Zweibrücken Neugierig Spuren suchen

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Den Weg der Jakobspilger im Raum Saar-Pfalz-Elsass-Lothringen dokumentiert Peter Lupps Buch „Sternenwege“. Konstanze Führlbeck sprach mit dem aus Zweibrücken stammenden Autor und Forscher.

Wie ist die Idee zu dem ungewöhnlichen Projekt entstanden?

Ich bin Regionalentwickler beim Regionalverband Saarbrücken und wurde in eine Arbeitsgruppe gerufen, die sich mit der Frage beschäftigte, wie man die Wege der Jakobspilger, die es seit dem frühen Mittelalter in ganz Europa und in unserer Region gibt, nutzen kann. Ich hab’ recherchiert, welcher Mythos dahinter steckt. Und was kann man machen, damit Menschen sich über so etwas mit ihrer Heimat identifizieren? Da wir auch einen beschäftigungspolitischen Ansatz verfolgen, hab’ ich das mit der Frage verbunden, wie man junge Menschen über das Thema der Jakobswege und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung weiterbilden kann. Konkret? Meine Idee war: Lass’ uns überlegen, wie die alten Wege befestigt waren. Wie könnte man das auf den heutigen Wege-Oberflächen gestalterisch zeigen, mit einer Art Bodenzitate? Also haben wir alte Wegestücke freigelegt und Sterne eingepflanzt, weil der Jakobsweg im Mittelalter auch „Sternenweg“ genannt wurde: Die Sterne der Milchstraße verlaufen so, dass die Pilger aus Europa ihnen ins galizische Santiago de Compostela, der Begräbnisstätte des heiligen Apostels Jakobus, folgen konnten. Außerdem war der Stern im Mittelalter das Symbol für die göttliche Orientierung. An den mittelalterlichen Denkmälern entlang dieses Weges wie etwa Kirchen und Klöstern haben wir Wegezeichen in Form von Jakobsmuscheln eingepflanzt, oft mit einem Paten Was bedeuten diese Muscheln? Da es diese Muscheln früher nur am Atlantik gab, waren sie ein Nachweis dafür, dass jemand tatsächlich nach Santiago de Compostela gepilgert war. Unsere Muscheln haben junge Leute nach Anweisung eines Steinmetzes als Abguss angefertigt. Wie haben Sie die Routen gefunden? Im Mittelalter, der großen Zeit der Jakobspilgerschaft, waren Millionen von Menschen quer durch Europa unterwegs. Es gab nicht nur einen Weg, es gab ein Netz von Wegen. Ich habe mich gefragt: Wo sind Bischofssitze und bedeutende Klöster? Ausgehend davon haben wir Achsen zwischen diesen Bischofssitzen gezogen, so lag das Benediktinerkloster Hornbach auf einer Achse von Metz über Speyer nach Worms und Mainz. Welche Erfahrungen haben Sie bei dem Projekt gemacht? Für die Menschen, die daran teilgenommen haben, war es ein unglaubliches Phänomen, zu sehen, dass sie etwas mit ihrer Arbeit bewirken – durch kleine Gesten, nichts Spektakuläres, keine Effekthascherei, sondern eine Spurensuche. Das Neugierigmachen, sich auf eigene Wege machen, hat viele angesprochen. Für mich war es toll, Anstöße für diesen Prozess zu geben, mit dem man unsere Kulturlandschaft in Wert setzen kann, in einen Bezug zu Europa, über Grenzen hinweg. Man bringt die Menschen zum Spurensuchen und sich selbst zu suchen, auch über Umwege. Wie haben Sie die Fotos ausgesucht? Die Dramaturgie des Buches und der Bilder baut auf der Erläuterung der kulturgeschichtlichen Hintergründe auf. Ich habe mir gesagt: Ich gehe jetzt wie ein Pilger mit den Augen die Wege entlang. Ich wollte die Denkmäler nicht einfach touristisch abfotografieren, sondern einen symbolträchtigen Ausschnitt aus einer ungewöhnlichen Perspektive finden, die man erst einmal suchen muss, um so ein neues Sehen zu lernen. „Du sollst dir ein Bild machen“ ist ja auch ein Motto unseres Buches – dadurch, dass man die Dinge anders sieht, stellen sich andere Assoziationen ein. Deshalb fängt man an zu suchen und spürt der Frage nach: Was passiert mit mir? Welchen Bezug hat das zu Ihrer Vision von Europa? Ich sehe darin einen großen Spiegel für die Frage, wie wir uns heute in Europa weiterentwickeln können. Das Unterwegssein in der Fremde, lateinisch peregrinatio, ist immer eine Abkehr vom Alten in etwas Neues, ins Unbekannte hinein; ein Versuch, Dinge und Menschen in Freizügigkeit und Freundschaft zueinander zu bringen. Die Konfrontation Christentum – Islam war damals, vor allem in Spanien mit seinen maurischen Königreichen, ein riesiges Thema. Wenn man sich das vergegenwärtigt, weiß man, dass Europa heute vor der Aufgabe steht, hier ein Miteinander und einen Austausch der Kulturen herzustellen. Vielleicht kann man dieses Bewusstsein symbolisch über die alten Kulturstraßen transportieren.

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