Christian Schütz erklärt. In Bereichen, wo kritisch erkrankte Patienten liegen, werde auf ausreichende Belüftung geachtet. Alle Belüftungs-, Umluft- und Klimaanlagen würden regelmäßig überprüft, Störungen umgehend behoben. Intensivbereiche, Überwachungsstationen, Aufwachräume und Bereiche für Krebskranke und Immunsupprimierte – also Menschen, deren körpereigenes Abwehrsystem unterdrückt ist – haben laut Schütz Belüftungs- und Klimaanlagen.

Das UKS verfüge auch über Sonnenschutzsysteme, um Räume zu beschatten. Der Neubau für Innere Medizin habe eine automatische Verdunkelung. Herzpatienten rät die Uniklinik, sich täglich zu wiegen. Patienten mit Herzschwäche kämen bei zu viel Flüssigkeit schnell in die Hyperhydration, was dem kranken Herzen Probleme bereiten kann. Dass die Flüssigkeitszufuhr zu hoch war, erkenne man Wassereinlagerungen an den Knöcheln, vermehrter Luftnot oder eben einer Zunahme des Körpergewichts.

Was die Mitarbeitenden angeht, griffen im Wesentlichen die gleichen Maßnahmen wie für Patienten. Die Arbeitsbedingungen am UKS sind laut Schütz „so unterschiedlich wie die baulichen Voraussetzungen, die Vielfalt der Tätigkeiten und die Belastung durch die Hitzeeinwirkung“. Deshalb seien die jeweiligen Vorgesetzten verantwortlich dafür, dass zum Beispiel körperlich anstrengende Tätigkeiten in den Mittagsstunden vermieden werden.

Auf dem Homburger UKS-Campus mit über hundert Gebäuden gibt es auch viele Altbauten, „in denen sich Hitzeschutz nur eingeschränkt umsetzen lässt“, räumt Schütz ein. Bei Neubauten und Sanierungen sei der Hitzeschutz aber immer Teil der Planung.

Die Sonne brennt heiß überm Zweibrücker Nardini-Klinikum.
Die Sonne brennt heiß überm Zweibrücker Nardini-Klinikum.
Uniklinik Homburg: Der Neubau für Innere Medizin hat eine automatische Verdunklung, bei den Altbauten ist man noch nicht so weit
Uniklinik Homburg: Der Neubau für Innere Medizin hat eine automatische Verdunklung, bei den Altbauten ist man noch nicht so weit.
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