Zweibrücken Saft und Schnaps von der eigenen Wiese

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Streuobst kann man vielfältig verwerten. Es lässt sich essen, musen, kochen, backen oder dörren. Auch versaften ist möglich. „Die beste Form der Haltbarmachung ist die Veredelung“, sagt der Brenner Bruno Käfer. Die RHEINPFALZ hat nachgefragt, wo das Obst aus der Region zu Alkohol gebrannt oder zu Saft verarbeitet werden kann.

Zweibrücken hat einen Stadtbrenner, nämlich Bruno Käfer. Nachdem der ehemalige Berufssoldat 2005 seinen Vertrag erfüllt hatte, übernahm er von der Brennerei Bernards in Reifenberg das Brennrecht. In einem Gartenhäuschen in der Christian-Ott-Straße richtete er sich seine Destille ein. „Ich hatte den Vorteil, dass es in Zweibrücken keine Obstannahme mehr gab“, erzählt er. Als Bub habe er mit seinem Opa noch das Obst vom Galgenberg bei der zentralen Obstverwertung in der Oselbachstraße abgegeben. „Und die Brennerei auf dem Truppacherhof existiert nicht mehr.“ Der 62-Jährige greift für seine Schnäpse auf rund 150 eigene Obstbäume zurück. Sie stehen auf Streuobstwiesen von Hengstbach über Contwig bis Battweiler. „Das Brennen beginnt mit dem Einmaischen“, erklärt Käfer. „Ich mache alles selber, dann weiß ich, was ich habe.“ So schneide er faule Teile großzügig aus dem gewaschenen Obst heraus, achte beim Musen darauf, dass keine Kerne beschädigt werden, und benutze nur hygienisch einwandfreie Bottiche. Nicht ohne Grund wird er bei den Prämierungen der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz oft mit Preismünzen belohnt. Er nehme für sein Hochprozentiges kein fremdes Obst an. „Die Leute müssen selber maischen. Dann brenne ich für sie“, stellt er klar. 50 Liter reinen Alkohol pro Jahr darf laut Gesetzgeber jeder für sich brennen lassen. Bei Manfred Hartenstein in Schmitshausen werden heute nicht mehr jeden Freitag 150 Flaschen Cognac von der Militärregierung Zweibrücken abgeholt. Zu dessen Herstellung war Karl Hartenstein im Juni 1945 von Landrat Fuhrmann und Captain Montagne verpflichtet worden. Hartenstein ist inzwischen eine überregional bekannte Edelbranntweinbrennerei. Manfred Hartenstein ist von Beruf Brenner und ergänzt sein eigenes Obst durch gezielten Zukauf. Williams-Christ-Birnen kaufe er in der Vorderpfalz ein oder in Südtirol. Schlehen lasse er auch aus Rumänien oder Bulgarien kommen, berichtet er. Hartenstein, der schon über 40 Jahre brennt, ist der Meinung, dass Obstbäume gepflegt werden und die Früchte gesund sein müssen. Nur das allerbeste vollreife Obst mit ausgeprägtem Aroma eigne sich für hochwertige Spirituosen. „Denn nur Zucker gibt Alkohol“, begründet der vielfach prämierte Brenner die Bedeutung zuckerhaltiger Rohstoffe. In der Regel brenne er keine fremden Früchte von Obstwiesen. Die Obstbrennerei von Siegfried Maske in Rosenkopf, einst auch Landwirtschaftsbetrieb, hat nach einer Unterbrechung wieder mit dem Destillieren begonnen. „Wir brennen nicht mehr viel. Nur noch unser eigenes Obst. Das sind Äpfel, Birnen, Mirabellen, Kirschen, Zwetschgen und Quitten“, erzählt der Rentner. Seit 1912 habe der Hof in Rosenkopf das Brennrecht. 1959 sei es von Otto Agne übernommen worden. Fremdobst werde nicht zugekauft. „Wer möchte, kann uns nach Absprache seine Ernte ins Roseneck bringen“, bietet er an. „Meine Frau brennt dann das Obst.“ Der ehemalige Landwirtschaftsbetrieb der Familie Weber in Bottenbach besitzt seit den 80er Jahren Brennrecht. In zwei Brennereien wird Alkohol zum Verkauf erzeugt. Das Ausgangsmaterial stammt ausschließlich von eigenen Bäumen. In der Gaststätte „Zum Schnapskeller“ können die Obstbrände und Liköre verkostet werden. „Wir brennen auch im Lohn“, sagt Gerhard Weber. „Der so genannte Stoffbesitzer muss aber seinen Alkohol mitnehmen.“ Angenommen würden nur ausgegorene Maischen. Bei Weber kann man auch Obst abgeben. Die Lauterecker Fruchtsaft GmbH hat im Fliegenbuscher Weg eine Sammelstelle eingerichtet. Dort können die Obstpflücker zu bestimmten Zeiten Äpfel abgeben. Weitere Sammelstellen für Äpfel befinden sich im Kiebitzmarkt in Niederauerbach und auf dem Bauernmarktgelände in Webenheim. Die Früchte werden mit Merziger-Saft, -Viez oder -Schorle vergütet. Für 100 Kilo Ware gibt es bei Zuzahlung der Mostgebühr 60 Liter Saft. Birnen nimmt das Unternehmen nur in Merzig entgegen. Auch einige Obst- und Gartenbauvereine verwerten die Früchte, zum Beispiel der Obstbauverein Wattweiler. „Bei uns können die Mitglieder Äpfel, Birnen und Quitten versaften. Es muss aber unbedingt ein Termin ausgemacht werden, da wir bereits bis 21. Oktober ausgebucht sind“, erklärt der Vereinsvorsitzende Hans Conrad. Die schnelle Kelteranlage im alten Milchhäuschen in der Bliestalstraße könne pro Stunde knapp 400 Liter Saft herstellen. Das entspreche einer Kapazität von etwa 450 bis 500 Kilo pro Stunde. Je nach Apfelsorte ließen sich aus 100 Kilo zerkleinerten Äpfeln 60 bis 70 Liter Saft auspressen. „Auch wer sein Obst nicht selbst verwertet, sollte liefern“, ermuntert Conrad. Nachschub werde immer gebraucht. In Großbundenbach betreibt der Ortsverschönerungsverein seit 2011 ein Kelterhaus. Dieses befindet sich in der ehemaligen Telefonvermittlungsstelle in der Hauptstraße, am Ortsausgang Richtung Oberauerbach. Der Verein nimmt Obst jeder Art an, auch Trauben. Nichtmitglieder sind willkommen. Birgit Schwarz weist darauf hin, dass die Früchte gewaschen sein müssen. „Der Saft ist in den Boxen etwa zwei Jahre haltbar.“ Der Obst- und Gartenbauverein Kirrberg presst keinen Saft, aber er brennt Schnaps. Genau 60 Jahre nennt er eine Brennanlage sein Eigen, in der Edelbrände, Liköre und diverse Spezialitäten aus Obst und Wildfrüchten erzeugt werden. Der Obst- und Gartenbauverein ist Dienstleister sowohl für die Vereinsmitglieder als auch für Nichtmitglieder. „Maischen muss der Kunde selbst“, berichtet Herbert Schwarz, der neue Vorsitzende. Erfahrene Mitglieder stellten dann mit der modernen Gegenstrom-Destillationskolonne den Feinbrand her.

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