Homburg
Ein neues Klinikgebäude für Hunderte Millionen Euro
Wer am Mittwochabend ins Personalkasino auf den Campus der Homburger Uniklinik kam, in der Erwartung, einen üblichen Neujahrsempfang ohne besondere Vorkommnisse zu erleben, wurde prompt eines Besseren belehrt. Die Verantwortlichen nutzten den Abend, um große Pläne vorzustellen: Ein neues zentrales Klinikgebäude soll auf dem Campus gebaut werden.
Wenn man sich die Pläne anschaut, fühlt man sich ein bisschen an das neue Stadtquartier „Coeur“ erinnert: Nicht nur die neue Zentralklinik soll gebaut werden – auf den freiwerdenden Flächen und in den Gebäuden könnte ein neues Stadtviertel entstehen, auf dem man wohnen kann, und wo sich Geschäfte ansiedeln könnten. Erst müsse man sich aber mit der Stadt Homburg abstimmen, sagt David Lindemann, Chef der saarländischen Staatskanzlei und Aufsichtsratsvorsitzender der Uni.
Und was sagt diese zu den Plänen? Oberbürgermeister Michael Forster (CDU) sieht in der Umgestaltung der freiwerdenden Flächen und Gebäude „eine große Chance, um ein lebendiges Stadtviertel mit Wohnraum, Handel und Gewerbe zu schaffen“. Die Stadtverwaltung werde diesen Prozess „aktiv begleiten und unterstützen, um eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung zu gewährleisten, und auf die aktuellen Erfordernisse der Zeit zu reagieren“, sagt er in Bezug auf Wohnraum für Familien, Studenten und Fachkräfte. Die Zentralklinik bedeute auch eine „langfristige Perspektive für die Weiterentwicklung unserer Stadt“.
Uni-Zersplitterung wird aufgelöst
Was die neue Zentralklinik angeht, ist aber schon jetzt klar: Es wird groß. Auf dem 330.000 Quadratmeter großen Gelände des früheren Hubschrauberlandeplatzes und der ehemaligen Pneumologie (Lungenheilkunde) soll das Gebäude in drei Bauabschnitten entstehen. Darin sollen künftig die Chirurgie, Innere Medizin und die Neurochirurgie ihr Zuhause finden. Auch eine neue Notfallambulanz, die radiologische Diagnostik sowie die Krebsstation sollen ins neue Gebäude einziehen. Für die Forschung werde ebenfalls Platz sein.
Schaut man sich an, wie das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) aufgeteilt ist, macht ein zentrales Gebäude Sinn: In einem über 200 Hektar großen Waldgebiet liegen mehr als 100 Klinikgebäude verstreut. Diese „historisch bedingte Zersplitterung“ werde „langfristig aufgelöst zum Wohle der Beschäftigten und vor allem der Patientinnen und Patienten“, sagte Lindemann. Statt immer nur „an Stückwerk zu flicken“ habe man nun ein klares Ziel vor Augen, betonte er. Abgerissen werden soll keines der über den Campus verstreuten Gebäude – einige Bereiche sollen lediglich in der Zentralklinik vereint werden. „Erstmals gibt es eine ganzheitliche Zukunftsvision für das UKS – und die Bereitschaft aller Beteiligten, die großen Herausforderungen auf dem Weg gemeinsam anzugehen. Das Land übernimmt Verantwortung in nie gekannter Dimension.“
Kosten sprengen vielleicht sogar Milliardengrenze
Weil all diese Uni-Abteilungen künftig unter einem Dach vereint sind, hat das sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten Vorteile. Matthias Hannig, Dekan der medizinischen Fakultät, sagte in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang am Mittwochabend: „Eine gute Infrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für Spitzenforschung. Mit neuesten Technologien und in modernsten Klinik-, Labor- und Büroflächen wollen wir zukünftig unsere innovative Forschung noch stärker mit der medizinischen Versorgung verzahnen – unter einem gemeinsamen Dach.“ Die neue Klinik könnte ein „Meilenstein für die medizinische Translationsforschung am Standort Homburg“ bedeuten.
Die Kosten für das Bauprojekt sind enorm. Allein der erste Bauabschnitt soll mehrere Hundert Millionen Euro kosten und innerhalb von acht Jahren fertig sein. Einen genauen Zeitplan für die zwei folgenden Bauabschnitte gebe es noch nicht. Auch, wie viel die drei Bauabschnitte und damit das Gebäude insgesamt kosten sollen, lässt sich noch nicht genau beziffern. Denn der Bau sei ein „komplexes Verfahren“, das sich derzeit noch im Anfangsstadium befinde. Es könne immer wieder Anpassungen geben. Fest steht: Die neue Uniklinik soll mehrere Hundert Millionen Euro verschlingen – es könnte sogar sein, dass die Milliardengrenze überschritten wird. In Sachen Finanzierung möchten Uniklinik und Land erstmal eine Marktabfrage vorbereiten, um zu prüfen, ob eine Zusammenarbeit zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen und öffentlicher Hand möglich ist. Auch ein Großinvestor könnte einsteigen. Denn Bund und Land können wegen knapper Kassen die Kosten nicht ganz tragen.
Gesundheitsminister: „Schaffen Zukunft der klinischen Versorgung“
Durch den Neubau der Uniklinik wird nun allerdings das Neurozentrum, das an der früheren Lungenheilkunde geplant war, nicht mehr neu errichtet. Auch der dritte Bauabschnitt der Chirurgie wird nicht mehr realisiert.
Gesundheitsminister Magnus Jung sagte, es mache keinen Sinn, „erneut ein Krankenhaus der 1960er-Jahre zu bauen“. Stattdessen wolle man „zukunftsfähige Strukturen schaffen, die es in den nächsten Jahrzehnten ermöglichen, auf medizinische und ökonomische Entwicklungen zu reagieren. Dafür ist jetzt ein klarer Weg entschieden. Gemeinsam mit dem UKS schaffen wir die Zukunft der klinischen Versorgung, auch wenn es ein herausfordernder Weg wird.“ Mit dem Neubau könnte ein „optimales Klinikum“ entstehen.