Homburg
Ro Gebhardt beim Musiksommer: Klänge wie aus einem Traum
Das zweite Konzert des Jazzfrühschoppens beim Homburger Musiksommer bietet ein Wetteifern zwischen Vater und Sohn, eine tolle Sängerin – und perfekte drei Stunden mit ihrer Band International.
Immer wenn man denkt, Ro und Alec Gebhardt, das Vater-Sohn-Gespann aus dem Saarland, können sich nicht übertreffen, tun sie es doch. Egal, wie viele Konzerte man schon von ihnen gehört hat – auch dieses fesselt die Besucher auf dem Homburger Historischen Marktplatz. Wenn Elora Antolins Stimme verstummt und Alecs Bass und Ros Gitarre in einer innigen Improvisation versinken, haben sie sich längst in einen Rausch gespielt – und die Besucher inklusive.
Viele selbst geschriebene Songs
Von denen sind nicht so viele da wie sonst. Denn in Homburg wird an diesem Samstag noch vieles andere geboten – es ist Fackellauf anlässlich der Special Olympics, daran angelehnt ist das Inklusionsfest, das nur ein paar Straßen weiter unten für vergnügtes Kinderlachen sorgt. Aber die, die gekommen sind, sind ganz verzückt. Die die nicht da sind, die haben halt einfach was verpasst. Was es nicht so oft gibt in der Region: Ro Gebhardt spielt viele seiner selbst geschriebenen Songs. Zu denen haben ihn Urlaube, die Schönheiten der Welt, Abenteuer und schöne Frauen inspiriert.
Man muss es nicht genau definieren können, was die Musiker da auf der Bühne gerade machen. Eigentlich ist es einem auch völlig egal. Weil man nur da sitzt – oder da liegt, wie eine Frau auf dem Rand des Brunnens inmitten des Platzes –, die Sonne genießt und die Musik auf sich wirken lässt. Antolin webt mit ihrer Stimme Klänge wie aus einem Traum – betörend, säuselnd, süß wie Honig umzieht sie den Marktplatz wie einen Kokon. Sie kann aber auch anders, nämlich, wenn ihre Stimme eine Oktave höher flirrt und sie die Töne rausschmettert, nachdrücklich, aber immer noch mit einer Sanftheit, die perfekt zu den französischen Chansons passt.
Vielseitiges Repertoire
Das Repertoire der Band ist vielseitig – es reicht von Chansons über den klassischen Jazz, Funk und Latin bis hin zu Jazz-Rock. Sie vermischen nicht nur Genres, sondern sprengen manchmal die Lieder in sogenannter Mash-up-Manier auf und lassen zwei Songs miteinander verschmelzen. So wird ein französischer Chanson mal eben von dem funkig-souligeren „Get up“ unterbrochen. Wenn Antolin singt, nimmt sie den Platz ein. Wenn sie verstummt, ist da noch genug Raum für die Instrumentalisten.
Es ist eine perfekte Balance zwischen stimmlicher Eleganz, rauen Gitarren- und Bass-Soli und dieser losgelösten Atmosphäre. Das Konzert spannt immer diesen Bogen zwischen entspannt und wild, losgelöst und fesselnd, technisch brillant und improvisiert. Manchmal sehen sich Vater Ro und Sohn Alec in die Augen und verfallen in ein intimes Spiel, scheinen sich immer weiter anzustacheln. Ihre Instrumente scheinen zu entflammen. Wenn sie erstmal angefangen haben zu improvisieren, könnten sie ewig so weitermachen.
Harmonie von Vater und Sohn
Es ist toll, wie gut der 63-jährige Vater und der gerade 19 gewordene Sohn harmonieren. Jean-Marc Robin fesselt mit einem Drum-Solo, aus dem plötzlich federnde Bassklänge entwachsen, die immer ruppiger werden. Da ist sie wieder, die Balance, die das Konzert wie einen roten Faden durchdringt und es so spannend macht. Alecs tolles Bass-Solo reißt alle mit. Jeder Künstler steht mal im Vordergrund.
„Jetzt gibt’s ein bisschen Jazz-Rock, ist das okay?“, fragt Ro Gebhardt in die Runde. Nach zwei Stunden sind die Plätze direkt vor der Bühne leer, und auch sonst ist nicht mehr ganz so viel los. „Das ist schon ganz alt, das hab ich geschrieben, als ich 25 war“, sagt Ro über sein Stück „E.Y.T.“. Ein lockeres, fast beiläufiges Spiel entspinnt sich, das dank Ros E-Gitarre wilder wird. Wenn er von der Bühne durch die Reihen geht und vor einer Sitzgruppe spielt, schafft er jene Nähe, für die man ihn so schätzt. Auch Armindo Ribeiro am Keyboard singt. Dass sie in dieser Formation erst wieder nächstes Jahr im März auf der Bühne stehen, bedauert Ro.
Die Band hat gezeigt: Das Schöne liegt oft im Kleinen. In einem Akkord, der lange in der Luft zu hängen scheint, in einem Solo, das berührt, oder in der Sehnsucht, die in Antolins Stimme wabert.