Zweibrücken
Mundstuhl: Zwei Stunden Sex, die auf die Nerven gehen
Das Comedy-Duo Mundstuhl wollte am Samstag von den Zuschauern in der Zweibrücker Festhalle die Brustwarzen sehen. „Kann Spuren von Nüssen enthalten“ heißt das Programm, in dem die Komiker in sechs Rollen schlüpfen und das Publikum dissen. Ihr Puls kocht. Die etwa 450 Zuschauer in der Zweibrücker Festhalle auch. Mundstuhl zeigt, wozu zwei Menschen in der Lage sein können: zu einer tollen Dynamik, zweifelhaften Gags und verschieden Umschreibungen für ein und dasselbe Thema: Sex.
Noch nie hat man in fast zwei Stunden derart geballte Pointen zu diesem Thema gehört. Es scheint der rote Faden, der dem Duo in seinen mitunter gespaltenen Persönlichkeiten erhalten bleibt. Da wären Peggy und Sandy, die die Zuschauer schon von früheren Programmen kennen. Sandy ist 24, hat drei Kinder – das älteste ist 13 – und ist zweifache Oma. Natürlich sind die beiden arbeitslos, „das ist eine Familientradition“, sagt Sandy stolz.
Liebesspeer und Feuerlöscher
Im Zwiegespräch erzählt sie ihrer Freundin, dass sie letztens 1000 Euro gewonnen hat und damit in Afrika in Urlaub war. Dort hat Kai Pflaume „seinen Liebesspeer in meiner Lustgrotte versenkt“, flötet sie. Oder war es doch ganz anders? Währenddessen hat Peggy den Drang, leidenschaftlich zu bumsen. Ja, das haben die beiden tatsächlich so gesagt. Eine jugendfreiere Auswahl an Gags hatten sie leider nicht in ihrem Repertoire. Was einerseits gut, und andererseits schlecht ist: Zum einen sind die ständig versexten Pointen irgendwann wirklich nervig – zum anderen hebt es die Lachmuskeln der Zuschauer auf skurrile Weise. Viele johlen, viele lachen laut. Wenn man zu Mundstuhl geht, weiß man eben, was da kommen mag.
Neulich im Sexshop wollte Peggy sich einen Dildo aussuchen – und entschied sich für einen großen Roten. Die Verkäuferin: „Der Feuerlöscher ist nicht zu verkaufen.“ Es sind Witze auf primitivste Art. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist das Publikum fasziniert von Lars Niedereichholz und Ande Werner. Eins muss man ihnen lassen: Sie harmonieren perfekt. Sie scheinen wie verwachsen und lassen ihr Publikum an ihren zum Himmel schreienden Dialogen teilhaben. Da ist es gut, dass sie neben Peggy und Sandy noch andere Figuren aus dem Hut zaubern. Ein Stühlerücken bei Mundstuhl sozusagen.
Rumhacken auf Minderheiten
Eine Hymne für Kai Pflaume gibt’s auch, sie besteht nur aus zwei Worten: „Kai Pflaume“. „Damit bringen wir all seine Leistungen und komplexe Persönlichkeit auf den Punkt“, kündigte Ande Werner an. Ein „Killing Me Softly mit Fleischwurst“-Lied reiht sich da nahtlos in die intellektuell hochtrabende Ebene ein. Ihre Gags münden des Öfteren im Rumhacken auf Minderheiten. So möchten die beiden einen Liliputaner gegen einen Albino-Elefanten schleudern und schmettern ein Liedchen über Menschen mit Down-Syndrom. Dabei singen sie „Downies“. Und: „Downies ist immer noch besser als Mongos.“
Fernab der erstaunlich schmerzfreien und manchmal total dämlichen Gags gibt’s aber auch ganz gute Momente. Etwa, als die beiden Torben und Sören aus dem Sack lassen. Sie kommen zu Queens „Under Pressure“ auf die Bühne, denn sie sind ja auch „total drucklose und sinnvolle Klimaaktivisten“. Sie laufen einfach durch den Wald und spüren die Vibrationen der Bäume. Wenn sie die Stimmen der Bäume aus dem Ohr kriegen, überlegen sie, sich auf der Bühne festzukleben. Oder doch lieber am Zapfhahn des Fliegers nach Thailand? Die Anspielung zeigt, dass das Programm wirklich neu ist.
Abgeschnittene Gegenden
Ansonsten bietet es eher vergammelte Gags. Das Coming-Out – diesem Thema widmen sie einen drei Sekunden langen Song – müsse in „von der Republik abgeschnittenen Gegenden wie hier“ ja besonders schwer sein. Das ziehe den Tod durch den Trecker nach sich.
Das Programm schließt, wie es angefangen hat: mit einer Parodie von „Siegroy und Fried“, dem Bachelor und seinen „15 Hobby-Nutten“. Die Erkenntnis nach dem Abend: Ja, es geht noch niveauloser als das RTL-„Dschungelcamp“. Und ja, auch darüber kann man sehr herzlich lachen. Wenn es einem am Ende nicht im Hals stecken bleibt.