Handball
Saarlouis mächtig auf dem Gaspedal beim 30:19-Sieg in Zweibrücken
Dass es wirklich ein Spitzenspiel war, ließ sich allein schon am Interesse der Zuschauer für die Begegnung der RPS-Oberliga in der Ignaz-Roth-Halle ablesen. Rund 80 Zuschauer kamen am Samstag, darunter etwa 40 Saarlouiser Fans, und auch der Auswahltrainer und Jugendkoordinator des Handball-Verbandes Saar, Christian „Blacky“ Schwarzer.
SG-Team personell gebeutelt
Die Voraussetzungen für ein Spiel beider Seiten auf Top-Niveau waren auf Zweibrücker Seite allerdings nicht gut. „Von meinen elf Spielern, die mir zur Verfügung standen, waren fünf unter der Woche krank. Personell ist die Mannschaft generell ziemlich gebeutelt“, erläuterte SG-Trainer Joshua Eberhard. Mehrere B-Jugend-Spieler mussten aushelfen. Dazu fehlten mit Max Kroner und Silas Möhlecke auch noch zwei ganz entscheidende Stützen im Rückraum. Kroner erlitt in der Woche zuvor im Oberliga-Spiel der Herren an der Wurfhand ein Blessur an der Wurfhand, Möhlecke ist am Knie verletzt. „Ich hab’ es am Freitagabend im Training versucht“, sagte Kroner mit Blick auf seinen getapten Daumen. Eine Prellung und eine lädierte Kapsel verhinderten aber einen Einsatz am Samstag. „Ich konnte den Ball gar nicht richtig greifen“, berichtete Kroner, der somit nur auf der Bank Platz nehmen und seinen Mitspielern Tipps geben konnte, welche Konzeptionen sie im Angriff spielen sollten.
Und da taten sich die Gastgeber vom Anpfiff weg enorm schwer mit der offensiven Deckung der Gäste aus Saarlouis: Silas Geis deckte in der Mitte weit vorne bei ungefähr 15 Metern. „Diese offensive 3:2:1-Abwehr ist unser Ding, daran haben wir im Sommer in der Vorbereitung sehr intensiv gearbeitet“, sagte dazu HGS-Trainer Tom Paetow, früherer Spieler der VTZ Saarpfalz und heutiger Drittliga-Spieler in Saarlouis. „Wir hatten mit einer 6:0-Deckung gerechnet, die sie in der vergangenen Saison noch gespielt haben“, gab SG-Coach Eberhard hinterher zu. Die Zweibrücker gerieten so schon beim ersten Angriff in Zeitnot. Eberhards Truppe brauchte lange, um sich darauf einzustellen. Etwa elf Minuten blieb die Begegnung ausgeglichen, bis zum 3:5 aus Zweibrücker Sicht. Auch weil SG-Torwart Luca Wahl einige HGS-Würfe entschärfen konnte. Die Gastgeber gerieten danach aber immer mehr ins Hintertreffen, weil auch Gästetorwart Fabian Schommer einen guten Tag erwischt hatte – und weil sich die Fehlerzahl im Zweibrücker Angriff zu sehr häufte. Mehrmals spielten die SG-Spieler in Bedrängnis einem Saarlouiser Spieler den Ball in die Hände, etliche Gegenstoßtore waren die Folge.
Offensive Deckung verunsichert die Zweibrücker
In der 14. Minute nahm Joshua Eberhard, in Zweibrücken auch Spieler der Oberliga-Herrenmannschaft, eine Auszeit, um korrigierend einzuwirken. „Ihr dürft von den Halbpositionen im Rückraum nicht prellend zur Mitte gehen“, sagte er. Und in der Abwehr sollte seine Truppe gegen die Halbschützen der Gäste die Lücken mehr zuschieben, „lasst doch eher die Außen werfen“. Es nützte nur bedingt was, die Gäste marschierten auf und davon. Zur Pause stand es schon 14:9, nach der Pause führte die HGS sogar mal mit 13 Toren (15:28, 56. Minute).
Die Saarlouiser drückten aber auch nach jedem Torerfolg der Zweibrücker mächtig aufs Gaspedal. Immer mit schneller Mitte, immer mit dynamischem Stoßen und Weiterspielen in Richtung Abwehr. „Tempo, Tempo, Tempo!“, forderte HGS-Trainer Paetow sogar noch in der 51. Minute. Und da stand es schon 25:14 für sein Team. Die Zweibrücker versuchten es dagegen zu selten mit Schnellangriffen oder brachen sie früh ab.
Puste geht gegen Ende aus
Das lag möglicherweise auch daran, dass der Truppe gegen Ende einfach die Puste ausging. Wie bei Spielmacher Tim Eisel, dem jüngeren Bruder von Marc-Robin Eisel von Zweitligist Eulen Ludwigshafen. „Ich war seit Mittwoch zu Hause“, berichtete nach Spielende hustend der 17-Jährige, der die zwölfte Klasse des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums (Leistungskurse Deutsche und Sport) besucht. „Ich konnte eigentlich schon nach zehn Minuten nicht mehr“, gestand er und musste gegen Ende sogar kurz vom Feld, weil ihm vor Anstrengung regelrecht schlecht war.
„Ich bin nicht unzufrieden, die Jungs haben 45 Minuten lang gut gekämpft. Wir haben in der Besetzung so auch noch nie zusammengespielt“, sagte Joshua Eberhard hinterher in seiner Analyse, während das Gästeteam sich nach dem 30:19-Erfolg lautstark als „Derbysieger, Derbysieger, hey“ feierte. „Meine Jungs haben heute eine sehr sehr gute Abwehrarbeit geliefert. Vorne hätten wir vielleicht noch ein bisschen besser abschließen können“, fand Gästecoach Tom Paetow.
So spielten sie
SG SV 64/VT Zweibrücken: Wahl, Backes (ab 35.) - Kondziela (4), Eisel (3/1), Becker (2) - Bingert (1), Gordon (2) - Reitz – Roller (4), Knoll (3), Ringle.