Zweibrücken
Pfarrer Matthias Strickler auf Messners Spuren
„Von der Höhe her ist das Matterhorn eher ein Klacks“, sagt Pfarrer Matthias Strickler. Da habe er schon deutlich höhere Berge bezwungen, etwa in Südamerika. Doch die Besteigung des Matterhorns sei anspruchsvoll; das Matterhorn gehöre zu den gefährlichsten Bergen der Welt. Grund dafür ist laut Strickler die lange, sich über 1.200 Meter ziehende Kletterpartie bis hoch zum Gipfel. „Da hängt man am Fels an einem Seil und muss sich immer wieder sichern. Hochkommen ist nicht das Problem, aber man muss ja auch wieder runterklettern“, erklärt Strickler. Und genau das unterschätzten viele Wanderer; auf dem Rückweg passierten die meisten Bergunfälle. Strickler: „Am Matterhorn sind mehr Menschen umgekommen als am Mount Everest, bislang 600 Leute.“
All dies habe ihn nicht davon abhalten können, eine Tour auf’s Matterhorn zu planen, zusammen mit seinem Freund, einem Südtiroler Bergführer. Eine Zwei-Tages-Tour sollte es werden. Zuerst wollten sie sich an die Höhe gewöhnen, am Berg in der Hörnli-Hütte übernachten und am nächsten Tag aufsteigen. Der Aufstieg über den Hörnligrat von Zermatt aus ist der am häufigsten gewählte Weg. „Es ist eine klassische Alpentour. Und am Seil eines Bergführers zu gehen ist relativ sicher“, sagt Strickler.
Drei Zinnen statt Matterhorn
Im August hätte es losgehen sollen, alles war geplant. Doch dann das: Das Matterhorn wurde kurzerhand gesperrt, weil extreme Wetterbedingungen Eisschlag und Steinabgang begünstigten. „Der Permafrost taut und deshalb lösen sich die Steine. Das ist dann eben viel zu gefährlich“, zeigt Strickler Verständnis für die Sperrung. Stattdessen machten sich sein Freund und er auf zu einer Tour in die Dolomiten, wanderten und kletterten bei den Drei Zinnen.
Einmal aufs Matterhorn zu steigen bleibe aber weiterhin sein Traum, die Tour wollen die beiden im kommenden Jahr nachholen - bei hoffentlich besseren Wetterbedingungen. Bis dahin halte er sich in der Regel mit Joggen und Fußball fit. Doch so langsam, mit 51 Jahren, habe er gemerkt, dass er etwas mehr machen müsse und fahre nun viel Rad, auch dienstlich. Eine gute Grundkondition helfe aber über fehlende Trainingseinheiten hinweg.
Einige Verbindungen in die Schweiz
„Soweit ich zurückdenken kann, war ich in den Bergen. Mit den Eltern waren meine Geschwister und ich regelmäßig in der Schweiz zum Wandern. Da rührt meine Liebe zu den Bergen her“, erzählt Strickler. Auch mit seiner Frau Kerstin und seinem Sohn Aaron gehe er immer wieder gerne zum Bergwandern. Die Schweiz hat es ihm angetan, stammen die Stricklers doch ursprünglich aus der Schweiz und haben dort auch heute noch nahe Verwandte. „Mein Vater hat einen Stammbaum gemacht, der bis Ende des 17. Jahrhunderts reicht. Er war auch auf einem großen Familientreffen in der Schweiz. Die Stricklers stammen aus der Region Zürich“, kennt er die Familiengeschichte.
Und noch etwas verbindet ihn mit der Schweiz. Sein Gotteshaus in Niederauerbach trägt den Namen des Schweizer Reformators Ulrich Zwingli. Der habe aber in seinem Theologiestudium „keine wichtige Rolle gespielt“. Erst als er vor 17 Jahren seine Stelle in Niederauerbach angetreten habe, ausgerechnet in einer Zwingli-Kirche, sei er sich der weiteren Verbindung zur Schweiz bewusst geworden.
Zwingli-Ausstellung geplant
2018 hat seine Gemeinde das Zwingli-Jubiläum gefeiert, auch mit einem Wurstessen, in Erinnerung an das so genannte „Froschauer Wurstessen“, mit dem der Bruch mit der damaligen Kirche besiegelt wurde. Mit dem Wurstessen widersetzte sich Zwingli den rigiden Fastenregeln der römischen Kirche; Christoph Froschauer war es, der Zwinglis Schriften verlegte, die die Reformation in der Schweiz einläuteten.
„Im kommenden Jahr planen wir eine Zwingli-Ausstellung in der Karlskirche“, kündigt Strickler an. Schließlich sei die protestantische Kirche in Niederauerbach „die einzige Zwingli-Kirche in Deutschland, in der noch Gottesdienst gefeiert wird“. Mittlerweile sei seine Kirche innen und außen komplett saniert und er freut sich, dass auch der Kirchhof schon bald als Treffpunkt für alle genutzt werden soll.