Zweibrücken Neue Töne für Psalm 39
Zum fünften Mal hat die Stadt Homburg einen internationalen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Die Preisträger stellen ihre Werke am Sonntagabend in einem Konzert mit dem Kammerchor Encore und dem Homburger Sinfonieorchester unter Leitung von Jonathan Kaell in der katholischen Pfarrkirche Maria vom Frieden in Erbach vor, zusammen mit dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms.
„Der Kompositionswettbewerb wurde international ausgeschrieben, Bewerbungen kamen europaweit bis zum ersten September,“ erzählt Susanne Niklas vom Kulturamt der Stadt Homburg. Drei Arbeiten wurden ausgewählt: „Psalmodia“ von Johannes Schachtner (geboren1983), „Ein deutscher Psalm“ des Pariser Komponisten Pierre Agut (geboren 1983) und „Orationes meae“ von Renats Cveckovskis (geboren 1999) aus Lettland. Der Preis besteht aus einem Workshop mit dem Dirigenten und den Mitgliedern der Jury. Dazu gehören neben Dirigent Jonathan Kaell und dem Homburger Chorleiter Matthias Rajczyk die Komponisten Thierry Blondeau und Annette Schlünz (Straßburg) und Daniel Seel (Saarbrücken), der auch als Gemeindepfarrer in Hornbach tätig ist. „Thema der Komposition sollte der Psalm 39 sein, mit dem sich auch das Brahms-Requiem auseinandersetzt“, sagt Volkhard Helms vom Homburger Sinfonieorchester. Außerdem waren noch einige formale Vorgaben zu beachten: „Die Komponisten sollten nach 1983 geboren sein, und das Werk sollte nicht länger als fünf bis sieben Minuten dauern.“ Eingereicht werden konnten Kompositionen für vierstimmigen Chor und Sinfonieorchester, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. „Natürlich sollen es ambitionierte Amateurmusiker spielen können,“ betont Helm. „Das geht nicht, wenn da überall Zweiunddreißigstel Noten stehen.“ Die Spielbarkeit für ein Amateurorchester ist für Dirigent Jonathan Kaell wichtig. Machbarkeit und handwerkliche Qualität sind Entscheidungskriterien: „Wie ist das Stück kompositorisch gemacht? Wie ist die Partitur gestrickt? Ist sie gut orchestriert?“ Außerdem geht es darum, wie die Komponisten mit dem Psalm umgehen. „Wie meistern sie den Ballast des Brahms-Zitats? Was haben sie noch dazu gegeben? Werfen sie ein neues Licht auf dieses Zitat?“ „Mir war wichtig, dass die Gestaltung des Textes Sinn macht,“ sagt Daniel Seel, der bereits zum zweiten Mal als Juror dabei ist. „Bei einigen Arbeiten hat man doch gemerkt, dass sie des Deutschen nicht mächtig sind,“ hat er festgestellt. „Wie sind die Silben aufgeteilt, wie ist der Text musikalisch interpretiert? Und ist das Werk up to date, was kompositionstechnische Verfahren angeht?“ Auf keinen Fall sollte ein Kandidat versuchen, Vorbilder zu kopieren. „Was macht man aus dem gestellten Thema? Zeigt die Arbeit eine Handschrift, die erkennen lässt, dass das etwas Eigenes ist? Kommt da eine eigenwillige und persönliche Art der Gestaltung zum Ausdruck?“ Anders als vor zwei Jahren haben sich die Juroren getrennt mit den Kompositionen beschäftigt. „Ich habe mir die Arbeiten zu Hause angesehen und auch mal am Klavier durchgefingert, um mir einen ersten Eindruck von den Arbeiten zu verschaffen,“ berichtet Seel. „Dabei versuche ich mir vorzustellen, wie das dann mit Chor und Orchester klingen könnte. Beim Beurteilungsprozess muss man allerdings von der eigenen Person etwas absehen, nach dem Motto: Ich würde es vielleicht nicht so machen, aber es ist trotzdem gut.“ Er ist sehr gespannt auf die Aufführung am Sonntag: „Dann höre ich die Stücke beim Konzert zum ersten Mal.“ Konzert —Pfarrkirche Maria vom Frieden, Erbach Sonntag 11. November, 18 Uhr —Karten: 15 Euro im Kulturamt Homburg, Am Forum 5, in der Brunnenapotheke, Talstraße 34, und an der Abendkasse.