Zweibrücken Neue Gemeindeschwestern sind keine Pfleger, aber Berater für rund 3000 Senioren

Eine Schwester ohne Bart, eine mit: Claudia Hoffmann und Claus Wilhelm sind die neuen Gemeindeschwestern plus in Zweibrücken.
Eine Schwester ohne Bart, eine mit: Claudia Hoffmann und Claus Wilhelm sind die neuen Gemeindeschwestern plus in Zweibrücken.

Am 1. Februar nahmen Claudia Hoffmann und Claus Wilhelm ihre Tätigkeit als Gemeindeschwestern plus in Zweibrücken auf. Die beiden sind für das Stadtgebiet inklusive Vororte zuständig und beraten Senioren ab 80 Jahren ohne Pflegegrad.

Claudia Hoffmann und Claus Wilhelm können beide eine ausgedehnte Berufslaufbahn aus dem Sektor des Gesundheitswesen vorweisen. Wilhelm arbeitete die vergangenen zwölf Jahre im klinischen Sozialdienst am Uniklinikum Homburg. „Die Frage ’Wie geht es im betagten Alter weiter, bislang bin ich doch ganz gut zurecht gekommen’ ist eine ganz zentrale“, sagt der 55-jährige Zweibrücker. Seine gesammelte Erfahrung mit der Beratungs- und Planungstätigkeit aus dem klinischen Bereich, wird er jetzt als Gemeindeschwester im ambulanten Bereich nutzen.

Die Motivation, diese Stelle anzunehmen, habe „im großen Informationsdefizit, das die Leute haben“ gelegen. Der zweifache Papa erhofft sich durch dieses Projekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung, Fragen zur Altersversorgung nun zeitiger regeln zu können. „Sei es nur, um Pflegeanträge anzustubsen oder mit ihnen durchgehen, über einen häuslichen Notruf informieren, Vollmachten ausarbeiten, über sinnvolle Prophylaxen informieren – all das sind die Aufgaben.“ Wilhelm ist zwar ein Mann vom Fach und doch eine „Schwester“. „Die Leute müssen jetzt keine Angst haben, dass ich ein Trickbetrüger bin, nur weil ich als Gemeindeschwester einen Vollbart habe, der Titel lautet nunmal so“, frotzelt der bekennende Karnevalist über sein Alleinstellungsmerkmal im Job.

Kontakte über Ortsvorsteher und Pfarrer

Er wird mit seiner saarländischen Kollegin Claudia Hoffmann den Kontakt zu den Senioren suchen. Bei etwa 3000 ist dies eine große Aufgabe. Darum sind beide froh, wenn die Personen über Ortsvorsteher oder Pfarrer mit ihnen Kontakt aufnehmen. Vorstellbar sei, dass die Ortsvorsteher und Pfarrer sogar zum ersten Patientenkontakt mitkommen oder ihnen vielleicht sogar ein paar betagtere Einwohner melden, denen sich Wilhelm und Hoffmann schnellstmöglich annehmen können.

„Wir geben mit unseren Hausbesuchen den Leuten auch ein Stück weit wieder das Gefühl, dass sie wahrgenommen werden und wichtig sind“, stellt die 53-jährige Claudia Hoffmann, die zuletzt als Wohnbereichsleiterin gearbeitet hat, die menschliche Komponente in den Vordergrund. „Sowohl stationär als auch ambulant werden die Leute zwar versorgt, aber nicht richtig umsorgt“, nennt die Mutter von drei erwachsenen Kindern ein Argument für ihren persönlichen Jobwechsel. „Es fehlen einfach zeitbedingt die Ressourcen für das Fachpersonal und da bleibt vieles auf der Strecke, was ich und Claus nun aufgreifen können.“

Kein Verbandswechsel, keine Essenslieferung

Bereits kleine Schritte seien Verbesserungen. So nennt Hoffmann ein Beispiel eines Ehepaares aus Wattweiler, das keine Möglichkeit habe, im Ortsteil Lebensmittel einkaufen zu gehen. „Denen haben wir Anbieter vorgestellt, die sie beliefern, denn dass es diese Möglichkeit gibt, wussten sie nicht. Daraus haben sie den für sich geeigneten rausgesucht.“

Orte der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land haben übrigens eigene Gemeindeschwestern.

Auch wenn es der Begriff suggerieren könnte: Die Gemeindeschwestern sind keine Pfleger, machen keinen Verbandswechsel und bringen auch kein Essen. „Natürlich schauen wir uns auch mal bei Bedarf eine Wunde oder ein Problem an einem medizinischen Gerät an. Wir haben auch Inkontinenzprodukte zum Zeigen dabei, aber wir sind nur Berater und helfen dann, dafür den richtigen Ansprechpartner zu finden“, betont die Homburgerin Claudia Hoffmann.

Dem Sozialamt angegliedert

Erfreut zeigte sich Bürgermeister Christian Gauf über das neue Beratungsangebot in Zweibrücken: „Nach meiner Erfahrung wollen Menschen, die sich in der körperlichen Verfassung sehen, selbst ihren Alltag zu bestreiten – dies auch gern in ihrem gewohnten Umfeld, in ihrem zu Hause. Das Beratungsangebot Gemeindeschwester plus hilft diesen Menschen und bietet konkrete Kontaktpersonen“, sagt der Dezernent des Amts für soziale Leistungen. Hoffmann und Wilhelm sind dem Amt für soziale Leistungen angegliedert und arbeiten eng mit dem Seniorenbeauftragten der Stadtverwaltung zusammen.

Info

Claudia Hoffmann ist unter der Telefonnummer 06332 871417 und Claus Wilhelm unter der Telefonnummer 06332 871418 zu erreichen. Die beiden Fachkräfte sind sowohl für das Stadtgebiet Zweibrücken als auch für die Vororte im Einsatz. Ihr Dienstzimmer haben sie im städtischen Info- und Beratungszentrum in der Poststraße 40, Büro 012.

x