Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Gänsehautmomenten: Zweibrücker Stadtderby ist wie ein DFB-Pokalspiel

Rechtsaußen der VTZ: Tobias Stauch (rechts) traf zuletzt beim Auswärtssieg in Worms sechsmal ins gegnerische Tor.
Rechtsaußen der VTZ: Tobias Stauch (rechts) traf zuletzt beim Auswärtssieg in Worms sechsmal ins gegnerische Tor.

Die VTZ Saarpfalz empfängt den SV 64 Zweibrücken – ein Spiel, das die Fans immer elektrisiert. Wer dieses besondere Derby-Gefühl noch mal erleben möchte, muss am Sonntag in der Westpfalzhalle sein. Die aktuelle sportliche Entwicklung im Mannschaftssport im Allgemeinen, die auch den Handball im Speziellen betrifft, lässt ahnen, dass das Derby nicht mehr oft ausgetragen wird. An Herzblut wird es auf beiden Seiten nicht fehlen.

„Für mich ist dieses Derby immer wie ein DFB-Pokalspiel gewesen“, beschreibt Tobias „Schnulli“ Stauch, Rechtsaußen des abstiegsbedrohten Handball-Oberligisten VTZ Saarpfalz, seine Stadtderby-Eindrücke. Ob eine Mannschaft davor gut oder schlecht drauf war, „das war im Stadtderby immer egal. Es war immer ein besonderes Spiel. Ich bin mir sicher, das wird auch dieses Mal so sein“, skizziert Stauch seine Erwartung. Am Sonntag ist die VTZ Gastgeber des SV 64 Zweibrücken (Anwurf: 17 Uhr, Westpfalzhalle).

Mit einem DFB-Pokalspiel vergleiche er das, sagt Stauch, weil ein Pokalspiel bekanntlich seine eigenen Gesetze habe, „und genau das gilt auch für das Stadtderby im Handball“. Den Fußball-Vergleich kann Stauch gut ziehen, weil er zunächst Fußball gespielt hatte, bevor er mit 17 Jahren als Spätstarter zum Handball kam. Pünktlich zum Derby präsentierte sich der 37-Jährige zuletzt in Worms in Top-Form, erzielte sechs Tore. „Ich habe endlich mal Bälle bekommen, bin nicht nur rauf und runter gelaufen“, sagt er augenzwinkernd und ergänzt: „Und ich habe meine Chancen auch mal genutzt.“

„Alte Haudegen“ haben schon viele Derbys erlebt

Die Chancen genutzt, das galt vergangenen Samstag auch für sein Pendant als „alter Haudegen“ beim SV 64 Zweibrücken, Philipp Hammann. Der Kapitän nutzte seine Möglichkeiten konsequent, netzte fünfmal ein. „War ganz okay“, sagt Hammann zur Leistung, freute sich vor allem, dass der SV 64 gegen Eckbachtal endlich mal mit dem Biss spielte, der zuvor oft vermisst worden war. Mit Biss werden sicher beide Mannschaften ins Derby gehen und wünschen sich eine schöne Kulisse und gute Handballstimmung. „Ich kenne Schnulli schon lange, ich freue mich, wenn er gut spielt“, sagte Hammann. Müsse nur nicht unbedingt gegen den SV sein, ergänzt er lachend.

Einig sind sich die beiden Rechtsaußen, dass der Sonntagstermin fürs Derby nicht ideal ist. Hätten sie einen Wunsch frei, „dann hätte ich gerne am Samstagabend gespielt“, bekennen beide. An den Derby-Samstagen in den vergangenen Jahren – die letzten drei Stadtduelle entschied der SV 64 für sich, das Hinspiel knapp mit 25:24 – habe es schon denkwürdige Spiele gegeben. Im Kopf haben beide vor allem noch die Partie im Oktober 2017, die eine der vielen engen Kisten war. Beide trafen damals jeweils einmal. 23:23 stand es, als nur noch wenig Spielzeit auf der Uhr war. Im Handball gerade genug für zwei Angriffe. Die VTZ war im Angriff, der damalige Trainer Danijel Grgic setzte auf den siebten Feldspieler. Martin Mokris passte auf den zweiten Kreisläufer, „und Philip Wiese hat eingenetzt“, erinnert sich Stauch an den Treffer, der für den 24:23-Sieg reichte. „Denn die folgende Szene hat sich mir in der Derby-Geschichte eingebrannt“, bekennt Hammann. Der SV 64 kam noch mal in Ballbesitz, Marc-Robin Eisel traf zum vermeintlichen 24:24, aber der Treffer zählte nicht. Axel Koch, damals SV-Trainer, hatte unglücklich die grüne Karte gelegt, weil er den letzten Angriff besprechen wollte.

Wird es ein Torhüter-Spiel?

Ansonsten erinnern sich der angehende selbstständige Versicherungskaufmann im VTZ-Dress, der mittlerweile von Contwig nach Zweibrücken gezogen ist, und der gleichfalls in Zweibrücken lebende Maschinenbau-Ingenieur im SV-Trikot, gerne an die Handballfeste, die die Stadtderbys immer bedeuteten. Auch wenn es spielerisch nicht immer die besten Spiele waren: Gänsehautmomente waren garantiert.

Im Hinspiel war Stauch nicht dabei, Hammann erzielte zwei Treffer. „Norman Dentzer im VTZ-Tor hat damals ein überragendes Spiel gemacht“, sagt Hammann. Den Torhütern, da sind sich Stauch und Hammann gleichfalls einig, könnte am Sonntag erneut eine entscheidende Rolle zukommen.

„Damian Zajac hat zuletzt sehr stark gehalten“, bescheinigt VTZ-Trainer Marek Galla auch dem SV-Keeper gute Leistungen. Er weiß, das seine Mannschaft wieder sehr konzentriert ihre Angriffe ausspielen muss, um zum Torerfolg zu kommen. Galla hat als Spieler manches Derby miterlebt, die Partie 2017 als Co-Trainer. „Als verantwortlicher Trainer ist es mein erstes Stadtderby“, bestätigt er. Im Hinspiel hatte das VTZ-Trainerduo noch Philip Wiese und Kai Schumann geheißen. Bei den letzten drei SV-Erfolgen hieß der Coach der 64er Stefan Bullacher. „Das könnte wieder so ein Spiel werden, das ganz knapp ausgeht“, erwartet der ein umkämpftes Stadtduell.

Rechtsaußen der SV 64: Philipp Hammann (links) trug beim Heimsieg gegen die HSG Eckbachtal fünf Treffer bei.
Rechtsaußen der SV 64: Philipp Hammann (links) trug beim Heimsieg gegen die HSG Eckbachtal fünf Treffer bei.
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