Zweibrücken
Schmuckloser Alexanderplatz: Oft liegt’s an den Hausbesitzern
An Ideen, wie der Alexanderplatz belebter und beliebter werden könnte, hat es in der Vergangenheit nicht gemangelt. Einiges wurde auch erreicht. So erhielt der Platz im Zuge der Sanierung der Fußgängerzone 2013/2014 einen neuen Belag und ein Wasserspiel, der alte Pavillon kam weg. Aus anderen Ansätzen wurde nichts, was viel mit den Eigentümern der Gebäude rund um den Platz zu tun hat. „Wenn die nicht mitziehen, funktioniert’s nicht“, mussten Bauamtsleiter Christian Michels und seine Mitarbeiterin Barbara Kirsch-Hanisch schon öfter feststellen.
25 Jahre ist es her, dass das von der Stadt beauftragte Stadtplanungsbüro Bachtler, Böhme und Partner aus Kaiserslautern einen „Handlungsbedarf (...) bei der Gestaltung des Alexanderplatzes“ erkannte, wie die RHEINPFALZ damals berichtete. Außer beim Wochenmarkt und bei Festen werde der Platz kaum genutzt, hatte das Büro festgestellt. Als Ziel gab es aus, „den Alexanderplatz als Kontrapunkt zum historischen Schlossplatz zu einem belebten städtischen Treffpunkt machen“. Wie? „Ganz einfach: durch die Ansiedlung von Cafés, Kneipen und Restaurants.“
Wie in Venedig sollte man sich auf dem Alexanderplatz fühlen, oder zumindest wie auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken, so die ehrgeizige Vision. „Gastronomie lädt zum Verweilen ein, in der Mitte des Platzes tollen Kinder wild um einen Brunnen herum“, blickten die Planer in die Zukunft. Immerhin: Im Wasserspiel tollen heute tatsächlich Kinder herum, wenn es heiß ist. Als gar nicht einfach erwies sich allerdings die Ansiedlung der Cafés, Kneipen und Restaurants, so Michels und Kirsch-Hanisch im Rückblick. Denn die Stadt hatte weder damals noch heute Zugriff auf die Gebäude, in denen sich Gastronomie hätte ansiedeln sollen.
Ideen kamen, Ideen gingen
Wenn die Eigentümer der Immobilien lieber an eine Bank vermieten als an einen Gastwirt, „dann können wir da nicht eingreifen“, verdeutlicht Michels die Situation am Beispiel des früheren Goebes-Gebäudes. Dort hätte ein Brauhaus einziehen sollen, es gab bereits Pläne. Doch letztlich hatte der Vermieter das Sagen, und er entschied sich für die Sparda-Bank. Aus Sicht der – meist schon etwas älteren – Hausbesitzer sei das auch nachvollziehbar, so Michels. Dass ihnen ein sicherer Zehn-Jahres-Vertrag lieber ist als ein Partner aus einer Branche, die sehr zu kämpfen hat, könne er nachvollziehen. Für die Stadtplaner bedeute das aber, dass sie ihre Ansätze oft nicht weiterverfolgen können. So sei das auch 2000 mit dem Klein-Venedig gewesen.
2004 preschte das Stadtmarketing mit der nächsten Idee vor. Es arbeitete an einem Konzept für einen mediterranen Markt auf dem Alexanderplatz. Das Szenario sah vor, aus der vom Busbahnhof aus gesehen links liegenden Geschäftszeile des Platzes eine fest installierte Marktzeile zu machen, die an bestimmten Wochentagen durch Marktbeschicker auf dem restlichen Platz ergänzt werden sollte. In der Markthalle sollte eine südländische Atmosphäre herrschen, „(...) die Dekoration und die Präsentation der Waren soll an einen Markt am Mittelmeer erinnern“, gab die RHEINPFALZ die Vorstellungen des Stadtmarketings wieder.
Einheitliche Markisen? Auch die kamen nie
Ein Jahr später folgte auch hier die Ernüchterung: Die Häuserfront konnte nicht im mediterranen Stil erneuert werden. Die Hausbesitzer hatten das nicht gewollt, so Michels. Statt der umfassenden Umgestaltung waren nun nur noch einheitliche Markisen im Gespräch – doch auch die kamen nie. Die Markthalle auf dem Alexanderplatz war gestorben.
Das alles war vor der Fußgängerzonen-Sanierung 2013/2014, „und seitdem sind wir ständig um die Belebung des Alexanderplatzes bemüht“, versichern Michels und Kirsch-Hanisch. Hartnäckig gehe man immer wieder ins Gespräch mit den Hauseigentümern, schaffe Anreize. Die Vision vom westpfälzischen Venedig stehe immer noch, und mit dem Wasserspiel sei ja auch schon ein bisschen was davon umgesetzt. „Manche Visionen brauchen halt sehr lange“, meinte Kirsch-Hanisch. Und sie veränderten sich auch, ergänzt Michels. So sei etwa inzwischen der Klimaschutz ein Kernthema. 2013 sei das noch nicht so gewesen.
Stadtplanerin: „Müssen dicke Bretter bohren“
„Wir arbeiten im Hintergrund intensiv, müssen aber dicke Bretter bohren“, so Kirsch-Hanisch. Dass der Alexanderplatz keineswegs vergessen ist, zeige das gerade beschlossene Maßnahmenpaket, das unter anderem das Pflanzen von Bäumen, neue Sitzgelegenheiten und einen Trinkbrunnen vorsieht. Dass ein Schattenspender fürs Wasserspiel abgelehnt wurde, bedauern die beiden. „Der wäre innerhalb einer Stunde abgebaut gewesen“, sagt Kirsch-Hanisch zu den Bedenken von Bauausschuss-Mitgliedern, dass ein Sonnensegel bei Veranstaltungen im Weg stehen könnte.