Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Schulkleidung: Die Leggings-Frage oder wem ist hier was zu eng?

Im Sportunterricht sind Leggings in Ordnung, aber auch nur dort, sagt Schulleiter Markus Meier.
Im Sportunterricht sind Leggings in Ordnung, aber auch nur dort, sagt Schulleiter Markus Meier.

Sind Leggings ein angemessenes Kleidungsstück für die Schule? Markus Meier, Leiter der Mannlich-Realschule plus, sagt dazu ganz deutlich: Nein, sind sie nicht. Beatrice Whitely aus Contwig hält das Verbot der enganliegenden Beinkleider indes für überzogen.

Whitely ist Mutter einer Fünftklässlerin der Mannlich-Realschule plus. Ihre Tochter habe kürzlich in der Schule Leggings getragen und sei vom Schulleiter angesprochen worden, dass sie das in Zukunft zu unterlassen habe. Das habe sie geärgert, sagt die Mutter, und dass Leggings doch ein ganz normales Kleidungsstück für Mädchen seien. Darauf angesprochen, habe der Schulleiter bekräftigt, dass Leggings an seiner Schule verboten seien und das unter anderem damit begründet, dass sie Spott von Mitschülern provozieren könnten.

Ein falscher Ansatz, findet Beatrice Whitley. Ihrer Meinung nach sollte es Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule sein, solche Hänseleien zu unterbinden „statt Opfer zu Tätern zu machen und sie mit Verboten zu belegen“. Weil einige sich lustig machten, sei ein harmloses Kleidungsstück nun für alle verboten. Überdies seien Leggings im Sportunterricht erlaubt. „Hier scheinen sie dann wieder nicht zu körperbetont zu sein“, so Whitely, und: „Entweder man verbietet sie ganz oder am besten gar nicht.“

Markus Meier stand auch auf RHEINPFALZ-Anfrage zu der Keine-Leggings-Regelung an seiner Schule. „In unserer Hausordnung ist festgelegt, dass Schüler und Lehrer angemessene Kleidung zu tragen haben.“ Leggings zum Sport seien in Ordnung, das sei ja unter anderem ihr Zweck, aber im Unterricht und auf dem Schulhof eben nicht. Das sei auch in der Gesamtkonferenz so beschlossen worden. Wer gar nicht auf die Leggings verzichten wolle, könne einen Rock oder eine Shorts drüberziehen, dagegen sei nichts zu sagen, so Meier.

Meier: „Das gehört sich einfach nicht“

Der Schulleiter legt Wert auf die Kleiderordnung, wie er selbst sagt, denn in der Kleidung drücke sich Respekt und Wertschätzung anderen gegenüber aus. „Ich komme ja auch nicht in Jogginghose zur Arbeit“, verdeutlicht er. Gegen bequeme Kleidung habe er nichts, gegen Leggings, Sporthosen, Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe – die Marke Engelbert Strauß etwa sei bei Jugendlichen derzeit beliebt – aber schon. „Das alles gehört hier nicht her, es ist einfach unpassend. Es kommt ja auch keiner im Sommer in Bikini oder Badehose.“

Bauchfreie Oberteile, tiefe Ausschnitte, Basecaps – auch so was habe an seiner Schule nichts verloren, so Meier, der auch keine Shirts mit Aufdrucken wie „Fuck off!“, Stinkefingern oder Cannabisblättern duldet. Springerstiefel mit weißen Schnürstiefeln oder andere rechts- oder sonstwie radikale Symbole – keine Chance. „Das gehört sich ganz einfach nicht, solche Sachen sollen die Schüler in ihrer Freizeit tragen, wenn sie das unbedingt wollen“, ist Meiers Standpunkt. Dass man in die Schule ordentlich gekleidet komme, mit angemessener, sauberer Kleidung, sei eigentlich eine Selbstverständlichkeit, und die meisten Eltern sähen das auch so.

Whitely: „Wo ist der Unterschied zu Jeans?“

Beatrice Whitely hat auch nichts gegen das Verbot von beleidigenden, gewalt- oder drogenverherrlichenden Aufdrucken, auch nichts gegen das Verbot von allzu sexualisierter Kleidung oder zu viel Haut oder allem anderen, das die schulische Ordnung stört. Leggings fielen aber nicht unter diese Kategorie, findet sie. „Wo ist denn da zum Beispiel der Unterschied zu engen Jeans?“

Das Einführen von Schuluniformen, um solchen Kleiderordnungen aus dem Weg zu gehen, lehnen sowohl Whitely als auch Meier ab. Ein solcher Schritt ginge beiden zu weit. Zum Thema Leggings bleiben ihre Meinungen kontrovers.

Was sagen Sie?

Sind Leggings in der Schule angemessen oder nicht? Wie ist die Sache an anderen weiterführenden Schulen geregelt? Was ist noch zumutbar, wo sind die Grenzen? Wären Schuluniformen eine Lösung? Was sagen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Über Zuschriften unter E-Mail redzwe@rheinpfalz.de würden wir uns sehr freuen.

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