Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Schnääges und Dominosteen: Oma Friedas Weihnachtskabarett

Wie man Weihnachten feiert, erklärte in der Festhalle Jutta Lindner in ihrer Rolle der Oma Frieda.
Wie man Weihnachten feiert, erklärte in der Festhalle Jutta Lindner in ihrer Rolle der Oma Frieda.

Oma Frieda begrüßt etliche, die sich in den ersten Reihen des Wintergartens der Zweibrücker Festhalle niedergelassen haben, mit Namen. Die echten Fans lauschen am Freitagabend Frieda alias Jutta Lindner und ihrem Weihnachts-Special .

Einige Reihen im Saal der Zweibrücker Festhalle bleiben am Freitagabend leer. „Wir wären ja gern hineingegangen, aber es besteht keine Maskenpflicht“, erklärt eine Frau vor der Festhalle. „Da trauen wir uns nicht.“ Sie und ihr Mann versuchen ihre Karten für „Ihr Sünderlein kommet … Oma Frieda feiert Weihnachten“ loszuwerden. Das Paar hätte das Wagnis ruhig eingehen können: Die meisten Besucher tragen freiwillig ihren Mund-Nasen-Schutz. Abstand halten ist auch kein Problem in Anbetracht der gut 60 besetzten Stühle.

Oma Frieda betritt fröhlich die Bühne. Sie reiht sich ein neben die prächtig geschmückten Weihnachtsbäume und legt los: „S’ Gisela is do, jo s’ Gerlinde un s’ Jingscht vun de Paula.“ In einem rasanten Tempo stellt Oma Frieda die unzähligen verwandtschaftlichen Querverbindungen her, die, so scheint’s das ganze Saarland umfassen. Denn daher, aus Saarbrücken, kommt die Kabarettistin.

Niveau ist keine Handcreme

Sie präsentiert sich als das „Original mit Anspruch“. Darauf hätten die Zuschauer ein Anrecht, denn „Niveau ist keine Handcreme“. Ob mit oder ohne Niveau, Frieda sorgt vor allem in Altenheimen für Stimmung. Sie legt dort Platten auf, die besten Hits der Dreißiger. Auch als Moderatorin von „Rock am Stock“ sei sie bekannt, aber erst seit neun Jahren. Da starb ihr Ehemann. „Vorher hett ich keen Zeit g’hatt.“ Das Leben einer Frau fange erst an, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Gatte auf dem Friedhof liegt, plaudert Frieda.

Die Oma in gesprenkeltem Kleid und Strickjacke hält inne. „Endlich kenne ma widda Weihnachte feiere.“ Aber es sei nicht mehr ganz so wie früher. Denn Lore „is von uns gang“. Die schaue jetzt in die Sterne und auf den blauen Himmel. „Nää, net was ihr männe. Die wohnt jetzt uff Malle.“ Sie habe vor, die Freundin zu besuchen: „Hoffentlich gebt’s dort e Gliehwein.“

Lauern auf den Osterlausi

Die Zuschauer sollen bewerten, wie groß ihre Lust auf Weihnachten ist. Otto sagt die Zahl 8,5, seine Frau sieben. Zwei und sogar null erschallen aus dem Publikum. Oma gedenkt der guten alten Zeit: „Weihnachtsschnääges hat’s erschd ab em erschde Advent gebb.“ Heute dagegen „esse die Nochberskinner Dominosteen schun no de Summerferie“. Dass die aber nicht für den Konsum bei „30 Grad im Schadde“ geeignet sind, zeigten die braun-schwarzen Spuren auf dem weißen Badeanzug. Heftig kritisiert Oma Frieda, dass schon kurz nach Weihnachten die Osterhasen in den Geschäften stehen. Die sollten, findet sie, doch einfach die beiden Feste zusammenlegen, da käme dann der „Osterlausi mit Eier im Sack“.

Ein Rätsel stellt für Frieda die „unbefleckte Empfängnis“ von Maria dar. Damit solle wohl die Ungereimtheit kaschiert werden, dass ein 14-jähriges Mädchen von einem 70-jährigen Mann schwanger wird, vermutet sie. Wie die Weihnachtsgeschichte heute kolportiert würde, davon berichtet sie als Nachrichtensprecherin.

Protest gegen die Fidelen Rosinen

Schwer bedauert die Saarbrückerin, dass der Nikolaus für Santa Claus den Platz räumen musste. Gedanken macht ihr, wie es der uralte Knabe schafft, „in eener Nacht in de ganz Welt unnerwegs zu sin und durch de Kamin ze springe bei demm Bauchumfang“.

Musik und Anekdoten führen zum Auftritt der Fidelen Rosinen im Altenheim. Dort haben die Bewohner die Schnauze voll vom täglichen Programm mit Gesang, Musik und Gehopse im Advent. Da Protest, Stacheldrahtzaun und Schutzwall nicht helfen, wirft der ehemalige NVA-Polizist eine Handgranate. Ein kleines Inferno und Tohuwabohu sind die Folgen. Heute sitze der Verursacher in der Psychiatrie, berichtet Frieda pikiert.

Geschenke für die, die man nicht leiden kann

Schließlich erklärt Oma Frieda, dass sie gern Mitmenschen etwas schenkt, die sie nicht leiden kann. Und so strickt sie ein wärmendes Deckchen für das Navi Jeannette ihres Nachbarn Toussaint. Mit Jingle Bells, das ihr Weihnachtsmännchen krächzt, verabschiedet sich Jutta Lindner vom Zweibrücker Publikum, das ihr kräftig applaudiert.

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