Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Reisebüros jubeln über „Nachfrage-Boom“

Urlauber können wieder ohne größere Corona-Maßnahmen verreisen – das freut auch die Reisebüros.
Urlauber können wieder ohne größere Corona-Maßnahmen verreisen – das freut auch die Reisebüros.

Dass nach zwei Corona-Jahren die Reiselust deutlich gestiegen ist, beobachten die Zweibrücker Reisebüros. Der Wunsch nach persönlicher Beratung ist ebenfalls größer geworden.

Urlaub auf Balkonien oder im Inland – so handhabten es viele Deutsche in den vergangenen beiden Sommern, die von Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geprägt waren. Nun ist das Virus zwar noch nicht verschwunden, doch nennenswerte Einschränkungen gab und gibt es in diesem Sommer nicht. Das weckt Fernweh und die Lust, neue Länder kennenzulernen, fremde Kulturen zu erforschen oder einfach am Strand zu entspannen. Die wiederentdeckte Reiselust macht sich auch bei den Zweibrücker Reisebüros bemerkbar.

„Es hat – Gott sei Dank – wieder angezogen. Die Nachfrage war in den letzten Wochen und Monaten überproportional hoch“, freut sich Achim Lehnen, Inhaber des TUI Reisecenters in der Gutenbergstraße. Mittlerweile sei es wieder überschaubar, da die meisten Leute bereits in Urlaub waren oder gerade verreist sind. Mit Corona habe man allerdings wieder zu kämpfen, wie Lehnen berichtet: „Es gibt kurzfristige Stornierungen wegen Corona-Infektionen.“ Bei den meisten Reiseveranstaltern gebe es sogenannte Flexbuchungen, mit denen bis 14 Tage vor Abreise kostenlos storniert werden kann. „Davon machen manche Gebrauch. Das macht viel Arbeit“, sagt Lehnen, beklagen wolle er sich aber nicht: „Unsere Zahlen sind deutlich gestiegen.“

Immenser Beratungsaufwand

Für Sorgenfalten sorgt aber nicht nur das Coronavirus, sondern auch die Situation an manchen deutschen Flughäfen. Personalmangel und Streiks verursachen teils ellenlange Warteschlangen, Gepäckstücke gehen verloren, Flüge werden annulliert. Besonders in Düsseldorf, Köln und Frankfurt gab es Probleme und Verzögerungen. „Das bringt einen immensen Beratungsaufwand mit sich“, weiß Lehnen. Die Anzahl seiner Kunden, die davon betroffen waren, sei aber überschaubar. Bisher hätten sich nur wenige gemeldet. „Wir sind da natürlich der erste Ansprechpartner und so etwas wie der Prellbock. Wir versuchen, so gut es geht, zu helfen, aber rein rechtlich sind die Kunden selbst dafür verantwortlich, ihr Geld von den Fluggesellschaften oder Reiseveranstaltern zurückzuholen“, weiß Lehnen.

Optimistisch stimmt ihn, dass ein Trend zurück zur Buchung im Reisebüro erkennbar sei: „In den letzten Jahren konnten wir unsere Stärke ausspielen: die persönliche Beratung.“ So halfen Lehnen und seine Mitarbeiter beispielsweise auch beim Ausfüllen von Gesundheitsformularen, die wegen strikterer Corona-Auflagen nötig waren. Ob dieser Trend anhalten werde, kann er nicht vorhersagen. „Die Kunden waren dieses Jahr wirklich urlaubsreif, da war auch der Preis mehr oder weniger egal. Ob das bei all den steigenden Preisen im kommenden Jahr noch genauso sein wird, ist schwer zu sagen“, erklärt er.

Überleben dank Staatshilfe

Was die Branche allerdings belastet ist – wie bei vielen anderen auch – der Personalmangel. In den Hochphasen der Pandemie verschlug es einige Reisebüro-Mitarbeiter in andere Bereiche, außerdem fehle es an Nachwuchs, sagt Lehnen. Ihm war es möglich, all seine Angestellten zu halten, jedoch nicht allein aus eigener Kraft, wie er gesteht: „Das ging nur mit staatlichen Überbrückungshilfen und Kurzarbeit. Ohne wäre es nicht möglich gewesen.“ Besonders dankbar ist Achim Lehnen für die Unterstützung seiner Kunden: „Viele haben trotz Stornierung ihr Geld stehengelassen, damit wir damit weiterarbeiten können. Das haben wir dann bei späteren Reisen verrechnet. Viele haben das so gehandhabt und uns damit sehr geholfen.“

Klaus Frank, der das Holiday Reisebüro Frank & Mettendorf am Hallplatz betreibt, beobachtet eine ähnliche Entwicklung – auch wenn sich der Betrieb noch nicht ganz normalisiert habe: „Es hat auf jeden Fall wieder deutlich angezogen. Vor allem im Juni hatten wir sehr viele Buchungen.“ Die Frage, ob es Urlauber wieder mehr in Reisebüros zieht, kann Frank nicht beantworten, er sagt aber: „Wenn man klug ist, macht man das. Bei anderen Branchen ist das Internet oft deutlich günstiger, das ist bei Reisen nicht so. Wer im Reisebüro bucht, hat den gleichen Preis und die bessere Leistung.“ Entscheidend sei aber insbesondere der Zeitpunkt der Buchung, weiß der Fachmann: „Früh buchen heißt günstig reisen.“ Probleme mit Verspätungen oder gestrichenen Flügen habe es bisher nicht gegeben. Frank: „Unsere Kunden fliegen hauptsächlich von Saarbrücken, Luxemburg und Frankfurt. Da sind wir wesentlich weniger betroffen als andere.“ In den seit Jahren anhaltenden Abgesang auf die Reisebüros möchte er nicht einstimmen. „Das wird schon seit 20 Jahren gesagt, aber die Realität ist eine andere. Der Handel leidet natürlich allgemein unter dem Internet, aber das betrifft nicht nur Reisebüros“, fasst er zusammen.

„Zwei Jahre zum Jammern verdammt“

In der Alexanderstraße führt Namensgeber Frank Schmid das Reisebüro Schmid. Dort sei es in dieser Urlaubssaison deutlich besser gelaufen als in den Vorjahren, man habe einen regelrechten „Nachfrage-Boom“ erlebt, wie Schmid im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet. „Die Preise gingen aber nicht nur an der Tankstelle nach oben. Die zwei Jahre Reiseentzug haben aber zu einer großen Akzeptanz geführt. Es läuft richtig gut“, freut sich Schmid, nachdem er und sein Team „zwei Jahre zum Jammern verdammt“ gewesen seien. Das aktuelle Chaos an den Flughäfen gehe zwar nicht an ihnen vorbei, doch alle seien froh, wieder reichlich Arbeit zu haben.

Dabei kann Frank Schmid mit Erfahrungen aus erster Hand helfen, denn er war selbst von kurzfristigen Flugannullierungen betroffen, wie er erzählt: „Ich wollte am 24. Juli von Stuttgart nach Mallorca fliegen. Stuttgart habe ich bewusst ausgesucht, weil da noch keine Ferien haben. Am Abend vorher, um 19.30 Uhr, bekomme ich die Nachricht, dass der Flug gestrichen wurde.“ Seitdem versucht auch er, sein Geld von der Fluggesellschaft zurückzubekommen und weiß, wie frustrierend das sein kann. „Da hängt man stundenlang in der Warteschleife, nur um gesagt zu bekommen, dass man mir nicht weiterhelfen könne“, ärgert er sich. Doch nicht nur die eigene Erfahrung sei der Grund dafür, dass Schmid und seine Mitarbeiter auch für die Kunden da sein wollen, wenn es schlecht läuft. „Wir ducken uns nicht weg, wenn es Probleme gibt. Da helfen wir natürlich und das merken die Kunden auch“, betont er.

Kunden aus dem Internet zurückgewinnen

Frank Schmid zeigt sich zufrieden mit der derzeitigen Entwicklung und blickt optimistisch nach vorne: „Ich glaube zu spüren, dass der Wunsch nach persönlichen Ansprechpartnern gestiegen ist. Wir gewinnen Kunden zurück, die zuletzt noch im Internet gebucht haben. Es gibt einfach einen hohen Beratungsbedarf.“ Da diese gestiegene Nachfrage auch bewältigt werden muss, freut sich Schmid besonders, dass alle seine Mitarbeiter an Bord bleiben konnten. „Kurzarbeit war sehr wichtig, das hat uns geholfen. Unsere Branche wurde wirklich explizit getroffen. Die staatlichen Unterstützungen haben unser Überleben gesichert“, erläutert er.

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