Zweibrücken Nebenan liegt im Briefkasten

„Wir freuen uns auf Zuwachs im Viertel“, heißt es auf einem Flyer, der kürzlich massenhaft in Zweibrücker Briefkästen geworfen wurde. Auf ihm wirbt die Firma Good Hood für das kostenlose Nachbarschaftsportal „Nebenan.de“. Das Berliner Start-up stand im vergangenen Jahr wegen einer Werbeaktion in der Kritik. Damalige Fehler wiederholt die Firma in Zweibrücken bislang nicht.
Denn vor rund anderthalb Jahren verteilte Good Hood in Köln noch Flyer, die den in der Rosenstadt eingeworfenen sehr ähnelten – aber nicht ganz. Sie endeten einem Bericht der Kölnischen Rundschau zufolge mit der Zeile: „Wir freuen uns auf euch! Euer Nachbar Thomas aus der Friedenstraße.“ Die Kritik damals: Es sei nicht klar erkennbar, dass hier professionelle Werber eines Social-Media-Portals am Werk sind und eben nicht der Nachbar von nebenan. In der Rosenstadt hingegen scheint man gelernt zu haben. Das Ende lautet: „Wir freuen uns auf Zuwachs im Viertel! Till Behnke und Ina Brunck von Nebenan.de.“ Das Ziel von Nebenan.de sei, die Nachbarn eines Viertels besser miteinander zu vernetzen, erläutert Ina Brunck, Mitgründerin von Good Hood, auf Anfrage. Es gehe darum, schnell mit seinen Nachbarn in Kontakt zu treten. Das Netzwerk sei unter anderem für lokale Empfehlungen von Ärzten, Babysittern und zum Tausch oder Verleih von Alltagsgegenständen gedacht. Ein Ansatz, den Sibel Kilic, Quartiersmanagerin bei „Soziale Stadt – entlang des Hornbachs/Breitwiesen“, begrüßt. „Wir freuen uns über das Projekt und wünschen uns sowas auch für Bubenhausen und Ixheim.“ Das Netzwerk könne die Kommunikation im Quartier verbessern, und das Soziale-Stadt-Projekt könne die Plattform nutzen, um seine Veranstaltungen anzukündigen, sinniert Kilic. „Uns sind keine schlechten Erfahrungen mit dem Netzwerk bekannt“, schließt sie. Die Werbeflyer wurden bisher in sechs Stadtteilen ausgeteilt. „Immer, wenn aus einem Viertel erste Anmeldungen kommen, starten wir dort eine Werbeaktion“, sagt Brunck. Good Hood will von den Mitgliedern des Netzwerks den echten Namen und die Anschrift wissen. „Die Anschrift brauchen wir, weil die Nachbarschaften geografisch begrenzt sind und die Menschen ihnen zugeordnet werden müssen.“ Auf den echten Namen zu bestehen, bewähre sich seit zwei Jahren. „Die Atmosphäre wird freundlicher, die Menschen gehen besser miteinander um“, betont Brunck. „Man spricht sich ordentlich an und sagt auch Danke oder Bitte.“ Die Mitgründerin versichert, dass die Daten nur zu diesem Zweck erhoben würden. „Wir wollen die Nutzer nur einmal identifizieren und sammeln keine weiteren Daten.“ Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat bisher noch keine Erfahrungen mit Good Hood oder Nebenan.de gemacht. Es seien bisher weder Beschwerden noch Anfragen zu dieser Firma oder der Internet-Plattform eingegangen, teilt die Pressestelle mit.