Zweibrücken „Ne Sechs davor wäre schön“

Speerwerferin Christin Hussong (hier bei den Halleschen Werfertagen im Mai 2017) möchte am liebsten gleich im ersten Saisonwettk
Speerwerferin Christin Hussong (hier bei den Halleschen Werfertagen im Mai 2017) möchte am liebsten gleich im ersten Saisonwettkampf die deutsche Norm für Heim-Europameisterschaften abhaken.

«Zweibrücken.» „Wenn am Ende eine Sechs davor steht, wäre ich super zufrieden“, sagt Christin Hussong vor ihrem Saisondebüt am Samstag beim Winterwurf-Europacup im portugiesischen Leiria. Damit meint die Speerwerferin in Diensten des LAZ Zweibrücken natürlich keine Schulnote, sondern eine Weite über 60 Meter. Schafft sie das, hätte sie die Norm für die Heim-Europameisterschaft (7. bis 12. August) in Berlin erfüllt – das große Jahresziel.

„Die Norm gleich im ersten Wettkampf abzuhaken, wäre schön“, sagt die Herschbergerin, die im deutschen Wurfteam mit Diskus-, Hammerwerfern und Kugelstoßern der Aktiven und U23-Altersklasse zusammen mit Katharina Molitor aus Leverkusen die Fahne der Speerwerferinnen hochhält. Für die Werfer ist der Winterwurf-Europacup der erste Test nach der langen Vorbereitungsphase im Winter, in der im Gegensatz zu den anderen Leichtathleten keine Hallenwettkämpfe auf dem Plan stehen. „Es ist immer spannend zu sehen, wie die Technik dann erstmals unter Wettkampfbedingungen funktioniert“, sagt Hussong, die am Samstag in einer Woche 24 Jahre alt wird. An besagter Technik wurde gerade wieder 14 Tage hart gearbeitet. Im Trainingslager in Potchefstroom/Südafrika mit Papa und Trainer Udo, Frauen-Bundestrainer Mark Frank, Bundestrainer Boris Obergföll, gemeinsam mit den deutschen Top-Speerwerfern Johannes Vetter, Thomas Röhler und Andreas Hofmann. Auch die Tschechen mit Trainer und Weltrekordhalter Jan Zelezny waren da. „Die Bedingungen dort waren super“, schwärmt Hussong, „da fahren wir auf jeden Fall wieder hin“. Das angenehme Wetter mit bis zu 30 Grad wurde weidlich genutzt. „Wir konnten alles Geplante umsetzen und einfach viel draußen werfen“, sagt Hussong. Wie viel? „Rund 100 Würfe mit dem Speer kamen pro Woche schon zusammen. Ohne die anderen Würfe ohne Speer“, rechnet sie vor. Rückmeldung gab’s auf dem Trainingsplatz sogar in Form von Bildern: Ein Biomechaniker war diesmal dabei, so dass die Technik nach jedem Wurf sofort anhand von Videobildern analysiert werden konnte. „Wie mache ich den Stemmschritt, wie groß soll er sein, in welchem Winkel setze ich den Fuß auf“, zählt Hussong einige Fragen auf, die dabei unter anderem intensiv behandelt wurden. „Die Technik entwickelt sich eben immer weiter. Das Optimum hab’ ich erreicht, wenn ich 35 Jahre alt bin“, meint sie lachend. Das große Ziel in diesem Jahr ist – neben der deutschen Meisterschaft – die Heim-Europameisterschaft in Berlin. „Da will ich unbedingt hin. Es ist vielleicht das einzige Mal, dass ich so ein Ereignis zu Hause mitmachen kann“, blickt sie voraus. „Aber ich will dann nicht nur dabei sein, sondern ich möchte schon gerne eine Medaille gewinnen“, sagt sie ehrgeizig. Sie hofft, dass außer Molitor und ihr auch noch eine der jungen Deutschen den Sprung nach Berlin schafft. In Leiria kann Hussong am morgigen Samstag gesund an den Startgehen; nicht selbstverständlich in diesen Tagen, an denen Grippewelle grassiert. Nach ihrer Rückkehr aus Südafrika am vergangenen Montag war sie zwar leicht verschnupft. „Aber das kam von der extrem hochgedrehten Klimaanlage im Hotel, jetzt ist es schon wieder gut.“ Warm anziehen lautete dieser Tage in der Westpfalz daher das Gebot. Gut möglich, dass die Temperaturen in Portugal gar nicht so viel anders sind als zu Hause in Herschberg. Und regnen soll es auch noch. „Aber ich brauche es gar nicht so warm. Hauptsache, das Ganze wird nicht wieder vom Winde verweht wie im vergangenen Jahr auf Gran Canaria“, hofft sie.

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