Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Montagsumfrage: Wer feiert Fasnacht – und wie

Auch eine Verkleidung: als Fieberthermometer.
Auch eine Verkleidung: als Fieberthermometer.

Hat sich die Fasnacht verändert? Wenn ja, wie? Verkleiden sich die Menschen? Haben sich die Verkleidungen verändert? Wir haben uns in der Zweibrücker Fußgängerzone umgehört.

Karin Müller aus Zweibrücken hat mit Fasnacht nicht viel am Hut. In jüngeren Jahren hat sie sich allerdings verkleidet. „Und als Kind auch“, sagt sie. Ihre Lieblingsverkleidung war Prinzessin, kommt die Antwort auf die entsprechende Frage wie aus der Pistole geschossen. Nachdem sie Mutter wurde, habe sie für Fasnacht keine Zeit gehabt. Aber auch die Lust dazu habe gefehlt. „Auf dem Umzug waren wir ab und zu, aber Kappensitzungen haben wir nie besucht“, sagt sie. „In meinem Alter ist Fasnacht nicht mehr wichtig“, meint sie abschließend.

Karin Müller
Karin Müller

Konrad Witzgall aus Zweibrücken trauert alten Zeiten nach. „Früher war Fasnacht viel intimer, man kannte die Leute, mit denen man gefeiert hat, man hat sich getroffen und zusammen Fasnacht gefeiert. Heute ist es so: Wenn die Clique nicht mehr existiert, hat man keinen Anschluss mehr“, meint er. Er sei kein richtiger Fasnachter. Auf den Zweibrücker Fasnachtsumzug gehe er trotzdem immer mit den Kindern. Auch dort habe man sich früher mit vielen Freunden und Bekannten getroffen. Das sei weniger geworden. Heute verkleidet er sich nicht mehr, früher jedoch immer. „Wir haben angezogen, was wir gefunden haben, mal ein Nachthemd oder einen Schlafanzug“, erinnert er sich.

Konrad Witzgall
Konrad Witzgall

Iris Thiery aus Mittelbach war jahrzehntelang Leiterin des Mittelbacher Kindergartens. Sie bezeichnet sich als Fasnachterin. Früher hat sie öfter Prunksitzungen besucht, heute nicht mehr. Auf Faschingsumzüge geht sie auch heute noch gerne – und „Verkleiden gehört auch dazu“, erzählt sie. „Einmal im Jahr muss man ja mal frei, glücklich und zufrieden sein“, schildert sie die Nebenwirkungen der Fasnacht für sie. Die Verkleidungen wählt sie spontan aus ihrem großen Fundus, den sie schon aus beruflichen Gründen über Jahrzehnte hinweg angesammelt hat. Denn im Kindergarten sei für die Erzieherinnen Verkleidung eine angenehme Pflicht gewesen. Ihr schönstes Kostüm sei ein Gartenzwerg mit Gießkanne.

Iris Thiery
Iris Thiery

Edith Mazur aus Landstuhl war als Kind auf Faschingsveranstaltungen und hat sich gerne verkleidet. Ihre liebste Verkleidung war damals Cowboy. Heute ist sie keine Fasnachterin mehr. „Ich habe zu viele gesundheitliche Probleme. Bei Umzügen kann ich zum Beispiel nicht lange stehen“, erzählt sie. In Landstuhl gebe es keinen Umzug, aber im benachbarten Ramstein. In der RHEINPFALZ lese sie immer vom Umzug und schaue sich größere Karnevalsumzüge und Prunksitzungen im Fernsehen an.

Edith Mazur
Edith Mazur

Winfried Nickolaus aus Einöd sagt: „Ich bin kein Fasnachter mehr, das war einmal“. Noch als Erwachsener hat er in der Einöder Saarpfalzhalle verkleidet gefeiert. „Man hat das angezogen, was man gerade gefunden hat, ein Kostüm musste es nicht unbedingt sein“, erinnert er sich. Noch heute feiern die Einöder samstagabends in der Halle Fasnacht, früher waren es vier tolle Tage hintereinander. „In meinem Alter muss man das nicht mehr haben – mit über 70“, meint er. Dennoch erinnert er sich gerne an das schönste Kostüm. Als Beduine verkleidet ist er mit anderen Einödern am Zweibrücker Umzug vor rund 50 Jahren mitgeritten.

Winfried Nickolaus
Winfried Nickolaus

Andreas Groß aus Höhfröschen war bis Mitte 20 begeisterter Fasnachter und besuchte jedes Jahr den Pirmasenser Schwimmerball. „Das war der Treffpunkt früher, und das war sehr groß damals“, sagt er zur Veranstaltung, die Kult gewesen sein muss am Horeb. Später besuchte er ab und zu die Umzüge in Rodalben und Dahn. Seit einigen Jahren habe er dafür keine Zeit mehr, da er über Fasnacht arbeite. Seit zehn Jahren, seit sein Sohn aus dem Teenageralter herausgewachsen sei, habe er kein Interesse mehr an Fasnacht.

Andreas Groß
Andreas Groß
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