Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Puppen-Comedian Sascha Grammel spielt mit Unzulänglichkeiten

Sascha Grammel nutzt als Puppenspieler auch moderne Technik. So erweckt er „den großen Zampano“ zuweilen mit einer Fernbedienung
Sascha Grammel nutzt als Puppenspieler auch moderne Technik. So erweckt er »den großen Zampano« zuweilen mit einer Fernbedienung zum Leben.

Die Saarbrücker Saarlandhalle war am Donnerstag mal wieder so gut besucht wie selten in der Post-Downlock-Zeit. Publikumsmagnet war Sascha Grammel mit seiner Puppen-Comedy, dessen Vorstellung schon mehrfach verschoben werden musste.

„Fast fertig“ heißt Grammels noch immer aktuelles Programm. 2019 feierte der Berliner damit Premiere, kurz darauf gefolgt von der langen Corona-Zwangspause, die das kulturelle Leben bundesweit zum Erliegen gebracht hat. Endgültig fertig jedoch ist das Programm nicht und wird es wohl auch nie werden. „Fast fertig!“ bedeutet in „Nie fertig!“, sagt Grammel, „denn ich liebe es, neue Ideen und Texte live einfach mal ganz spontan auszuprobieren. Da entstehen manchmal supertolle Gags und wilde Pointen, die so auf dem nackten, vorher erarbeiten Drehbuchpapier gar nicht möglich wären“, sagt es und gibt schon in der ersten Hälfte der fast zweistündigen Show ein paar Kostproben.

Hang zur Magie

Sind das also spontane und irgendwie unfreiwillige Gags, wenn er die Schutzkappe von einem Fernglas tatsächlich nicht abbekommt, oder seine Puppe Außer Rüdiger während des Spiels die Arme verliert? Oder wie ist das mit den Augen von Achim Spironsik, dem Känguru – bringt Grammel deren Blickrichtung durcheinander, wie er dem Publikum glauben macht, oder sind das alles sehr gut einstudierte Gags? Sascha Grammel wäre kein so unterhaltsamer Comedian und Bauchredner, denen ja ein Hang zur Magie immanent ist, würde er dieses Geheimnis lüften. Und so gehört das Spiel mit der eigenen Unzulänglichkeiten zu Grammels Komik, der Puppet-Comedy, wie er es nennt. Und diese Unzulänglichkeit geht einher mit Schadenfreude, die aber nie ernsthaft böse und gemein wird. Bei allen Frotzeleien und Streichen, denen sich Grammel und seine Puppen aussetzen, bei allen bewussten und unbewussten Missverständnissen und kleinen Frechheiten, sind sie eigentlich doch alle Freunde und von Respekt und Zuneigung geleitet.

Puppenfamilie wächst ständig

Zu Frederic, Josie, Professor Hacke, Mieze, Außer Rüdiger, Herrn Schröder und Ursula, dem Käse der Wahrheit, dem Schrecken der Meere, der Schildkröte Baby-Josie und Außer Rüdigers Freundin Inge gesellt sich in Grammels viertem Bühnenprogramm „Fast fertig!“ nun auch noch das Känguru Achim Spironsik hinzu. So wächst Grammels Puppenfamilie von Programm zu Programm. Sie alle sind Typen, denen der Bauchredner seine Stimme gibt, was selbst auf den großen Leinwänden neben der Bühne kaum zu erkennen ist. Bauchreden ist eine alte Kunstform, die Grammel entstaubt hat und mit wunderbaren Puppen auf die Bühne bringt.

Grammel ist ein Entertainer, ein Mann der Show. Er ist niemand, der seiner Kunst mehr mitgeben will als kurzweilig, leichte Unterhaltung. Er ist kein Michael Hatzius, der mit seiner Echse thematisch auch mal weh tut. Grammel ist ein unpolitischer Mensch, der in seinen Programmen ganz bewusst einen großen Bogen um aktuelle Themen und Nachrichten schlägt. Besonders um schlechte. Grammel möchte sein Publikum in seine eigene Grammel-Welt entführen, damit es den Alltag mal komplett vergessen kann. Was er möchte, sagt er den Besuchern auch gleich zu Beginn der Vorstellung: „Ich möchte, dass sie albern sind, lauthals lachen, toben, klatschen und mit meinen Puppen an das Gute, an die Freundschaft und an das Glück glauben.“

Spritzige, pointenreiche Dialoge entwickeln sich, wenn Sascha Grammel mit Sascha Grammel spricht, diskutiert und in kleinsten Dingen die Welt erklärt. Witzig, wortgewandt und auch immer wieder spontan ans Publikum gerichtet. Und wenn dann zuweilen ein Kalauer den anderen jagt – es sei ihm verziehen. Darum zum Schluss ein typischer Grammel-Gag: „Was ist eine Kokosnussjagd?“ – „Das ist eine Schnitzeljagd für Vegetarier.“

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