Handball
Rückraumspieler Kockler hilft Oberligist SV 64 Zweibrückern wieder auf die Sprünge
Ein großer Unterschied zwischen den Handball-Oberligisten TuS Dansenberg II und dem SV 64 Zweibrücken hatte zuletzt einen Namen: Philipp Kockler. Zehn Tore warf der Mann im linken SV-Rückraum am vergangenen Sonntag in Kaiserslautern und hatte damit Riesenanteil am Auswärtssieg. Auf Kocklers Treffsicherheit bauen die Zweibrücker auch am Samstag wieder, wenn die HSG Worms ab 18 Uhr in der Westpfalzhalle zu Gast ist.
In Bingen griff Kockler zu Jahresbeginn nach zweimonatiger Verletzungspause erstmals wieder in einer Oberliga-Partie zum Ball. Achtmal netzte er nach seiner Rückkehr auf das Spielfeld dabei ein. Im vergangenen Heimspiel gegen TV Offenbach setzte Kockler den letzten Wurf an den Pfosten, eröffnete Offenbach kurz vor Abpfiff die Siegchance. „Klar, habe ich mich sehr über mich selbst geärgert“, bekennt Kockler. Aber Verantwortung zu übernehmen und mit Risikobereitschaft zu spielen, gehöre zum Handball. Er hat den Moment schnell abgehakt und zieht seine Lehren daraus. Dass die sonst so heimstarken Zweibrücker sich in dieser Saison bislang auswärts leichter tun als zu Hause, „dafür habe ich auch keine Erklärung“, sagt Kockler. Er hofft, dass gegen Worms der Heimknoten platzt.
Nach der Saison Wechsel zu Drittligist Saarlouis
Seit Anfang 2021 trägt der 1,95 Meter große Spieler das Zweibrücker Trikot. Er kam während der Corona-Pandemie von Oberligist Illtal und feierte in der Pokalrunde der Dritten Liga 2021 einen starken Einstand beim SV. Inklusive Qualifikation für den DHB-Pokal: Gegen den damaligen Bundesliga-Aufsteiger Nettelstedt-Lübbecke glänzte Kockler später mit sieben Toren. Die Zahl der Teams, die Kockler als Wunschspieler auf dem Zettel hatten, wuchs bei diesem Spiel und in der weiteren Folge. Vor allem weil der Fernwurfspezialist eine starke Drittliga-Saison spielte, an deren Ende der unglückliche Abstieg stand.
Zurück in die Dritte Liga lautete danach das sportliche Ziel des 22-Jährigen, der zwischenzeitlich vom heimatlichen Schmelz nach Saarbrücken umgezogen ist. Dort absolviert er ein Wirtschaftsingenieursstudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Der heftig Umworbene entschied sich dazu, nach dieser Saison zu Drittligist HG Saarlouis zu wechseln. Es gab mehrere Anfragen, bestätigt Kockler. Für Saarlouis habe er sich entschieden, „weil es ein gestandener Drittligist ist, der viel Erfahrung, auch im Umfeld mit Handball in den höheren Ligen, hat und weil es in Saarlouis auch eine tolle Unterstützung durch die Fans gibt“, sagt Kockler, der sich in Saarlouis – wie zuvor in Zweibrücken – weiterentwickeln will. „Philipp hat sich bei uns super entwickelt. Das war und ist für beide Seiten eine Win-win-Situation“, bestätigt SV-Trainer Stefan Bullacher mit Blick auf die erfolgreiche Zusammenarbeit.
Verletzung verkraftet – und jetzt in der Torjägerliste nach vorne
Mit den Zweibrückern noch viele Spiele gewinnen und in der Torjägerliste nach oben klettern, das hat sich Kockler jetzt zum Ziel gesetzt. Wobei der Torjägerliste „nicht mein Hauptaugenmerk gilt“, sagt er. Ein bisschen Zusatzmotivation sei es aber doch. Platz 22 belegt er aktuell mit 76 Treffern. Bleibt es beim Schnitt von 8,2 Toren aus den vier Partien nach der Verletzungspause, sind die Top Ten schnell erreicht. In denen tummelt sich mit Tim Knobel der Rückraum-Shooter der Wormser, der bislang 100 Feldtore erzielt und mit Kockler gemeinsam hat, dass am Saisonende ein Vereinswechsel ansteht. Knobel geht innerhalb der Oberliga nach Saulheim.
Hätte sich Kockler Anfang November nicht verletzt, wäre er wohl schon unter den Top-fünf-Torschützen zu finden. In Illtal zog er sich einen Mittelhandbruch zu. Seine erste größere Verletzung im Handball hat er gut überstanden. „Ich hatte absolut keine Schmerzen. Aber alle, die mehr Erfahrung mit solchen Verletzungen haben, haben sofort gesagt, dass es etwas Schlimmeres ist“, erinnert sich Kockler an den Sonntag, der ihm auf der Handrücken „ein richtig dickes Ei“ bescherte. Er musste zwar nicht operiert werden, trug in der Folge aber drei Wochen Gips an der rechten Wurf- und Schreibhand.
Lieber Sieger-Sause als Fasnachtstreiben
„Zum Glück passierte das früh im Semester“, sagt erläutert er mit Blick auf sein Wirtschaftsingenieursstudium. „Denn mitschreiben ging mit Gips nicht“, erzählt er. Mittlerweile kann er wieder Handball spielen – und schreiben. Das ist wichtig, weil „die Semesterprüfungen kommende Woche beginnen“, unterstreicht Kockler. Ein großer Fasnachtsfan sei er nicht, sagt er zur Prüfungsphase während der närrischen Tage. Einer guten Sieger-Party, zum Beispiel nach einem Erfolg im Worms-Spiel, könnte er dagegen durchaus etwas abgewinnen.