Streitfall RHEINPFALZ Plus Artikel Pro und Contra: Ist die Verbreiterung der Mittelbacher Landstraße sinnvoll oder nicht?

Hier soll eine Insel eine zukünftige Radweg-Querung ermöglichen. Der Ausbau der L465 sorgt für gespaltene Meinungen.
Hier soll eine Insel eine zukünftige Radweg-Querung ermöglichen. Der Ausbau der L465 sorgt für gespaltene Meinungen.

In der Mittelbacher Ortsbeiratssitzung haben sich bereits zwei Meinungs-Lager abgezeichnet: Breitere Landstraße oder doch lieber alles beim Alten belassen? Die beiden RHEINPFALZ-Autoren Mario Moschel und Paul Kreiner sind ebenfalls geteilter Meinung.

Pro: Verbreiterung senkt Unfallgefahr

von Paul Helmut Kreiner

Dass der Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Straße nach Altheim breiter ausbauen will, ist eine gute Sache. Gleichzeitig ist die Angst vor mehr Schwerverkehr mancher Mittelbacher an den Haaren herbeigezogen.

Mal ein Beispiel aus der Praxis: Die aktuelle Generation des VW Golf hat eine Breite – gemessen von Außenspiegel zu Außenspiegel, ausgeklappt – von zwei Metern. Kommen sich zwei dieser Golfs also entgegen, dann sind es schon vier Meter Straße, die gebraucht werden. Aktuell ist die Straße fünf Meter breit, bleiben also ein Meter für beide Autofahrer zum „ausweichen“. Das ist sehr wenig Platz. Und dann muss man noch bedenken, dass viele Leute mittlerweile am Steuer eines SUV sitzen. Diese Kategorie Auto ist noch mal breiter: Beim BMW X7 sind es mit Spiegeln beispielsweise 2,2 Meter.

Dass es wegen der aktuell engen Straße nicht zu zahlreichen Frontal-Unfällen gekommen ist, muss man als Glück werten. Umso klarer wird mit diesen Praxis-Beispielen, dass der LBM hinsichtlich der Verkehrssicherheit vorbildlich handelt, indem er die Straße auf sechs Meter verbreitert. Und nein, das Argument, dass Autofahrer bei engen Landstraßen nun mal langsamer fahren sollen, zählt nicht. Mit oder ohne Ausbau bleiben vor Ort Tempo 70. Natürlich hält sich nicht jeder Autofahrer daran, dann müssen sie aber damit rechnen, irgendwann in eine mobile Radarfalle zu rauschen.

Allen LKW-Diskussions-Anhängern und Meckerern in Mittelbach sei mal ein Blick in die Verkehrsstatistik des LBM geraten. Die hat das Straßenamt hinsichtlich des anstehenden Straßenausbaus erhoben. Erste wesentliche Erkenntnis: Von den täglich 6000 gezählten Fahrzeugen gehören einmal zwei Prozent zum sogenannten „Schwerverkehr“. Das sind 120 Fahrzeuge. Wichtig ist, dass das aber nicht nur Laster sind, sondern auch Traktoren, Mähdrescher, das Milchauto und ähnliche. Mit dieser Überlegung ist klar: So viele Brummifahrer verirren sich nicht nach Mittelbach, um auf dem Weg nach Frankreich die Maut einzusparen, die sie sonst auf der Strecke über die L700 bei Hornbach zahlen müssten. Die Meinung, dass mit einem Straßenausbau weitaus mehr Laster über die Landstraße in Richtung Saarland fahren werden, ist absolut an den Haaren herbeigezogen. Glauben die Mittelbacher, die das behaupten, wirklich, dass eine breitere Straße den Trucker interessiert? Einfache Antwort: Nein.

Klar sehen das die Anwohner anders, wenn sie die Brummis vor der Haustüre vorbeifahren hören. Dieses Empfinden ist jedoch rein subjektiv. Das gleiche gilt, wenn man auf dem Bürgersteig steht und schätzen will, wie schnell die Autos durch die Ortsdurchfahrt fahren. Fragt man die Leute, dann fahren fast alle mehr als fünfzig Stundenkilometer. Schaut man auf die Messungen – die zweite Erkenntnis aus der LBM-Statistik –, dann halten sich die meisten an das Tempolimit. Vor Mittelbach aus Richtung Altheim kommend halten sich die Autofahrer im Übrigen sogar so sehr an die Geschwindigkeitsbegrenzung, dass der LBM keine Notwendigkeit sieht, einen Verkehrsteiler zu bauen. Und er tut es dennoch – wenngleich dafür, damit die Radfahrer die Straßenseite wechseln können. Nichtsdestotrotz: Die kleine Insel wird den Verkehr ebenfalls abbremsen. Die Mittelbacher sollten froh sein, dass es vom LBM dieses kleine „Geschenk“ zum sowieso schon teuren Straßenausbau dazugibt.

Contra: Luxus in klammen Zeiten

von Mario Moschel

Die Straße zwischen Hengstbach und der Landesgrenze wird saniert. Sie bekommt jedoch nicht nur eine neue Tragdeckschicht, sondern der Landesbetrieb Mobilität entschärft Kurven, macht die Straße breiter als bisher und verlegt dafür sogar einen bereits vorhandenen, funktionierenden Radweg. Und deshalb wird auch noch eine sogenannte Querungshilfe gebaut, für die ein Anwohner voraussichtlich knapp 10000 Euro zum Abriss einer Mauer zahlen soll. Geht es auch eine Nummer kleiner?

Da ist zum einen das fragwürdige Kosten-Nutzen-Verhältnis. Laut derzeitigem Plan sind 5,2 Millionen Euro Steuergeld für die Komplettsanierung eingeplant, die zum größten Teil das Land zahlt, also wir alle. Bei 2400 Metern Länge entspricht das knapp 2170 Euro pro Meter Fahrstrecke. Und das auch nur, wenn der Kostenplan eingehalten wird, was bei derzeitiger Marktentwicklung unwahrscheinlich ist. Mehr als unwahrscheinlich ist auch die Prognose des Landesbetriebes, dass eine breitere und kurvenentschärfte Landesstraße nicht mehr Verkehr anzieht. Schon jetzt ist der Lastwagen- und sonstige Schwerverkehr für die Mittelbacher Anwohner der Altheimer Straße eine große Belastung, auch wenn der LBM die vor acht Jahren letztmals gemessene Zahl von 120 Lastwagen am Tag herunterspielt. Aber Lastwagen auf dem Papier und täglich 120 Mal klirrende Gläser im Wohnzimmerschrank vieler Anwohner sind zwei Paar Schuhe. Wobei der LBM die geplante Vollsperrung mit der Sicherheit der Arbeiter und fehlender Fahrbahnbreite und damit zu geringem Sicherheitsabstand begründet. Den könnten normale Autos vermutlich sogar einhalten, nicht aber Lastwagen. Sind ja aber nur 120 am Tag.

Zumal die leidgeprüften Mittelbacher durchaus wissen, wie falsch Prognosen von Verkehrsplanern sein können. Der Breitenbachstraße zu Kindergarten und Schule wurde bei der Sanierung der Gehweg genommen; mit der Vorhersage, in einem gemeinsam genutzten Verkehrsraum würden anschließend Autofahrer langsamer fahren und mehr Rücksicht auf die Fußgänger nehmen. Das Gegenteil war der Fall. Und genauso wird es auch bei der L465 kommen. Mit der Sanierung rollt man dem Durchgangs-Lastwagenverkehr geradezu den roten Teppich aus.

Vogelgutachten, Gewässerschutz, Zufahrten zu Feldern, seltene Arten und die Teerhaltigkeit vorhandener Straßenschichten wurden geprüft im Vorfeld, um nur einige Aspekte zu nennen. Dass die Straße saniert werden muss, ist unbestreitbar. Und der LBM hält sich auch nur an bestehende Vorschriften. Doch genau die müssen dringend auf den Prüfstand. Überbordende Bürokratie müssen weg, pragmatische und vor allem ihren Preis werte Lösungen müssen her, nicht nur an der L465. Sprich: Ausbau ja, aber nicht breiter, nicht kurvenentschärft, ohne den bestehenden Radweg zu verlegen und dafür viel billiger. Gut gemeinte Luxus-Standards sollten in Zeiten leerer Kassen vorbei sein. Ach ja, dass zwei bestehende Bushaltestellen mit höhergelegtem Bordstein neu gebaut werden sollen, von denen nicht einmal klar ist, ob sie noch genutzt werden, ist da nur eine Randerscheinung.

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