Hornbach Organist Uwe Maibaum verzaubert mit perlenden Klängen

Orgelabend von Uwe Maibaum im Rahmen des 46. Benefizkonzerts in der Klosterkirche Hornbach. Uwe Maibaum ist Landeskirchenmusikdi
Orgelabend von Uwe Maibaum im Rahmen des 46. Benefizkonzerts in der Klosterkirche Hornbach. Uwe Maibaum ist Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Orgelmusik vom Barock bis heute stellte Uwe Maibaum am Sonntag beim 46. Benefizkonzert in der Klosterkirche Hornbach vor.

Zum Auftakt stimmte Uwe Maibaum (62), Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur BWV 564, von Johann Sebastian Bach an. Er entfaltete ein souverän fließendes Klanggeflecht, das sich durch Transparenz und ausgeprägten Gestaltungswillen auszeichnete.

Eigenwillige Phrasierungen und Ausdrucksnuancen verliehen der Interpretation Maibaums eine persönliche Note. In sich kreisende Passagen spielte er ungemein plastisch, so dass ein tönendes Relief entstand, in das sich die machtvolle Fuge bruchlos einfand. Zwischen Thema und Gegenthema entwickelte sich im Spiel Maibaums ein spannender Dialog, der schließlich in eine dunkle Coda einmündete.

Aufbruchstimmung

Weniger bekannt war das nächste Stück, das er ausgesucht hatte: die Partita über den Choral „Jesu meine Freude“ des Barockmeisters Johann Gottfried Walther (1684-1748). Liedhafte Einfachheit klang aus der ausgewogenen hellen Weise, die sich in stetem Fluss ungezwungen und nahezu meditativ entfaltete, auch in tieferen, dunklen Registern. Ein forsch vorwärts drängendes Thema versprühte dagegen Aufbruchstimmung.

Eine mystische Atmosphäre unterstrich den spirituellen Charakter von Olivier Messiaens (1908-1992) „Joie et clarté des corps glorieux – Freude und Glanz der verklärten Leiber“ aus „Les corps glorieux“ von 1939. Tiefe, lang gehaltene Akkorde erinnerten in ihrer einfachen Melodie und dunklen Farbe an einen sich in ruhigen Schritten entfaltenden Choral. Ein elegisches Thema in hellen, hohen Tönen legte sich in einer Gegenbewegung darüber und wirkte mit seinen klaren Klängen wie ein vertrauter Ruf aus der Ferne, eine gedämpfte Fanfare. Dann blitzte eine helle Weise in kurzen Notenwerten auf, die nahezu neckisch durch das Klangbild huschte. Malerisch und liedhaft entfaltete sich ein breit flutendes Thema voll unspektakulärer Präsenz.

Orgelfanfare

Schnell, voller Dramatik und Leidenschaftlichkeit entwickelte Maibaum dagegen die folgende Passage, deren Thema einen liedhaften Ausdruck annahm, doch nie zur Ruhe kommen konnte. Leise und meditativ, in nahezu schwebenden Harmonien, entfaltete der Organist dann ein ruhiges Thema über langsamen Liegetönen. Ätherisch entrückt wirkte die folgende Weise in hell-verhauchten Orgelpfeifen, wie Klänge aus einer fernen Idylle. Kurze Vorhalttriller ließen sie immer wieder im eigenen Klangverlauf innehalten, ein Prozess, den Uwe Maibaum in subtilsten Nuancen gestaltete. Schnell und kraftvoll dagegen nahm ein anderes Thema über einer dunklen Begleitung Fahrt auf. Eine tiefe Orgelfanfare klang dann wie ein Ruf aus einer anderen Welt, voll düsterer Ahnung und Mahnung. Farbenreiche Chromatik unterstützte den Endzeitcharakter dieses musikalischen Prozesses mit seiner immer stärker dräuenden Spannung, die in eine clusterförmige Kadenz mündete.

Fast jazzig wirkte der Auftakt von „Alsdann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters“. Chromatische Harmonien in fallenden Linien, flächig gegeneinandergesetzt, muteten fast orientalisch an über lang gehaltenen bordunartigen Klängen. Dann kreiste das Thema immer wieder in sich, über Clustern schwebten chromatische Melodien auf und ab, in einem ungemein meditativ und gleichzeitig lebendig gestalteten Prozess. Düstere Rufe gellten auf in diesem verschatteten Klangpanorama, grelle Blitze zuckten durchdringend immer wieder durch flächig bewegte Klangbilder, die plastisch ein tönendes Relief strukturierten.

Klangpanorama

Die Fantasie d-Moll KV 385 von Mozart in einer Bearbeitung für Orgel überzeugte durch weich perlende, fast blubbernde Klänge, aus denen eine liedhafte Melodie von durchdringender Klarheit hervortrat, in hellen weichen Klängen. Latente Unruhe, malerische Farben und spielerische Leichtigkeit gingen hier Hand in Hand in einer sowohl reflektierten als auch emotionalen Interpretation.

Ein Ausflug in die Zeitgenössische Musik waren die Improvisationen des 1962 geborenen Maibaum über einen Vers des ersten Petrus-Briefes, der zum Verzicht auf Vergeltung aufruft. Tonstufenschritte und mahnende Fanale, aber auch in prägnanten Rhythmen gegeneinandergesetzte Klangflächen ließen ein atmosphärisch-dichtes, plastisches Klangpanorama entstehen.

Fesselnde Raumklang-Wirkungen und Lautmalerei zeichneten Maibaums Interpretation der „Suite gothique op. 25“ von Leon Boellmann (1862-1897) aus. Gemeinsam mit den Besuchern ließ Maibaum sein Konzert mit dem Abendlied von Johannes Brahms ausklingen.

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