Zweibrücken Mit dem Clown kommt das Lachen
Sie setzen auf verblüffende Zaubertricks und komödiantisches Talent. Einige punkten mit poetischem Vortrag; mitunter ist auch mal ein platter Spruch geboten. Dennoch gewinnen alle 16 Teilnehmer des St. Wendeler Wettbewerbs der Straßenzauberer die Herzen des Publikums.
So wie Kamimaro: Der feuerrot gekleidete japanische Zauberer lässt Origami-Vögelchen wie von Geisterhand gezogen über seine Arme wandern. Brennendes Papier verwandelt sich in eine Rose, und aus einer zerknüllten leeren Dose ergießt sich ein Schwall Limonade ins Publikum. „Toll ist auch der mit den Ballons“, schwärmt der 13-jährige Zuschauer Leon vom Magier Tobi van Deisner: Der heimst am Abend bei der Open-Air-Gala auf dem Schlossplatz einen Sonderpreis für Komik ein. Der Wettbewerb der Straßenzauberer in St. Wendel sei unter Magiern „bestens bekannt“, sagt Festivalleiter Georg Lauer: „Wir sind in Europa die Nummer eins.“ Mehr als 100 Zauberer hatten sich beworben, viele davon aus Lateinamerika. 16 ließ die Jury zu. Gesiebt wurde nach Qualität und Abwechslung. Die typischen Tricks der Straßenzauberer ähneln sich; es wird mit Ringen, Bechern, Ballons, Jonglage und Seilen gearbeitet. „Ich achte darauf, dass sich nicht zu viel in den Programmen wiederholt“, so Lauer. Jeder der Teilnehmer lässt nach seinem 20-minütigen Auftritt den Hut rumgehen. Dieses Geld sichert den Freischaffenden nicht nur ihr Auskommen. Wie die Künstler es schaffen, das Publikum zur Spende zu bewegen, fließt in die Bewertung genauso ein wie das magische Geschick. Während Kamimaro in der Balduinstraße seine kleinen Märchen erzählt, gibt vor der Kirche am Fruchtmarkt Nickey Fynn (USA) sein Bestes. Auf dem Schlossplatz hat der Slowene Sam Sebastian seine Bühne abgesteckt, wo er mit Löffeltricks und Schwertschlucken beeindruckt. Am späteren Samstagnachmittag ist der Wettbewerb gelaufen; die Jury beurteilt die Auftritte vom Freitag und Samstagvormittag. Der Sonntag sieht auf noch mehr Plätzen in der Stadt ein Familien-Zauberfest. Zurück in die Balduinstraße: Funnykito zieht mit Hut und strahlendem Lächeln die Leute in seinem Bann. Pantomimisch clownesk ist die Nummer des Brasilianers. Kaum ein Zuschauer geht vorzeitig weiter; Kinder wie Große lieben ihn. Als das Ende naht, hält der Clown bebilderte Schilder hoch. International verständlich sagen die, dass ein Getränk mit zwei Euro zu Buche schlägt und eine Hamburger-Mahlzeit mit fünf. Doch was kostet ein Lachen? Auf diesem Schild prangt nur ein dickes Fragezeichen. Die Botschaft hat offenbar gezündet. Funnykito ist der unumstrittene Sieger des Wettbewerbs, er streicht 1000 Euro Preisgeld ein. Platz zwei geht an den Chilenen Flash Gonzales, gefolgt von Robert Ganahl aus Österreich. Sonderpreise für Komik erhalten A. Schlickenprobst und Tobi van Deisner, beide aus Deutschland.